Harzwanderung Mai 2006

Die Eindrücke zu Goethes Faust stammen aus dem Harz. Der Aufstieg vom Torfhaus auf den Brocken ist Goethes Weg zum Brocken im Jahre 1777 nachempfunden. Aber auch Heine und Fontane haben früher den Harz bereist und zu seiner Berühmtheit beigetragen. Am 3. Oktober 2003 wurde der „Harzer Hexenstieg“ anlässlich des Tages der Deutschen Einheit eröffnet und damit wieder eine fernwandermäßige Verbindung vom Westen in die neuen Bundesländer geschaffen. Auch wenn der Weg unspektakulär ist, wurde von den Wirten am Wege allgemein bestätigt, dass mehr Wanderer dadurch in den Harz gekommen sind.

Auf dem Europäischen Fernwanderweg E 11 von Seesen nach Goslar

Lob möchte ich zuerst dem Harzclub für die hervorragende Markierung des E 11 in Seesen erteilen. Diese endet jedoch abrupt an der abgebrochenen Brücke der Bismarckstraße über die Bahnlinie. Ich folge der Straße bis zur nächsten Brücke über die Bahnlinie und laufe parallel zurück. Von hier ist zu erkennen: Es gibt erstens über das Parkhaus „Kaufland“ eine Fußgängerbrücke über die Bahnlinie und zweitens: Ich darf wieder zurücklaufen; die Straße nach Lautenthal ist der richtige Weg.

Problemlos wandere ich über „Herzog-Wilhelm-Schneise“, Kalte Birke, Vereinsplatz, Innerstetalsperre, Wolfshagen, Granetalsperre nach Goslar. Die sehr gute Markierung endet am Ortseingang von Goslar. Auf dem Stadtplan von Goslar ist die Wegeführung erkennbar, innerhalb Orts jedoch keine Markierung. Wanderzeit ca. 6 Stunden. Goslar mit seinen vielen Fachwerkhäusern, der Kaiserpfalz, dem Weltkulturerbe Bergwerk „Rammelsberg“ und vielen Straßencafes lädt ein zum Verweilen. Übernachtung im heimeligen „Hotel zur alten Münze“, Münzstraße 10, Telefon: 05321/22546, eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Europa aus den Augen verloren

Mein beabsichtigtes Ziel war, weiter über den E 6 zur Romkerhalle im Okertal zu wandern und dann zum „Torfhaus“ hochzusteigen.

Ich sehe am Ortsausgang von Goslar Markierungen des Harzvereins und Tafeln auch mit der „Romkerhalle“ ausgeschildert, jedoch keinen Hinweis auf einen E-Weg. Die Richtung stimmt auch nicht, sodass ich wieder kehrt mache. Ich umrunde das Berufsbildungszentrum und stoße hier auf die Markierung E 6, E 11. Bei der ersten Wegegabelung finde ich keine Markierung. Ich nehme den ersten Weg rechts den Berg hoch, sehe eine einzige (fremde) Markierung und kehre wieder um.

Ich versuche mich am zweiten Weg weiter links und frage sicherheitshalber einen Spaziergänger nach dem E 6. E ??? Man sollte die Bevölkerung mit Europa nicht überfordern!! Ich frage, ob der Weg ins Okertal führt? Ja, dorthin könnte ich kommen. Ich folge einem waldreichen Flusstal aufwärts, quere am Talschluss und finde eine Hinweistafel, auf der neben Schulenberg auch die Romkerhalle auftaucht. Das dumme ist nur, dass in diesem Bereich des Harzes die großen Wegkreuzungen mit Hinweistafeln vollgestellt sind, aber unterwegs keine weitere Markierung erfolgt.

Jedenfalls bei der nächsten Hinweistafel ist keine Romkerhalle mehr verzeichnet. Als neues Ziel gebe ich vor: Okertalsperre. Über das Mulltal und den wiedergefundenen E 6 gelange ich zur Talsperre, wandere ein kleines Stück auf dem Uferweg, steige über das Lange Tal hoch zum Waldjugendheim Ahrensberg, leichter Abstieg ins Kalbetal, dem ich dann bis zum Torfhaus (rotes Kreuz) folge. Ab der Bundestrasse 4 betritt man den Nationalpark Harz und hat vom Torfhaus einen schönen Blick auf den Brocken. Wanderzeit ca. 7 ½ Stunden (abzu-ziehen ca. 1 Stunden für Herumirren und Pause). Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten hier derzeit leider bescheiden.

Über den „Hexenstieg“ nach Thale

Den weiteren Wandertagen folge ich dem „Harzer Hexenstieg“ (weiße Hexe auf grünem Grund). Zunächst wird über den Goetheweg der Brocken, der mit 1142m höchste Berg des Harzes, über Hochmoor und Wald bestiegen. Ab ca. 1100 m Höhe ist der Brocken weitgehend vegetationslos. Über 900 m Höhe liegt noch vereinzelt Schnee im Wald.

Um die Etappe abzukürzen nehme ich vom Brockengipfel die Brockenbahn, eine historische Dampfeisenbahn bis zum Bahnhof Schierke. Vom Bahnhof Schierke wandere ich in Richtung Erdbeerkopf zurück zum Hexenstieg und weiter über Drei Annen Hohne nach Königshütte, meinem heutigen Etappenziel, wo ich in der Pension „Am Felsen“, Ackertklippe 1, 38875 Königshütte, Telefon 039454/43163, königlich übernachte. Wanderzeit 4 Stunden (zuzüglich 1 ½ Stunden anstelle der Bahnfahrt).

Für meinen Weiterweg wähle ich die Alternative durch das Bodetal über Susenburg, Rübeland, Neuwerk, Talsperre Wendefurth. Der Weg ist hier teilweise identisch mit dem „Fernwanderweg deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“. Zwischen Wendefurth und der Einmündung der Alternativstrecke bei Altenbrak ist der Weg nicht als Hexenstieg markiert. Markierung ist hier Harz-Eichsfeld-Thüringen-Weg (blaues Dreieck). In Altenbrak Übernachtung im Hotel „Weißes Roß“. Gesamtwanderzeit ca. 6 Stunden.

Von Altenbrak führt die Wanderung weiter über Treseburg durchs Bodetal nach Thale. Das Teilstück Treseburg-Thale, der sogenannte Bodekessel, im Reiseführer etwas übertrieben mit dem „Grand Canyon von Deutschland“ beschrieben, ist von Tagesausflüglern gut begangen. Ich steige nach der Teufelsbrücke (weißes Kreuz auf schwarzem Grund, E 11) links hoch zum Roßtrappenfelsen und wandere dann im Zick-Zack wieder hinunter ins Bodetal, wo ich Thale nach ca. 4 ½ Stunden erreiche. Dort Übernachtung im vorzüglichen Hotel „Alte Backstube“, Rudolf-Breitscheid-Str. 15, Telefon: 03947/772490, dem Ende meiner Wanderung.

Bis auf den letzten Tag, an dem es ein paar Schauer gab, und einem kurzen Gewitter in Goslar, hatte ich nur strahlenden Sonnenschein; die 300 Nebeltage am Brocken erscheinen mir etwas übertrieben!

Wanderführer:

Harzer-Hexen-Stieg, Kartographische Kommunale Verlagsgesellschaft mbH, Am Alten Tor 7, 99734 Nordhausen, Tel.: 03631-902595, Internet: www.Harzwanderung.de
Den Mitgliedern des Netzwerks Weitwandern e. V. wird gemäß eMail vom 29.3.2006 ein Rabatt von 25 % auf den Verkaufspreis der Artikel eingeräumt.

Stein, Conrad: Harz: Hexenstieg, Reihe: OUTDOOR - Der Weg ist das Ziel, Band 163, Conrad Stein Verlag, 2005, ISBN 3-89392-563-5, 124 Seiten, 9,90 €

Karten:

Harzer Hexenstieg, 1:30.000, Schmidt-Buch-Verlag, Die Winde 45, 38855 Wernigerode, Tel.: 03943-23246, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Internet: www.schmidt-buch-verlag.de

„Wandern im Westharz“, 1:50.000 Landesvermessung Niedersachsen

Fotos: Gerhard Wandel

Der Weg führt geardewegs an der Okertalsperre vorbeiBlick auf den BrockenDie BrockenbahnTalsperre Wendefurt
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