Auf dem E3 im Wałbrzycher Bergland

Er ist von allen Stadtteilen Wałbrzychs zu sehen, verlockt die echten Wanderer und Halbschuhtouristen, die Damen in Stöckelschuhen und Männer in Anzügen: der steinerne Aussichtsturm. Denn er steht auf einem 851 m hohem Gipfel, von dem man wohl das schönste Gebirgspanorama des Walbrzycher Berglandes erblickt und eine der schönsten Aussichten in den Sudeten. In den urslawischen Zeiten war auf dem Gipfel der Platz der heidnischen Rituale - heute steht hier das größte Stahlfachwerkkreuz in Europa. Auf den Chełmiec, den zweitgrößten Berg des Wałbrzycher Berglandes, führen 4 Wege, unter ihnen der schwierigste, einer der steilsten in den Sudeten – der blaue Europäische Fernwanderweg E3. Die Wanderung beginnt in Szczawno Zdrój (Bad Salzbrunn), dem Kurort, der an Biały Kamień, einem Stadtteil Walbrzychs, grenzt.

Szczawno Zdrój ist der Geburtsort der Gebrüder Gerhard und Carl Hauptmann. Ihr Familienhaus steht in der Wojska – Polskiego – Straße 1 (ul. Wojska Polskiego 1) und beherbergt heute das Sanatorium „Korona Piastowska“. Im Kurort sind der Kurpark mit altem Baumbestand, der Promenade, Trink- und Wandelhalle und dem Kurtheater vom 1890 besuchenswert.

Vom Stadtzentrum gehen wir die Bocznastraße (ul.Boczna) entlang durch den Stadtteil Wałbrzychs - Konradów bis zur Waldgrenze, die wir in einer halben Stunde erreichen. Da verstummen plötzlich alle Straßengeräusche: Autos, Disko – Polo–Musik, lärmende Kinder und – Achtung, liebe Hundenarren! – bellende Vierbeiner. Es öffnet sich ein Tor zu einer besseren Welt …

Anfangs läuft man angenehm flach durch den Wald, dann geht es richtig los. Der Weg wird immer schwieriger, die letzten 1000 m sind supersteil - wer will, benutze alle vier Gliedmaßen. Die Strecke ist nicht berauschend - keine schönen Aussichten machen die Anstrengung wieder gut … Eines kann man aber sicher sein – es ist ein Weg für Einzelgänger. Unterwegs bietet sich keine Gelegenheit, „Guten Tag“ zu sagen: alle anderen (gar nicht viele) laufen nämlich auf der gelben Route vom Stadtteil Biały Kamień oder auf der grünen von Lubomin. Es gibt auch eine Zufahrtsstraße von Boguszów Gorce. Zwei volle Stunden brauchen wir vom Start auf der blauen Route, um den Gipfel zu erklimmen… Da wartet auf uns ein Preis für die mühselige Kletterei. 1888 wurde hier ein steinerner, nach einer Burgruine gestalteter Aussichtsturm errichtet. Nach dem 2. Weltkrieg war er lange für Touristen geschlossen. Das Gebäude wurde nämlich in einen Fernsehturm umgewandelt und verkam im Laufe der Zeit, bis es die Funkamateure übernommen haben. Heute haben sie hier ihren Sitz und sorgen dafür, den Turm wieder ins Leben zurückzurufen. Sie haben ihn renoviert und bauen hier eine Gaststätte nach dem Vorbild von einer aus der Vorkriegszeit.

Auf dem Turm befindet sich die Relaisstation des hiesigen Radiosenders, der Taxiunternehmen und Schutzfirmen. Die vielen Antennen beeinträchtigen zwar das Landschaftsbild, das 360 Grad - Panorama, das sich vom Turm ausbreitet ist aber überwältigend! Es umfasst fast alle Gebirgszüge der Sudeten: Pogórze Wałbrzyskie (Waldenburger Vorland) und Przedgórze Sudeckie (Sudetenvorland), Góry Sowie (Eulengebirge) im Südosten und Góry Kamienne (Steingebirge) im Süden. Im Westen ragen Rudawy Janowickie (Landeshuter Kamm) und weiter Góry Kaczawskie (Katzbachergebirge) über Kotlina Kamiennogórska (Landeshuter Senke) empor. Außerdem ist der westliche Teil von Góry Wałbrzyskie (Waldenburger Bergland) zu sehen. Den Horizont schließen Karkonosze (Riesengebirge) und Góry Izerskie (Isergebirge). Am Fuße des Berges versinkt im Grünen - von allen Seiten mit den bewaldeten Hügeln umgeben - die alte Bergstadt Wałbrzych – ein Konglomerat der Schönheit und der Hässlichkeit. Ich stehe seit einer halben Stunde auf dem Turm und kann mich nicht satt sehen.

Der Turm ist leider - trotz der wunderschönen Aussichten - kein Paradies für die Fotografen. Es ist hier gar nicht möglich, wegen der Antennen und des Relais, ein Panoramafoto zu machen. Man muss sich also mit den Einzelbildern zufrieden geben oder das Gesehene einfach nur in Erinnerung behalten.

Der Aussichtsturm ist von Mai bis Ende Oktober samstags und sonntags und an allen Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Eintrittskarte kostet 4 Zl (ca.1 Euro). Auf dem Berg gibt es neben dem Turm und dem 45 m hohem Millenniumskreuz noch eine Feuerstelle und ein paar Bänke zum Ausruhen.

Der blaue Weg führt weiter bergab in die Stadt Boguszów-Gorce, anfangs zusammen mit dem gelben und dem grünen. An der Strecke stehen Granitplatten mit Aufschriften – ein „Kreuzweg bergmännischer Aufopferung“.

Dann biegt der Weg nach rechts ab und wir folgen einem schmalen Pfad durch Wiesen bis zur Stadt Boguszów Gorce. Am Horizont guckt wieder die Prinzessin Schneekoppe über die Baumkronen und als wir schon die ersten Häuser hinter uns gelassen haben, sehen wir in der Ferne Cerna Hora (1299m) – einen der höchsten Berge im tschechischen Riesengebirge. Noch einige hundert Meter durch die Wiesen und Felder und man gelangt das Stadtzentrum von Boguszów - Gorce.

Boguszów Gorce (Gottesberg) ist eine alte Bergstadt, die nach der Entdeckung der Erz- und Silberadern im 14. Jahrhundert von den sächsischen Bergleuten gegründet wurde. 500 Jahre lang bis zu den 90-er Jahren des 20. Jahrhundert wurden hier Steinkohle und Baryt abgebaut. Der Ring in Boguszów ist der höchst gelegene Marktplatz in Polen.

Der E3 läuft weiter, der „Erkundungs-Spaziergang“ geht aber zu Ende …

Wojewodschaft: Dolnośląskie
Region:              Mittelsudeten
Abschnitt:          Szczawno Zdrój – Boguszów- Gorce
Länge:               10 km

 

Aussichtsturm auf dem ChelmiecGeburtsort der Gebrüder Gerhard und Carl Hauptmann: Szczawno Zdrój (Bad Salzbrunn)DSC03173.JPG...und plötzlich verklingen die Stadtgeräuche ...Walbrzych (Waldenburg) zu Füßen ...DSC03057.JPGBoguszów Gorce (Gottesberg)
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