Auf dem „Limeswanderweg“von Jagsthausen nach Lorch

Eigentlich ist das ganze Jahr über Wanderzeit. Für eine Winterwanderung muss man jedoch die Tagesetappen kürzer halten und wegen der Unberechenbarkeit des Wetters auch die Möglichkeit einplanen, die Tour jederzeit abzubrechen. Dazu eignet sich der Limeswanderweg in Baden-Württemberg in besonderem Maße, denn er beinhaltet keine steilen und möglicherweise vereisten Auf- und Abstiege und er durchkreuzt jeweils die Bahn- und Busverbindungen von Stuttgart nach Nord und Ost.

Der Obergermanische bzw. Rätische Limes als Grenzwall des Römischen Reiches bildete in der Zeit von ca. 150 n.Chr. bis 260 n.Chr. eine kulturelle, wirtschaftliche und zuletzt auch militärische Grenze gegen die nördlich und östlich davon siedelnden germanischen Stämme. Er gehört als längstes Kulturdenkmal Europas zum UNESCO Weltkulturerbe. In erster Linie diente er dazu, die Macht des Römischen Reiches zu demonstrieren, den Handel zu kontrollieren und Zolleinnahmen zu sichern. Als militärischer Wall hatte er zunächst geringe Bedeutung. Im Bereich des Schwäbisch-Fränkischen Waldes ist er in Waldgebieten als Wall mit Graben teilweise noch gut erkennbar. Der Wall verläuft im Bereich Walldürn bis Welzheim schnurgerade aus, eine Meisterleistung der römischen Vermesser.

Der Limesweg ist als Fernwanderweg beim Schwäbischen Albverein als „HW 6“bezeichnet und gekennzeichnet mit einem stilisierten schwarzen Wachturm über rotem Balken. Ein Weniger an Markierungen wäre vielleicht ein Mehr an Orientierungssicherheit. 5 - 6 Markierungen an einem Baum sind wirklich zuviel des Guten! Vermisst habe ich eine bessere Kennzeichnung der Zu- und Abgangswege zu den Etappenorten. Vielleicht sollte der Schwäbische Albverein doch öfter mal auf französischen Weitwanderwegen wandern gehen.

Das Landesvermessungsamt Baden-Württemberg hat eine Wander- und Radfahrkarte zum Limeswanderweg (2005) herausgegeben. Sie deckt den Bereich von Miltenberg/Main bis zur Wörnitz an der Landesgrenze zu Bayern ab und umfasst einen Streifen von ca. 4 – 5 km diesseits und jenseits des Limes. Der Erwerb der einzelnen Gebietswanderkarten ist nur notwendig, wenn man über andere markierte Wege weiterwandern will, da diese nicht auf der Karte eingezeichnet sind.

Ein Unterkunftsverzeichnis ist unter www.schwaebischer-albverein.de als pdf-Datei bereit gestellt. An Wanderliteratur kann ich empfehlen: „Der Limes in Südwestdeutschland“ von Dieter Planck, Willi Beck, 1987, Konrad Theiss Verlag Stuttgart, leider nicht mehr erhältlich (mein Exemplar stammt aus der Stadtbibliothek!).

Der Führer dürfte vor allem für den Historiker von Interesse sein, beinhaltet jedoch auch Etappenlänge, Wanderzeit, Landschafts- und Wegebeschreibung. Im Wanderführer „Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald“ (4. Auflage 2006) vom Schwäbischen Albverein befindet sich eine Kurzbeschreibung des HW 6 für den Abschnitt Öhringen - Lorch. Ein sehr guter Führer zur Beschreibung der durchquerten Ortschaften liefert der Silberburg-Verlag (2005): „Dieter Buck, Ausflugsziel Schwäbisch-Fränkischer Wald“.

Samstag, 24. Februar 2007

Ich starte mit Begleitung in Jagsthausen zur ersten Tagesetappe. Schnell verlassen wir das Jagsttal und durchwandern die Hohenloher Ebene bei windigem und regnerischem Wetter. Bei Sindringen wird das Kochertal durchquert. Im Wald sehen wir das erste restaurierte Fundament eines Wachturmes. Wir wandern weiter auf der Hochebene über Pfahlbach, vorbei am Kastell Westernbach, das wir leider nicht erblicken, nach Öhringen, dem heutigen Etappenort. Wir besichtigen noch kurz die Stadtkirche, den Marktplatz und die sehenswerte Altstadt mit Stadtmauer und Schloss, dann treten meine Mitwanderer die Heimreise an.

Wanderzeit: 5 Stunden.

Sonntag, 25. Februar 2007

Leider muss ich die Bedienung zum Aufbruch drängen. Es geht auf dem Radweg durch Wohnbausiedlungen der 60er – 90er Jahre nach Pfedelbach und weiter durch Obstbaumkulturen und Weiler zur Waldgrenze. An einer der kleinen Häuseransiedlungen stoße ich auf diese einzigartige Kombination von funktionalen Gebäuden: oben das ehemalige Gefängnis, darunter die dörfliche Schnapsbrennerei. Man kann sich darüber Gedanken machen. Dann bleibt mir noch Zeit, die Regensachen überzuziehen und unter dem Regen hindurchzuwandern über einen noch gut erhaltenen Limesabschnitt mit Wall und Graben. Bei der Gaststätte Schönhardt, Neuwirtshaus, wird der HW 8 (Frankenweg) gequert. Die Waldwege sind teilweise nur noch Schlammpfade, da die schweren Holzbearbeitungsgeräte nicht für aufgeweichte Waldwege geeignet sind. Manchmal sehnt man sich nach Frost, Eis und Schnee! Bei Gailsbach trifft man auf einen rekonstruierten hölzernen Limesturm. Es gibt jedoch nach heutigen Erkenntnissen keine Hinweise auf Holzbauweise. Nach ca. 5 Stunden Wanderzeit erreiche ich gut durchfeuchtet das empfehlenswerte Cafe-Hotel Schoch in Mainhardt, wo ich mir nach einer heißen Dusche den vorzüglichen Kuchen munden lasse, während sich meine Bekleidung im Heizraum regenerieren darf.

Montag, 26. Februar 2007

Sehenswert sind in Mainhardt noch die restaurierten Grundmauern des Kastells und etliche Ausgrabungen. Das Museum habe ich leider nur von außen gesehen. Ich wandere nach Querung der Bundesstraße beim Gewerbegebiet über mehrere gut erhaltene Limesreste nach Grab. Dort wurde ein Wachturm mit Graben und Palisade restauriert („Heidenbuckel“). Danach verlässt man den Limes und wandert auf einer geologisch interessanten Strecke über Klingen und Bäche nach Steinberg und Siegelsberg. Ich verlasse hier den Limeswanderweg nach Murrhardt, wo der nächste Regen schon auf mich wartet. Wanderzeit ca. 4 ½ Stunden. Murrhardt lädt zum Verweilen ein: ehemaliges Kloster, Stadtkirche, malerische Fachwerkhäuser, der Gasthof Engel – ältestes Gasthaus am Ort und Geburtsort des Malers Reinhold Nägele -, und natürlich das Haus des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald (www.naturpark-sfw.de, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) mit sehenswerter Ausstellung und reichhaltigen Informationsbroschüren, auch zum Limesweg.

Dienstag, 27. Februar 2007

In Murrhardt gibt es zu bemängeln, dass es keine Hinweisschilder auf den Limesweg gibt. Die Querung des Murrtals durch den Limesweg ist nicht einfach zu finden. Es folgt eine Berg- und Talstrecke mit restauriertem Wachturm beim Ebnisee/Kaisersbach. Beim Überqueren der Hauptstraße Murrhardt – Welzheim sind durch die Waldarbeiten nicht nur die Wege abhanden gekommen, sondern auch die Markierungen. Man wandert über den Aichstrut-Stausee zum Kleinkastell Rötelsee, dessen Grundmauern freigelegt wurden, nach Welzheim.

Wanderzeit ca. 6 Stunden.

Mittwoch, 28. Februar 2007

Da der Wanderweg am Ort vorbeiführt trifft auch auf Welzheim zu, dass die Zu- und Abgänge mühsam gesucht werden müssen. Ich wandere zum archäologischen Park Kastell Welzheim-Ost, dessen Westtor eindrucksvoll restauriert wurde .

Durch den eingeschränkten Blick des Wanderers mit Regenkapuze nehme ich einen Umweg in Kauf, da ich keine Markierung erkennen konnte. Der Weg führt über den Haghof entlang der Straße nach Pfahbronn und weiter über Limesreste durch den Wald, vorbei an einem Wachturm und wahrscheinlich römischen Wagenspuren im Fels zum Kloster Lorch, wo ich meine Wanderung ausklingen lasse und meine Regionalbahn zur Heimfahrt besteige.

Wanderzeit ca. 4 ½ Stunden.

Oben: ehem. Gefängnis - unten: SchnapsbrennereiRömische WagenspurenMarktplatz in MurrhardtWesttor des Kastells Welzheim-Ost
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