17. Etappe von Klingenthal bis Markneukirchen

Wir hatten uns so gefreut auf die weite Sicht am Morgen. Aber leider verhüllt dichter Nebel alles. Fürs Frühstück ist der Kühlschrank der Pension gefüllt. Kaum sitzen wir, bringt uns die Oma die Tageszeitung. Wir kommen ins Gespräch – sie bleibt bei uns: Während die Enkelin in Texas lebt, hat sich der Enkel eine Kanadierin (beide sind Biathleten) ins Vogtland geholt … so viel hat sie, die bereits mit 14 in die Fabrik musste, von der Welt nicht gesehen …

Nach dem spannenden Frühstück ist rasch zusammen gepackt – und ab geht es durch den dichten Nebel hinein in den Wald und hinunter in die Stadt Klingenthal, unterwegs werden Zicklein gefüttert. Reges Treiben herrscht im überschaubaren Zentrum, es ist gerade Wochenmarkt. Für 50 Cent lassen wir die überdimensionale Akkordeon-Spieldose erklingen. Bevor wir die schöne achteckige Rund-Kirche (davon gibt es in Sachsen nur noch 2 weitere: in Seiffen und die Frauenkirche) besichtigen, mache ich einen Abstecher ins Rathaus, um meinen Amtskollegen zu besuchen. Leider ist er nicht an seinem Platz.

Nach diesem kurz Stopp zieht es uns weiter, hinaus aus der Stadt im Tal, wo sich ach so viele Fahrzeuge begegnen. Dabei kommen wir vorbei an der Alten Schule, in der heute eine Gaststätte zu Hause ist. Das Restaurant wirbt mit Gerichten für Tierliebhaber (vegetarische J).Der Wanderweg ist da gerade richtig: steil führt er schnell hinaus in die Natur. Rasch ist der Grenzweg erreicht. Fast durchgängig auf der Grenze, zumindest immer nah an ihr, geht es durch herrlich herbstfarbenen Buchenwald bis zum Vorderen Floßteich. Hier beginnt eine sich bis Erlbach hinziehende spannende Baumführung. So lernen wir, dass sich das Wort Buch von der  Rotbuche herleitet, da diese einst in hauchdünne Rotbuchenblätter geschnitten wurde, die dann beschrieben worden.

Und schon sind wir in Erlbach, einem kleiner Ort mit einer Hauptstraße, die den Charakter einer Großstadt hat: große, prächtige Stadthäuser stehen am Straßenrand. Hier ist auch noch eine Privatbrauerei tätig. Leider können wir nicht kosten – an diesem Tag hat sie mittags geschlossen. Schade.

Der Heimatverein in Erlbach ist sehr rege, was uns sehr, sehr viel Zeit kostet. Denn an den geschichtsträchtigen Häusern sind sehr informative Zeittafeln angebracht. Sie berichten über die Geschichte der Gebäude, ihre Funktion und deren Bewohnern. So wurden hier einst bis 2002 Wolfs-Rodelwunder hergestellt, eine gefragte Marke.

Wir wollen hier gern einen kleinen Mittagsimbiss einnehmen. Doch die in der Wanderkarte eingezeichneten „Töpfchen“ gibt es längst nicht mehr, nichts können wir uns hier kaufen. Also auf gen Landwüst. In dem noch etwa 8,5 km entfernten Örtchen gibt es ein Museum … mit einem Imbiss, meinen zwei freundliche Erlbacher.

Und weil wir so schön hungrig und durstig sind, geht es natürlich erst mal schön Berg hoch. Auf halber Strecke nach Landwüst, oberhalb von Wernitzgrün treffen wir an einer hübschen Raststelle eine Radfahrerin. Sie kommt aus dem nahegelegenen tschechischen Luby vom Einkaufen. Bald haben wir den südlichsten Punkt unserer einwöchigen Wanderung erreicht: den Wirtsberg (664m). 360 Grad Panoramasicht auf das herrliche Vogtland. Leider ist trübe Sicht. So ist für uns klar: Hier müssen wir nochmal her, wenn´s klar ist!

Landwüst ist die Überraschung des Tages mit seinem Vogtländischen Freilichtmuseum (www.vogtland-kultur.de, übrigens ganzjährig geöffnet). Eigentlich steht uns gar nicht der Sinn nach Museum. Und als wir bei der Ankunft gegen 15.30 Uhr darauf hingewiesen werden, dass das Haus 17 Uhr schließt, haben wir nur ein müdes Lächeln übrig. Das erstirbt aber schnell. Denn die Wohn- und Wirtschaftsgebäude, die Stallungen und all die vielen landwirtschaftlichen und anderen Geräte … sie zeigen das dörfliche Leben der vergangenen rund 300 Jahre hautnah. Gestärkt vom köstlichen Imbiss steigen wir ein in die Geschichte dieses Dorfes … und müssen es 17 Uhr beenden … schade! Wir müssen auch deshalb wiederkommen.

… und nun sind es noch etwa 5 km bis zum Tagesziel: Markneukirchen. Auf schönen Feld-,Wald- und Wiesenwegen ist die Musikstadt rasch erreicht. Der EB streift sie nur, wir aber wollen morgen das Musikinstrumentenmuseum besuchen, darum übernachten wir hier, in einer netten Pension in einer Seitenstraße. Der Weg dorthin geht straff bergab und ist gepflastert mit Werbung der Instrumentenbauer: Ihre Häuser zieren Noten, Instrumente und Jahresangaben, denn dieses Handwerk ist hier schon lange zuhause.

Nachdem wir uns frisch gemacht haben treten wir an zum Stadtbummel. Die Temperaturen sind merklich gesunken, daher ist es nicht schlimm, dass der Ort mit seiner Nicolaikirche, dem Bismarckturm und der hübschen Marktplatzanlage rasch erkundet ist.  Auch die Tourist-Info und das Museum finden wir gleich …

Nach einer netten Einkehr im Gasthaus „Am Paulusschlöss´l“ schlafen wir in unserer ruhigen Unterkunft wieder wunderbar.

Gästehaus Kristin (Fam. Thümmler) in Markneukirchen, Bergstr. 24
Tel. 037422/ 2919,
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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