Beskiden-Hauptweg

Polens unbekannte Wander-Ecke

Unterwegs auf dem Beskiden-Hauptweg im August 2013

1. Tag Anreise und Fahrt nach Krynica-Zdrój

Nur Fastfood, tragbarer Kühlschrank und riesige Menschenschlange

Es war wieder Sommer und eine Fortsetzung auf dem Beskiden-Hauptweg war angesagt. 2013 war ein außergewöhnlich nasses und kaltes Frühjahr. Weite Landstriche in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen, Schleswig-Holstein meldeten nach heftigen Regenfällen „Land unter“. Dafür hatten wir im August 2013 vor allem in Osteuropa Rekordtemperaturen von 40 Grad. Deshalb bestand bei der Wandergruppe die Befürchtung, dass wir unsere Tour durch Südpolen (Beskiden) nur mit einem tragbaren Kühlschrank überstehen können.

8:25 Uhr war Abflug in Frankfurt und bereits um 10:00 Uhr konnten wir unsere Rucksäcke in Kraków (Krakau) in Empfang nehmen. Krakau war uns von unserer Wanderung 2012 in guter Erinnerung. Vom Flughafen ging es in wenigen Minuten mit der „Schnellbahn“ zum Hauptbahnhof, wo wir uns zunächst in der Galeria Krakowska für die Weiterreise stärkten. Kulinarische „Highlights“ waren nirgends zu entdecken, vielmehr dominierten Fastfood-Ketten.

Nach einer 3-stündigen Busfahrt – vorbei an abgeernteten Getreidefeldern – erreichten wir den etwas höher gelegenen Bergkurort Krynica-Zdrój, mit seinen 11.000 Einwohnern. Kaum aus dem Bus ausgestiegen, fiel uns eine (rätselhafte), riesige Menschenschlange auf. Wofür standen sie alle an? „Lody“ stand über dem Geschäft, wir waren auf den besten Eissalon Südpolens gestoßen. Wir haben schon viele Kurorte in Polen gesehen, aber noch keinen mit so vielen Besuchern. Krynica-Zdrój scheint der populärste in Polen zu sein.

2. Tag Besichtigung von Krynica-Zdrój

Er nannte sich Nikifor, Gedränge auf der Flaniermeile

Welcher berühmte polnische „naive“ Maler des 20. Jahrhunderts rührte die Wasserfarben mit seiner Spucke an und erzielte damit außergewöhnliche Farben? Es war Epifaniusz Drowniak, mit Künstlernamen Nikifor, der (fast) sein ganzes Leben in Krynica Zdrój wohnte. Seine Motive fand er in Krynica Zdrój und in der Beskiden-Landschaft. Man geht davon aus, dass er mehrere Tausend Aquarelle und Zeichnungen auf Papierabfällen wie Packpapier, Notizzetteln und Zigarettenschachteln malte, denn Geld zum Kauf von Zeichenpapier fehlte ihm. Seine Bilder versuchte er auf der Flaniermeile an Kurgäste zu verkaufen. Die von ihm geschaffenen Bilder findet man heute in Gemäldesammlungen der größten polnischen Museen. Auch seine Heimatstadt Krynica Zdrój hat zur Erinnerung an den berühmtesten Maler der Stadt, in der „Willa Romanówa“ ein Museum eingerichtet, das wir ab 10:00 Uhr besuchen konnten.

Vor unserem Hotel war man am Nachmittag dabei, Festzelte und Showbühnen für ein Musikfestival zu errichten. Abends schien es, als verspüre jeder Kurgast den Wunsch sich auf der Flaniermeile zu präsentieren. Entsprechendes Gedränge herrschte auf den öffentlichen Wegen. Eine ukrainische Folkloregruppe aus Lwów (Lemberg) sang, musizierte und tanzte mehrere Stunden vor unserem Hotel. Im Biergarten unseres Hotels Małopolanka (Kleine Lichtung) stimmten wir uns bei einem „goralischen Abendessen“ auf die Fortsetzung unserer Wanderung auf dem Główny Szlak Beskidzki (Beskiden-Hauptweg) ein.

3. Tag Krynica-Zdrój → Rytro (Ortsteil Sucha Struga) 22,3 km

Partisanendenkmäler, Motorradrennen und schwieriger Abstieg

Trotz des Feiertags Maria Himmelfahrt herrschte an der Talstation der Gondelbahn nur wenig Andrang.

Bereits nach wenigen Minuten erreichten wir den Gipfel des Jaworzyna Krynicka mit 1.114 m. Wir hatten die Beskid Niski (Niederen Beskiden) verlassen und befanden uns ab Krynica-Zdrój im Gebirge der Beskid Sądecki (Sandezer Beskiden). Auf der Höhe war ein ideales Wanderwetter mit Temperaturen um die 20 Grad. Auf dem gut gekennzeichneten Weg erreichten wir nach 55 Minuten die Weggabelung Runek. Hier trafen wir heute zum ersten Mal auf mehrere Wanderer, die eine Frühstückspause einlegten.

Mittags machten wir Rast auf der Łabowaska Hala - dort ist auch eine bewirtschaftete Berghütte (Schronisko) - die sicherlich aufgrund des Feiertags (Maria Himmelfahrt) gut besucht war. Ab der Hütte kamen wir gelegentlich an Almwiesen vorbei, von denen man eine gute Fernsicht auf die umliegenden Täler und unter anderem auf die größere Stadt Nowy Sącz (Neu Sandez) hatte. Immer wieder sahen wir beiderseits des Weges Partisanendenkmäler aus dem Jahre 1944, die teilweise mit Blumen geschmückt waren. Aus Nowy Sącz (Neu Sandez) kamen uns auf dem schmalen Weg Motorräder entgegen gebraust, die uns mit Lärm, Abgasen und Staub eindeckten.

Der mit 45 Minuten angekündigte Abstieg in das Poprad-Tal geriet zum Martyrium. Innerhalb von nur 2 km mussten wir 500 Meter absteigen. Knorrige Wurzeln und Geröll auf dem steinigen Weg erforderten von uns höchste Aufmerksamkeit und Kraft. Erfreut waren wir, dass uns die Inhaberin unserer heutigen Unterkunft, „Genowefa“, mit Schweinebraten und kleinen Klößen (Kluski) wieder aufmunterte.

4. Tag Rytro (Sucha Struga) → Schronisko na Przehybie 16,5 km

Getrennt marschieren, absolutes „Highlight” und lange Schlangen

Am heutigen Tag galt die Devise, getrennt marschieren und gemeinsam an der Übernachtungshütte Schronisko na Przehybie ankommen. Klaus und Wolfgang wählten ab Rytro mit 13,5 km die blaue Markierung, Felix und Harald die 3 km weitere Variante auf dem rot markierten Weg.

Der Weg mit der blauen Markierung hatte den Nachteil, dass man 3,5 km auf Asphalt durch den Ort Rytro wandern musste. Demgegenüber sind die Anstiege nur an wenigen Stellen sehr steil. Anstiege und längere flache Strecken wechseln sich ab. Aussichten in die Täler sind leider nur wenige vorhanden.

Die rote Markierung führte zunächst eine Stunde steil aufwärts, vorbei an Häusern und größeren Gärten, in denen die Bewohner Gartenarbeiten verrichteten. Nach 6,7 km in Niemcowa (1.001 m) hatten wir bereits einen Aufstieg von 700 m bewältigt. Der Weg verläuft über zahlreiche Haly (Almwiesen) mit weiten Ausblicken. Ab Wielki Rogacz bis zum Pass Przełęcz Żłobki hatten wir ständig Blick auf das Massiv der Hohen Tatra. Ein steiler, anstrengend zu wandernder Geröllpfad führte zum Aussichtsturm Radziejowa 1.255 m. Der hölzerne Turm ist wegen seiner außergewöhnlichen Aussicht ein „Highlight“ auf dieser Wanderetappe. Vom Aussichtsturm gingen wir wie die meisten Wanderer zur Schronisko na Przehybie und reihten uns in die lange Schlange vor der Getränke- und Essensausgabe ein.

5. Tag Schronisko na Przehybie → Krościenko nad Dunajcem 12 km

Partisanendenkmal, junges Glück und Fliegenfischer

Am frühen Morgen hatten wir kurz nach Sonnenaufgang einen herrlichen Blick auf das Massiv der Hohen Tatra. Unsere Mittagspause machten wir kurz vor dem Abstieg auf den 830 m hohen Sattel Przysłop przełęcz. Auch hier hatten wir klare Sicht auf die umliegenden Dörfer im Talbecken. Am Pass Przysłop przełęcz war die Heuernte an einem kleinen Weiler, mit einigen Schafen und Kühen, gerade im Gange. Erneut war an dem Pass ein geschmücktes Partisanen-Denkmal errichtet, diesmal sogar mit aufgezogener polnischer Fahne. Nach einem steilen Aufstieg begegnete uns ein erst 3 Tage verheiratetes polnisches Paar, das mit Sandalen auf einer mit Geröll übersäten Rinne unterwegs war. Dank ihres Großvaters aus Oberschlesien sprach die Braut sehr gut Deutsch.

Vier Jeeps, die wegen Holzmachens auf dem Wanderweg unterwegs waren, drängten uns vom Weg und staubten uns noch stärker ein als die BMX-Fahrer vor 2 Tagen.

Um das Ortszentrum von Krościenko nad Dunajcem zu erreichen, mussten wir eine Brücke überqueren.

Wir hatten das Gebirge der Beskid Sądecki (Sandezer Beskiden) durchwandert und nun das Pieniny (Pieninen-Gebirge) erreicht. Das wahre Leben in Krościenko nad Dunajcem spielt sich am Fluss Dunajec (Dunajetz) ab. Ein Biergarten in der Nähe der Brücke und direkt am Ufer des Flusses lud uns zu einer Erfrischung ein. Mehrere polnische Flößer in Goralentracht kehrten von ihren Ausflugsfahrten zurück und verstauten ihre Flöße am Ufer. Die zahlreichen Fliegenfischer, die im Fluss Dunajec (Dunajetz) standen, inspirierten uns am Abend in dem Lokal „U Basi“ Fisch aus der Pieninen-Region zu essen.

6. Tag Wanderung auf den Trzy Korony (Drei Kronenberg) 13 km / 5 h

Knabenchor, Drei-Kronen-Berg und die Heilige Kinga

Die 20 talentiertesten Fußballspieler im Alter von 8 bis 10 Jahren aus der Stadt Tarnów (Tarnau) hatten in unserer Pension ihr Quartier aufgeschlagen. Ein vielstimmiger Knabenchor begrüßte uns jeden Morgen zum Frühstück mit einem „Guten Morgen“ gefolgt von einem „Guten Appetit“ Besonders „Polonia“ Dortmund war bei den Jugendlichen sehr beliebt und alle wollten ihrem großen Vorbild Robert Lewandowski nacheifern. Krościenko nad Dunajcem mit seinen 4.500 Einwohnern ist das Zentrum des Pieninen-Gebirges.

Der Trzy Korony (Kronenberg) mit seinen 982 m wird als der schönste Berg Polens bezeichnet und es war deshalb für uns ein „Muss“, ihn zu besteigen. Mit uns machte sich ein nicht enden wollender Wanderschwarm auf den Weg zum Gipfel.

Es waren in erster Linie Eltern mit ihren Kindern (im August sind traditionell in Polen Sommerferien) und ein jüngeres Publikum unterwegs zum Gipfel. Die Generation 55+ war außer uns kaum vertreten.

Zunächst geht der Weg ziemlich steil nach oben. An einer Abzweigung – jeder Wanderer muss an dieser Stelle vorbei – verkaufte eine Bäuerin selbstgemachte Buttermilch, Pflaumenkompott (mit sehr viel Flüssigkeit), geräucherten Schafskäse und geräucherten Ziegenkäse (Oszczypek). Nach 2 Stunden Wanderung und einem Aufstieg von 560 m standen wir am Kassenhäuschen vor dem Gipfel des Trzy Korony (Kronenbergs).

Zum Betreten des Gipfels muss man eine Gebühr entrichten. Über stählerne Treppen und Leitern und Gänge – getrennt für Auf- und Abstiege – erreichten wir in wenigen Minuten den Gipfel. Auf der Aussichtskanzel auf einer Höhe von 982 m drängten sich die Besucher, so dass wir nach wenigen Fotos das Weite suchten. Der Fluss Dunajec (Dunajetz) mit seinen unzähligen Flößen und Booten war gut zu erkennen. Auch das Rote Kloster lag unter uns.

Eine Legende berichtet, dass „Bruder Cyprianus“ vom Roten Kloster aus mit einer Flugmaschine über den Trzy Korony (Drei Kronenberg) flog und anschließend in der Hohen Tatra am Bergsee Morskie Oko (Fischsee) abstürzte

Zum Rückweg wählten wir den blau markierten Wanderweg, der über das Zamek Pieninski führt. Bekannt ist diese Burg durch die Heilige Kinga, die mit ihren Klosterschwestern nach dem Einfall der Tataren 1287 hierher geflüchtet sein soll. Am Eingang zur Burg erinnert ein Denkmal an dieses Ereignis. Von der Burganlage sind nur Teile der Befestigungsanlage und der Zisterne erhalten. Der blau markierte Weg führte wieder zurück auf unseren Aufstiegsweg, vorbei an der geschäftstüchtigen Bäuerin. Wir konnten nicht widerstehen und ließen uns die Buttermilch erneut schmecken.

Zunächst führte ein breiter Weg auf einen Bergkamm. Bald verengte er sich zu einem schmalen Pfad, der auf dem Kamm entlang führte. Der Weg war gespickt mit schwierigen Abschnitten (an der Grenze zur Kletterei). Hinzu kam, dass die Abbruchkante nicht gesichert war. Wir können diesen Weg nur trittsicheren Wanderern empfehlen.

Vom Czertezik -Aussichtpunkt konnten wir erneut in das Dunajec (Dunajetz)-Tal herabblicken. Für den steilen Abstieg zurück nach Krościenko nad Dunajcem sind Wanderstöcke zu empfehlen.

7. Tag Krościenko nad Dunajcem → Niedzica, Zamek 13 km

Hundeattacke, verwaiste Schäferhütte und ungarische Grenze

Weinen können nicht nur Menschen, sondern auch der Himmel.

So ein Tag war heute! Starker Regen war angesagt, und so war es auch. Wir wählten den gleichen Anstieg wie vor drei Tagen zum Trzy Korony (Kronenberg) bis zum Przełęcz Szopka (Pass). Buttermilch konnten wir diesmal nicht erwerben.

Am Pass wanderten wir westlich auf dem blau markierten Weg. Aufgrund des schlechten Wetters hatten wir nirgendwo Aussichten.

Nach Überqueren einer Fahrstraße verläuft der Wanderweg auf einer Bergwiese (Hala Majerz) mit außergewöhnlich gelb leuchtenden Gräsern. Kurz vor einer Anhöhe tauchten drei große weiße Hirtenhunde auf die unserem „Frontmann Felix" aggressiv zu Leibe rückten, den wir in weiser Voraussicht vorausgeschickt hatten. Geistesgegenwärtig hielt Felix die drei Angreifer mit seinem Rucksack in Schach, bis der Schafhirte seine Hunde zurückpfiff. Widerwillig ließen die Hunde von Felix ab und trotteten zurück zu ihrer Schafherde.

Bald darauf erreichten wir die Bacówka Majerz Schäferhütte. Eine Besichtigung war uns nicht möglich, da die drei Senner im Begriff waren mit ihrem Pferdegespann Milch und Käse abzutransportieren. Ein Ausstellungspavillon am Ortsrand von Czorsztyn (Schauerstein) war die erste Gelegenheit sich vor dem Regen unterzustellen.

Zum Glück war in der Nähe eine Koliba, wo uns eine heiße Hühnersuppe (aber ohne Hühnerfleisch) aufwärmte. Um zur Ablegestelle des Fährbootes zu gelangen, mussten wir den Ort durchqueren und eine Burg passieren, die zum Schutz der gegenüberliegenden ungarischen Burg errichtet wurde. Bis zum Ende des 1. Weltkriegs verlief hier die Grenze zwischen Polen und Ungarn.

In nur wenigen Minuten erreichten wir mit dem Fährschiff "Halny" das gegenüberliegende Ufer mit dem Ort Niedzica Zamek (Burg Niest). Von unserem Hotel hatten wir einen Blick über den See Jezioro Czorsztanskie und auf die beiden Burgen.

8. Tag Niedzica Zamek (Burg Niest) → Łapsze Wyżne 14 km → [Bukowina Tatrzańska Dolna] 23 km

Fehlende Wegmarkierungen, schwere Schuhe, Rummel und Goralenmusik Tag der Irrwege.

Beim morgendlichen Blick aus dem Hotelfenster war alles in Nebel gehüllt, der See Jezioro Czorsztanskie, die Burgen, die Landschaft. Nach einem Aufstieg – vorbei an Sendemasten – sahen wir zum ersten Mal das rote Wegzeichen, das uns eigentlich den ganzen Tag begleiten sollte, doch immer wieder war das Zeichen an Kreuzungen nicht auffindbar. Hinzu kam, dass der Weg sehr schmal, nass und mit Gras und Gebüschen überwachsen war. Mit der Zeit heftete sich an unsere Wanderschuhe eine dicke Lehmschicht. Das Wandern durch die Pieniny Spieskie (Zipser Pieninen) wurde dadurch nicht gerade einfach.

Auf einer großen Bergwiese machten wir erneut Bekanntschaft – diesmal mit gleich 5 – sich drohend nähernden ungarischen Hirtenhunden. Vor allem ein kleiner Hund gebärdete sich sehr angriffslustig. Da half auch kein gutes Zureden. Glücklicherweise waren die beiden Hirten nicht weit entfernt und versuchten die Hunde zum Weitertreiben der Schafe und Ziegen zu bewegen. Es war eine große Herde mit rund 800 Schafen und Ziegen.

Jetzt begann das übelste Teilstück. Dichtes Buschwerk, Brennnesseln, Dornen und sehr schlechte Wegemarkierung erschwerten das Vorankommen auf einem schmalen Grat. Als Belohnung gab es mehrere schöne Ausblicke auf den See Jezioro Czorsztanskie (ein Dunajetz-Stausee) und zum am nördlichen Ufer gelegenen Ort Frydman. Ein Wegmarkierungspfeil wies uns auf einen sehr steilen, rutschigen Abstieg hin. Der Pfad lag an der gemeingefährlichen Grenze zwischen „Hals und Beinbruch“. Jeder musste mit dem lehmigen Boden Bekanntschaft machen.

Erleichtert erreichten wir nach einer halben Stunde den Talboden. In der nahen Schäfersiedlung Jurgowkie Stajnie (Stallungen) stieg Rauch auf. Anscheinend war man gerade dabei, Käse herzustellen. Nach weiteren 30 Minuten konnten wir uns im Dorf Durztyn (Dornstein) in einem Sklep (Laden) Proviant besorgen. Am Ortsausgang gerieten wir wegen der fehlenden Wegmarkierung in die falsche Richtung. Erst nach 2 km bemerkten wir den Fehler und mussten zunächst zum Ort Durztyn (Dornstein) zurück wandern, wo wir mit aufmerksamem Suchen das richtige Wegzeichen aufspürten.

Den Ort Łapsze Wyżne (Oberlapsch) erreichten wir daher mit erheblicher Verspätung. Für die 14 km von Niedzica Zamek hatten wir 6 Stunden gebraucht. Und zu unserem Tagesziel Bukowina Tatrzańska Dolna waren es noch 9 km. Und das konnte bei dieser schlechten Wegmarkierung „eng“ werden.

Deshalb entschlossen wir uns mit dem nächsten Bus über Nowy Targ nach Zakopane zu fahren. Zakopane erschreckt die Besucher aufgrund der großen Menschenmassen auf der Ulica Krupówki – der Fußgängerzone.

Unser Abendessen nahmen wir im Koliba-Restaurant „Bąkowa Zohylina“ ein, das nur wenige Meter von unserm Hotel entfernt lag. Unterhalten wurden wir von einer 4-Mann Kapelle (3 Geigen und ein Kontrabass) mit Goralenmusik.

9. Tag. Wanderung Strążyska Tal → Kuźnice 4 Stunden

Zakopaneblick, frischer Heidelbeerkuchen und Goralenhochzeit „Live“

Am Eingang zum Strążyska Tal sprachen uns junge Wanderer an, ob wir auch auf den Gipfel des Giewont wollten. Giewont ist der Hausberg von Zakopane mit 1.894 m. Aber an diesem Tag war der Gipfel in Nebel gehüllt. Wir entschlossen uns am Ende des Tals, an der Hütte Strążyska Polana auf dem schwarz markierten Weg zum Sattel Czerwona Przełęcz (1.301 m) zu wandern. Der Aufstieg war äußerst beschwerlich und erinnerte uns an die Himmelsleiter zum Königstuhl in Heidelberg.

Nach weiteren 10 Minuten erreichten wir vom Sattel aus den Aussichtsfelsen Sarnia Skala (1.376 m) mit überwältigendem Blick auf Zakopane und die umliegenden Dörfer. Die Tatraberge und auch der Giewont waren leider in Nebel gehüllt. Der hangwärts führende Wanderweg brachte uns zu einer Aussichtsstelle, diesmal mit Blick auf den Kasprowy Wierch, der mit der Seilbahn zu erreichen ist.

Einige polnische Schüler versuchten ihre Deutschkenntnisse mit uns aufzufrischen.

Nach halbstündigem Abstieg war die Schronisko Górski Kalatówki erreicht, wo wir unsere Mittagsrast bei einer Gulaschsuppe, „Pivo“ nebst frischem Heidelbeerkuchen einlegten. Der 30-minütige Abstieg zur Talstation Kuźnice erwies sich aufgrund des Kopfsteinpflasters als unangenehm zu gehen. Noch am Nachmittag stand eine Menschenschlange an, um mit der Bergbahn zum Gipfel des Kasprowy Wierch zu fahren. Mit einem Minibus konnten wir zurück zu unserem Hotel gelangen.

Abends zogen wir durch die Fußgängerzone zum Festivalgelände und wurden durch Darbietungen von Tanz- und Musikgruppen aus 5 Nationen auf das Folklorefestival-Programm eingestimmt. Auf dem Festivalgelände sahen wir noch weitere Gruppen, überwiegend aus osteuropäischen Ländern, aber auch aus Kanada, Benin, der Mongolei und aus Indonesien. Gruppen aus dem Alpenraum waren nicht vertreten.

Eine Goralen-Hochzeit wurde von Tänzern, Sängern und Hochzeitsgästen sehr euphorisch vor zahlreichem Publikum präsentiert. Die Gruppe "Wiyrchowianie" stammte aus dem nahe gelegenen Ort Bukowina Tatrzańska. Lebensmittel- und Kunsthandwerkstände boten Spezialitäten und Volkskunst der Goralen an. Zu unserem Hotel Czarny Potok benutzten wir erneut die Flaniermeile Ulica Krupówki, die um diese Zeit wieder voller Besucher war.

10. Tag Zakopane → Poronin; Rückfahrt nach Krakau 9 km

Souvenir, Souvenir auf dem Gubałówka Bilderbuchwetter!!

Mit der kolej linowo (Bergbahn) fuhren wir in wenigen Minuten auf den 1.120 m hohen Gubałówka, der von unserem Hotel aus gut am Sendemast zu erkennen war.

Trotz des schönen Wetters war die Aussicht auf die Tatra-Riesen eingeschränkt, es war zu diesig. Hier oben reihten sich Souvenirläden an Souvenirläden. Erinnerungen an die Fidschimärkte an der tschechischen Grenze wurden wach. Angeboten wurden u.a. goralische Pantoffeln, Decken, geräucherter Käse (Oszczypek), Kinderspielzeug, Eis.

Immer wieder kamen uns Pferdekutschen entgegen, die von Goralen gesteuert wurden. Man hat von Gubałówka den besten Blick auf Zakopane und auf die Berge der Hohen Tatra.

Der rot markierte europäische Fernwanderweg E3 bzw. der Internationale Bergwanderweg Eisenach – Budapest EB führte uns über den Ort Suche nach Poronin. An der Bushaltestelle konnten wir uns mit goralischem Käse eindecken. Um 14:00 Uhr fuhren wir dank einer vierspurigen Schnellstraße nach etwa 30 km trotz zweier längerer Staus im engen Tal der Schwarzen Dunajetz und 10 km vor Krakau in nur 2 ½ Stunden nach Kraków (Krakau). Der Zug hätte wegen des maroden Schienennetzes 4 Stunden gebraucht. Auf der Weichselbrücke mit Blick auf den Wawel wurden Erinnerungen an das letzte Jahr wach.

Natürlich führte uns der abendliche Bummel erneut zum Rynek, wo wir wieder mit zahlreichen Attraktionen unterhalten wurden. Besonders attraktiv fanden wir die eleganten von ebenso vielen Damen wie Herren gelenkten Kutschen, den Trompeter von der Marienkirche und die zahlreichen maskierten Mimen, die sich wie ihre Pendants im Karneval von Venedig, gerne von und mit den faszinierten Zuschauern fotografieren ließen.

Informationen:

Beskiden-Hauptweg:

Beginnt in Wołosate am Drei-Länder-Ecke zwischen Polen, der Ukraine und der Slowakei. Der Weitwanderweg verläuft von Ost nach West über folgende 7 Gebirge: Waldkarpaten, Niedere Beskiden, Sandezer-Beskiden, Pieninen, Gorce, Saybuscher- und Schlesische-Beskiden. Nach 500 km endet er in Ustron. Der Weitwanderweg ist von Wołosate bis Dukla identisch mit dem Europäischen Fernwanderweg E8, ab Dukla bis Krościenko mit dem E3 und dem Internationalen Bergwanderweg Eisenach-Budapest (EB).

Wanderkarten:

Beskid Sądecki 1:50.000, ISBN: 978-83-7605-080-5

Kartograficzne COMPASS, PL 30-084 Kraków Pieniny 1:25.000 ISBN 978-83-7605-275-5

Kartograficzne COMPASS,PL 30-084 Kraków Podhale Tatry, Orawa, Spisz 1:50.000, ISBN 978-83-7605-081-2

Kartograficzne COMPASS, PL 30-084 Kraków Tatry Polskie 1:30.000, ISBN 978-83-7605-307-3

Kartograficzne COMPASS,PL 30-084 Kraków

Wanderliteratur:

Martin Simon: Wandern von Eisenach bis Budapest auf dem Internationalen Bergwanderweg der Freundschaft (EB).

Band: Der Weg in den polnischen Beskiden, ISBN 978-3941366-16-9, fernwege.de

Dieter Biladt: Von der Wartburg bis nach Budapest - Eine Wanderung durch ein Stück Mitteleuropa Erschienen im Eigenverlag epubli

Anreise:

5 Flüge verkehren täglich von Frankfurt-Main im Direktflug mit der Lufthansa nach Krakau. Kosten bei frühzeitiger Buchung 125 €. Weiterfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Fahrplan auch auf Deutsch http://de.e-podroznik.pl/

Unterkünfte:

In dem Band von Martin Simon sind Unterkünfte entlang des EB-Wegs aufgeführt. Über Google Earth lässt sich darüber hinaus die genaue Lage der Unterkünfte ersehen.

Essen und Trinken: Auf dem Wanderweg sind mehrere bewirtschaftete Berghütten (polnisch: Schronisko) anzutreffen. Trotzdem empfehle ich, Getränke als auch Tagesverpflegung unbedingt mitzunehmen.

Allgemeine Auskünfte:

Erteilt das Polnische Fremdenverkehrsbüro in Berlin www.polen.travel/de Unbedingt unternehmen: Eine Floßfahrt auf dem berühmten Durchbruch des Dunajec bei Krościenko nad Dunajcem. Besteigung des Gipfels des 982 m hohen Trzy Korony (Drei Kronen) bei Krościenko Besuch des Internationalen Festivals der Bergfolklore, das in jedem Jahr Ende August stattfindet. (Międzynarodowy Festiwal Folkloru Ziem Górskich) Besichtigen der griechisch-katholischen Lemken-Kirchen (Dreischiffige Holzkirchen)

Fragen zur Wanderung:

Wenn noch Fragen zu unserer Wanderung bestehen, schicken Sie mir eine E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Fotos: Wolfgang Meluhn

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