Vom Dukla-Pass (Grenze zu Polen) bis Prešov (Preschau)

Auf Fernwanderwegen von Heidelberg nach Budapest

1. Tag: Von Heidelberg nach Svidník (Swidnik)

Reise zur östlichen EU-Außengrenze

Kaum größer als Niedersachsen ist die Slowakei, und besonders der Osten des Landes ist für deutsche Wanderer weitgehend unbekannt. Aber auch diese gebirgige Region hat mit seinen historischen Städten und abwechslungsreichen Landschaften einiges zu bieten.

Wie immer war der Treffpunkt für unsere diesjährige Tour der Heidelberger Hauptbahnhof. Erwartungsfroh fuhren wir von dort aus um 6.00 Uhr mit einem Kleinbus zum Frankfurter Flughafen. Wir flogen nach Wien mit der Maschine um 8:45. Zügig weiter ging es dann in einem Kleinbus ins 65 km entfernte Bratislava. Dann standen uns 500 km Fahrt – quer durch die ganze Slowakei – bevor. Der Zug war wie gewohnt brechend voll und Platzreservierungen sind Gold wert. In Kysak mussten wir noch einmal umsteigen und um 19.00 Uhr waren wir in Prešov (Preschau) angekommen. Nach weiteren 1,5 Stunden Busfahrt durch eine ländliche Gebirgsregion mit kleineren Orten erreichten wir unser Tagesziel Svidník (Swidnik).

2. Tag: Dukliansky priesmyk ─ Svidník (Swidnik)

Ein Heldenweg, Kriegsdenkmäler und T 34-Panzer

Bis zu 27 ° C wurde es heute warm. Da jedoch immer wieder größere Waldstücke durchquert werden mussten, spürte man die Hitze nicht zu sehr. Hinzu kam, dass es eigentlich immer leicht abwärts oder eben durch das Gelände ging. Allerdings führte uns der Wanderweg mehrfach auch längere Teerstraßen entlang. „Zum Einlaufen“, wie wir einstimmig feststellten, war die Strecke jedoch ideal.

Die Kleinstadt Svidník (Swidnik) im Norden der Niederen Beskiden lag nach dem Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche, sodass sich heute in der Gemeinde so gut wie keine historischen Gebäude mehr finden. Die üblichen Plattenbauten prägen das Bild der Stadt.

Ausgangspunkt zu unserer heutigen sechsstündigen Wanderung war der Svidníker Busbahnhof. Der Bus zum 21 km entfernten Dukliansky priesmyk (Dukla-Pass) war voll besetzt. Bei der Durchfahrt des Dorfes Hunkovce wurden wir auf einen deutschen Soldatenfriedhof aufmerksam. 3.000 Gefallene fanden hier ihre letzte Ruhe. Kurz hinter Komárnik erreichten wir die Endstation Dukliansky priesmyk (Dukla-Pass), direkt an der polnischen Grenze. Es war wenig los und nur ca. alle 10 Minuten passierten ein bis zwei Lkw die Landesgrenze.

Der Dukla-Pass war im Winter 1914/15 und im Herbst 1944 schwer umkämpft. In den Berghügeln ringsum fielen alleine im September und Oktober 1944 bei der so genannten Karpaten-Dukla-Operation 90.000 sowjetische, über 50.000 deutsche und 6.500 tschechoslowakische Soldaten.

Direkt unterhalb des polnischen Grenzpostens beginnt der Cesta hrdinov („Wanderweg der Helden“). Die Rote Armee drang in diesem hügeligen Terrain gegen deutsche und ungarische Wehrmachtsverbände in die Slowakei ein.

Ein Heldenfriedhof mit einem Mahnmal aus den 60-er Jahren im Stil des sozialistischen Realismus erwartet den Besucher am Anfang. Weiter geht es dann auf einem schmalen Teerweg neben der Landstraße (E371). Kriegsgerät der Roten Armee aus dem Zweiten Weltkrieg ist hier ausgestellt. Wir besichtigten einen T34-Panzer, ein Jagdflugzeug sowie verschiedene Artilleriegeschütze und Mörser.

Im dichten Buchenwald begann jetzt endlich aber auch das richtige Wandern. Der weiche Waldboden, die schmalen gut gekennzeichneten Pfade und das angenehme sonnige Wetter sorgten für beste Stimmung. Gegen Mittag erreichten wir den kleinen Ort Medvedie. Hier sagen sich wirklich noch Fuchs und Hase gute Nacht. Wir freuten uns schon auf ein erfrischendes Getränk, es gab jedoch keine Gaststätte in der ca. 150-Seelen-Gemeinde. Auch im nächsten Ort war unsere Suche vergeblich. Kurz vor Kapišová sahen wir dann 12 T34-Panzer an strategisch günstigen Punkten in dem teilweise mit Büschen bewachsenen hügeligen Gelände. Man konnte sich gut vorstellen, welche Zerstörungskraft die stählernen Ungetüme im Kampf entwickelten.

Am Westrand von Svidník (Swidnik) trafen wir auf das sowjetische Ehrenmal für die gefallenen Rotarmisten des II. Weltkrieges. Einige Jugendliche nutzten, wenig respektvoll, eine Mauer mit Heldendarstellungen für Kletterübungen. Nur etwa 150 Meter weiter stößt man auf das Militärmuseum, das 1969 zum 25. Jahrestag der Kämpfe um den Dukla-Pass eröffnet wurde.

3. Tag: Svidník (Swidnik) ─ Andrejová

Blutsauger und Schlammwege

Bei leichtem Nieselregen marschierten wir kurz nach acht Uhr durch die noch etwas verschlafene Fußgängerzone von Svidník. 15 Minuten später war der Stadtrand erreicht und im Fichtenwald ging es zunächst unter den tropfenden Bäumen recht steil nach oben. Eine dreiviertel Stunde später war der Ostrý vrch auf 599 m Höhe erreicht. 300 m Aufstieg hatten wir relativ zügig bewältigt. Auch der Regen hörte jetzt auf. Auf einem noch leicht ansteigenden Kammweg, immer im Wald, kamen wir auch weiterhin gut voran. Auf einer Bank mit einem Schutzdach am Berg Ĉierna hora (Schwarzer Berg), 667m gönnten wir uns eine Mittagspause. Der hölzerne Aussichtsturm war aber wegen Blitzeinschlag nicht zu besteigen.

Auf einem schräg abwärts führenden Weg im dichten Buchenwald änderte sich kurz danach unsere gute Laune. Eine starke Regenfront mit Sturm war im Anmarsch. Nur auf den Schirm, den Regenumhang, die Gamaschen und die guten Lederwanderschuhe war jetzt Verlass. Als wir eine sumpfige Wiese mit hohem nassem Gras überquerten, wurde es plötzlich noch erheblich unangenehmer. Von vorn blies uns der Wind den heftigen Regen ins Gesicht und zusätzlich quälte uns nun auch noch ein Heer von Bremsen und Stechmücken. Heftiges Umsichschlagen verbesserte die Situation kaum.

Erst nach ungefähr 10 Minuten gelangten wir über einen sehr matschigen Feldweg auf eine Teerstraße. Auch die Blutsauger waren urplötzlich verschwunden und der Regen hörte auch auf. Im nahen Ort Kurimka hofften wir, noch etwas zu essen zu bekommen. Von 12.00 bis 14.00 Uhr war aber die kleine Gaststätte mit dem Lebensmittelladen geschlossen. So trotteten wir im Gänsemarsch mit gedämpfter Stimmung steil zum 520 m hohen Kohútov empor. Leider gab es während des Aufstiegs wieder Bremsen und Stechmücken, die uns wiederum einige Stiche versetzten. Der Pfad war kaum begangen, mit Schlamm und Pfützen übersät, und wir mussten immer wieder durch dichtes nasses Gebüsch, über umgestürzte Bäume und umher liegende größere Äste. Besonders zeitraubend erwies sich auch öfters die fehlende Wegmarkierung. Ab Spalený vrch, 642 m, folgten wir dann einem steinigen, glatten, sehr morastigen Holzabfuhrweg nach unten. Er war schwer begehbar, und wir kamen nur langsam voran.

Nach sage und schreibe 8,5 Stunden waren wir dann bis zu der Bushaltestelle am Ortseingang von Andrejová unter erschwerten Bedingungen gelaufen. Es war die härteste Strecke auf der gesamten Sommertour. Keine zwei Minuten hatten wir zum Verschnaufen, da traf auch schon der letzte Bus nach Bardejov (Bartfeld) an der Haltestelle ein.

4. Tag: Andrejová ─ Bardejov (Bartfeld)

Fahnenflucht, Kurnostalgie und Kaiserin Sisi

Pünktlich um 8.00 Uhr holten uns zwei Taxis vom Hotel ab und brachten uns nach Andrejová zurück. Gestern endete hier unsere anstrengende Schlamm- und Blutsaugertour. Zunächst marschierten wir über feuchte und ab und zu auch morastige Wiesen aufwärts, bis uns dichtes Gebüsch den Weg versperrte. Etwa eine halbe Stunde suchten wir vergebens nach dem richtigen Weg durch das Dickicht. Erst als wir eine längere Strecke wieder zurückliefen, trafen wir weiter oben versteckt wieder auf das Wanderzeichen.

Im Wald ging es dann sanft abwärts, bis wir wieder eine große Wiese erreichten. Unten im Tal sah man die Siedlung Zborov und am linken Waldrand die gleichnamige verfallene Burg Hrad Zborov. Über einen äußerst matschigen Holzabfuhrweg, gelangten wir dann zur Burgruine. Der Zutritt erwies sich als nicht ungefährlich. Überall waren Schuttberge und baufällige Mauern. Wenigstens für unsere Mittagsrast fand sich ein geeignetes Plätzchen. Die Zborover Burg war die nördlichste Bastion an der Grenze nach Polen und wurde kurz nach 1317 errichtet.

1915 kam es in und um die Burgruine zwischen russischen und österreichisch- ungarischen Truppen zu schweren Kämpfen. Ein ganzes Regiment mit 1.400 Männern der österreichisch-ungarischen Armee lief zu den Russen über. Kaiser Franz Joseph I. bezeichnete diese Fahnenflucht als die größte Demütigung seiner Armee.

Über einen gut begehbaren Wiesenweg erreichten wir dann unten am Bach den Ortseingang von Zborov. Hinter einer Teerstraße ging es auf einem breiten Forstweg im gegenüber liegenden Wald weiter. 75 Minuten brauchten wir auf dem lang gezogenen breiten Waldweg hinauf zum 600 m hohen Pod Magurou. Unterwegs zeigten uns begeisterte Pilzsammler, eine Mutter und ihre zwei Kinder, ihr umfangreiches Fundgut.

Die Wege wurden immer besser und wir erreichten das Kurareal von Bardejovské kúpele (Bad Bartfeld). In dem Heilbad gibt es 10 kalte Mineralquellen, die bei Atemwegsbeschwerden, Herz-, Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen Linderung verschaffen. Sehr stolz ist man auf berühmte Kurgäste wie den russischen Zaren Alexander I. und die österreichische Kaiserin Sisi.

Ein Denkmal, die Kaiserin aus Stein im Alter von 18 Jahren, erinnert den Spaziergänger im Kurpark an Alžbety (Elisabeth). Das Kurareal ist für den Autoverkehr gesperrt und ein Rundgang lohnt sich. Ein schönes Café, wie man es aus Österreich oder Deutschland kennt, suchten wir jedoch vergeblich.

Sehenswert ist das angrenzende Freilichtmuseum. Die früheren Lebensbedingungen werden anhand von alten Bauernhäusern und Wirtschaftsgebäuden dokumentiert. Besonders hübsch sind zwei im 18. Jh. erbaute griechisch-orthodoxe Holzkirchen. Holzschindeln schützen vor der Witterung. Im Inneren kann man in dem dreiteiligen Balkenbau die mit Tempera auf Holz gemalte Ikonenwand (Ikonostase) bewundern.

Über einen schmalen Kurweg aufwärts im Wald verließen wir Bardejovské kúpele in Richtung Bardejov (Bartfeld). Schon nach 15 Minuten erreichten wir eine Anhöhe mit einer wunderbaren Fernsicht auf die mittelalterliche Stadt. Über Felder und Wiesen wanderten wir jetzt nur noch abwärts. Auf der Terrasse eines kleinen Lokals ließen wir bei dem herrlichen Wetter den Tag noch einmal Revue passieren. 8,5 Stunden waren wir auch heute wieder auf Schusters Rappen unterwegs.

5. Tag: Stadtbesichtigung Bardejov (Bartfeld) und Bardejovské Kúpele

Mittelalterliches Flair und ein nacktes Hinterteil

Herr Saláta, ehemaliger Leiter einer Kinderklinik, holte uns morgens im Hotel zur Stadtführung ab. Bardejov (Bartfeld) ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum von Šariš (Scharosch) und hat heute 33.000 Einwohner. Die Altstadt von Bardejov und das westlich angrenzende ehemalige jüdische Viertel wurden im Jahr 2000 in die Liste des UNESCO–Weltkulturerbes aufgenommen. Trotzdem hält sich die Zahl der Touristen in Bardejov noch sehr in Grenzen.

1320 bekam der Ort die Stadtrechte und 1376 wurde Bardejov Freie Königsstadt. Angeworbene Kolonisten, vor allem zugewanderte Tuchmacher aus Sachsen, brachten Wohlstand und Ansehen in die Stadt. Bedingt durch den Reichtum der Stadt spielten Kultur und Bildung eine große Rolle. In der Zeit der antihabsburgischen Aufstände, begleitet von Plünderungen und Pest, verlor Bardejov nach und nach an Bedeutung. Auch die geographische Randlage veranlasste viele dazu, der Stadt den Rücken zu zu kehren. Heute leidet Bardejov unter einer hohen Arbeitslosigkeit. Tausende arbeiten auswärts in Tschechien, Deutschland, Italien und Großbritannien.

Nach diesen allgemeinen Informationen zeigte uns Herr Saláta den Mittelpunkt der Stadt, den rechteckigen Rathausplatz - ein mittelalterliches Juwel. Er ist von schmucken Bürgerhäusern aus dem 14. bis 16. Jh. gesäumt, als die Niederlassung nach der Ankunft deutscher Siedler ihre Blütezeit erlebte.

In der Mitte des Platzes steht das 1509 fertig gestellte und gut erhaltene historische Rathaus. Das Gebäude der Spätrenaissance war Sitz des Stadtrats und Zentrum des kulturellen Lebens. Als Symbol der Gerechtigkeit blickt die Plastik des Ritters Roland vom Giebel herunter. Auch andere kleine Statuen zieren das Dach. Eine zeigt einen Jungen, der sein nacktes Hinterteil genau in die Richtung streckt, wo der damalige Bürgermeister wohnte. Es soll die Rache eines Baumeisters gewesen sein, der vom Stadtrat seinen vereinbarten Lohn nicht rechtzeitig erhielt.

An der Nordseite des Platzes steht die monumentale katholische Basilika des Hl. Ägidius. Sie ist im 15. Jh. entstanden und dreischiffig. Die Kirche zählt zu den wertvollsten nationalen Kulturdenkmälern der Slowakei. Außer dem Hauptaltar erwarten den Besucher noch elf weitere Flügelaltäre aus den Jahren 1460-1520, ein Bronzetaufbecken, Senatorenbänke und Mobiliar im Stil der Renaissance und des Frühbarock.

Bezahlt wurden die Altäre von den Zünften, je wohlhabender die Zunft, desto prunkvoller war der Altar. Vor der Basilika sind zwei ältere Kirchturmglocken platziert und die Statue des hl. Florian. Als Schutzpatron der Feuerwehr soll er an das 1774 wütende Feuer erinnern, durch das zahlreiche Häuser am Rathausplatz und Teile der Basilika in Flammen aufgingen.

Heute laden rund um den Rathausplatz zahlreiche Restaurants, Kneipen und Geschäfte zum Bummeln und Verweilen ein. Abends trifft sich hier besonders die Jugend.

Wir gönnten uns abends im Restaurant „Roland“ ein ausgezeichnetes Vier-Gänge -Menü. Auf dem Rathausplatz war eine Bühne aufgebaut und junge Nachwuchsrockgruppen „heizten“ den Zuschauern kräftig ein. Besonders ein Elton-John-Double erhielt für seinen bravourösen Auftritt viel Beifall. Als wir sehr spät ins Hotel zurückkamen, wurde dort gerade eine deutsch-slowakische Hochzeit gefeiert, und die slowakische Braut wurde von allen wegen ihrer Schönheit bewundert.

6. Tag: Bardejov (Bartfeld) ─ Hradisko

Holzkirchen, Aussichtspanorama und dynamische Wirtsleute

Im Nordosten der Slowakei gibt es heute noch über 50 Holzkirchen. 1968 wurden sie nationales Kulturdenkmal und stehen heute unter Denkmalschutz. Die größte Gruppe bilden die Gotteshäuser nach östlichem Ritus, entweder römisch- oder griechisch-orthodox

Für den Bau wurde früher fast ausschließlich Lärchenholz verwendet. Es ist am wetterbeständigsten. Bei der Balkenkonstruktion des Gebäudes durften keine Nägel verwendet werden, da Christus damit ans Kreuz geschlagen worden war. Im Osten liegt das Presbyterium (Chorraum) und im Westen der so genannte Weiberraum (babinec). Jeder der drei Räume hat ein eigenes Dach. Auf den kegelförmigen Dächern befinden sich barocke Zwiebeltürmchen oder so genannte „Mohnköpfchen“, auf denen noch Metallkreuze angebracht sind.

Vor der heutigen Wanderetappe, die mit einem steilen Kreuzweg eröffnet werden sollte, war ein Kirchgang angesagt, und so fuhren wir am frühen Sonntagmorgen mit dem Taxi zu der gut erhaltenen und sehr wertvollen Holzkirche in Hervartov (Herbertsdorf). Sie wurde um 1500 errichtet und ist in der Slowakei die älteste ihrer Art. Der römisch-orthodoxe Sakralbau ist dem heiligen Franz von Assisi geweiht. Wertvolle Wandmalereien aus dem 17. Jh. zieren den Innenraum. Darstellungen von Adam und Eva im Paradies, der Sündenfall, der hl. Georg im Kampf mit dem Drachen sowie die klugen und törichten Jungfrauen sind an den Seitenwänden. Zentralbild ist die Jungfrau Maria unter den Heiligen. Über eine Holzleiter stiegen wir auf die Empore hinauf, wo man die Atmosphäre des Kirchenraumes besonders intensiv wahrnimmt.

Hervartov liegt am Fuße des Čergov–Gebirges, einem wahren Wanderparadies. 1,5 Stunden marschierten wir dann im dichten Wald einen 14 Stationen umfassenden Kreuzweg hinauf. Zunächst führte ein schmaler Pfad durch junge Kiefern sehr steil nach oben. In Fichten- und Tannenwald ging es dann auf einem breiten nadelbedeckten Waldweg weiter.

Nach der zwölften Station wurde es noch einmal sehr steil. Schweißgebadet erreichten wir dann den Sedlo Žobrák am Ende des Kreuzweges. Von hier aus führte ein nur noch gering ansteigender Höhenweg auf den Sattel. Ein alter Holzaussichtsturm weckte unser Interesse. Rasch waren die zwei langen Leitern zur Aussichtsplattform erklommen. Belohnt wurden wir durch eine herrliche Fernsicht auf die umliegenden Berge und Täler mit kleinen Dörfern.

Beim Weitermarsch lösten jetzt Buchen die Fichten und Tannen ab. Am Bukový vrch (1.019 m) informierten Hinweistafeln auch auf Englisch den Besucher über Tiere und Pflanzen der Umgebung. Am 1.021 m hohen Chochulka trafen wir wieder auf das Wanderzeichen des europäischen Fernwanderweges E3. Der sehr angenehm zu gehende Höhenweg führte auf dem Sattel des Čergov–Gebirges. Der Wald wurde wieder dichter und plötzlich erspähten wir etwas versteckt eine alte Holzdatscha. Daneben waren Holzbänke um einen Lagerfeuerplatz aufgestellt. Es war der ideale Rastplatz für uns.

Bald danach kamen wir zum Sedlo Čergov, wo man in der turistická chata leider nicht mehr einkehren kann. In der kleinen abgelegenen Siedlung stehen nur wenige Wochenendhäuschen (Datschen). Nach weiteren 2-3 Kilometern machten wir am Waldrand auf Buchenstämmen eine weitere Pause und kamen mit einem einheimischen Pilzsammler auf Englisch ins Gespräch. Er klagte, in diesem Jahr gäbe es kaum Pilze. An Bergwiesen entlang, links und rechts hatte man wieder beste Aussicht, marschierten wir dann weiter bis Hradisko 606 m hinunter. Hier holten uns die Inhaber der Penzión BOUDICA aus Gregorovce ab, wo wir heute übernachteten. Die neue Innenausstattung in der Unterkunft und der Service sind vom Feinsten und ließen nichts zu wünschen übrig. Die jungen Wirtsleute bieten auch Räumlichkeiten für Festlichkeiten aller Art an. Sie sprechen sehr gut Deutsch und wirken sehr dynamisch.

7. Tag: Hradisko/Terňa ─ Veľký Šariš

“Vom Weibchen vernascht” und hohe Braukunst

Das Wirtsehepaar fuhr uns wieder zurück auf den E3-Weitwanderweg in die ca. acht Kilometer entfernte Ortsmitte von Terňa (375 m). Eine größere Gruppe von Roma war gerade dabei, die Böschungen eines Baches zu säubern. Mit einer Motorsense wurde das hoch gewachsene Gras gemäht und mit Holzrechen für den Abtransport aufgehäufelt. Die zahlreichen Kinder der Gruppe schauten interessiert zu. Wir kauften zunächst einmal in einem kleinen Lebensmittelgeschäft Wanderproviant.

Ein kleiner Teerweg führte uns leicht abwärts am Bach entlang aus dem Dorf hinaus. Zwetschgenbäume lockten mit einer Fülle von reifen Früchten. Auf einer Wiese graste eine große Kuhherde. 86 Tiere zählte ich. Über einen Kilometer marschierten wir dann über eine Hangwiese etwas aufwärts dem Waldrand zu. Die Vielfalt an Gräsern und Blumen verriet, dass hier noch nicht gedüngt und gegen Unkräuter gespritzt wurde. Nur noch ca. 6 Grasarten findet man heute z. B. auf gegen Unkraut behandelten und gedüngten Grasflächen in Deutschland. Entsprechend arm an Flora und Fauna ist eine solche Landschaft. Hier jedoch war das Gegenteil der Fall. Unzählige Heuschrecken, Käfer, Mücken, Hummeln, Bienen, Schmetterlinge und Falter bevölkerten die Wiese.

Auf einem breiten Grashalm entdeckte ich eine Gottesanbeterin (Fangschrecke), die gerade eine Heuschrecke gefangen hatte. Sie war ca. 8 cm lang, grau-braun wie ein abgestorbener Halm und damit gut getarnt. Bekannt ist die Gottesanbeterin vor allem dadurch; dass sie nach der Begattung ihren Partner auffrisst („vom Weibchen vernascht“).

Nach dem Sattsehen an dieser reichen Artenvielfalt liefen wir aufwärts im Wald zum Sedlo Stáže (440 m). Nach einer weiteren Stunde abwärts, immer noch im Wald, war dann unten im Tal der sich über zwei Kilometer erstreckende Ort Kanaš (305 m) in Sicht. Zahlreiche kleine und große Hunde in den Gärten der Häuser begleiteten lautstark unseren Vorbeimarsch. Unangenehm wurde es aber jetzt noch einmal, da nur noch auf einer breiten Teerstraße, der Hauptfahrstraße, längere Zeit gewandert wurde.

Endlich kam die Stadt Veľký Šariš mit dem großen Brauereigebäude ins Blickfeld. Unweit der Brauerei, neben einer großen Straßenkreuzung, machten wir ausgiebig Mittagsrast. Das „Šariš“-Bier genießt in der Region einen guten Ruf und schmeckt ausgezeichnet. Mit dem Bus fuhren wir danach in das Zentrum der drittgrößten Stadt der Slowakei, Prešov.

8. Tag: Veľký Šariš / Malý Šariš ─ Prešov (ungarisch: Eperies, deutsch: Preschau)

Ein Tag mit mehr als einem Problem

Beim Frühstück wussten wir schon: Heute kann´s keine Probleme geben: Leichte Tour auf dem E3/E8 um die Stadt Prešov herum zum Kalvarienberg von Prešov. Von dort wieder zurück in die Stadt.

Wir waren morgens rechtzeitig an der Bushaltestelle. Leider fuhr der Bus vor unseren Augen an unserer Haltestelle vorbei. Wir hatten gar nicht bemerkt, dass es wenige Meter weiter noch eine Haltestelle gab. Es bleibt uns also nur das Taxi, um an unseren Wander-Ausgangs-punkt zu kommen.

In Malý Šariš angekommen finden wir sofort das Wanderzeichen, und wir wandern los. Aber bereits nach 5 Minuten stehen wir vor einem Bauzaun.

Da hat man doch tatsächlich eine neue Autobahn mitten über die europäischen Fernwanderwege E3 und E8 gelegt!

Wir queren die Baustelle. Bäume auf der anderen Seite sind natürlich längst gefällt und damit sind auch die Wanderzeichen verschwunden. Wolfgang sucht das Wanderzeichen und findet es auch - Gott sei Dank. Es geht weiter. Danach ist der E3 wieder ein richtig normaler Wanderweg.

Bald stoßen wir auf aus Stofffetzen errichtete Zelte. Mein erster Gedanke war, sicherlich eine Jugendgruppe, die hier ihre Zelte aufgebaut hat. Schnell erkennen wir auch die Bewohner der Zeltsiedlung, es sind Roma, die hier auf dem Wanderweg campieren.

Wir wandern links an den Zelten vorbei. Nur wenige Bewohner waren zu sehen. Doch nach wenigen Metern stehen wir vor einer ca. 2 m hohen Blechwand, die uns die Fortsetzung des markierten Weges versperrt.

Das wäre schlimm, denn nun hätten wir wieder durch das Roma-Lager zurückwandern müssen. In der Blechwand war noch ein kleiner Durchstieg zu sehen, anscheinend der Zugang der Roma zur Müllhalde der Stadt Prešov. Nun war alles klar: Die Roma waren auf dem Müllplatz als Recyler tätig. Zum Glück gibt es rechts neben der Blechwand einen schmalen, kaum begangenen, aber mit Brennnesseln zugewachsenen Weg. Wir gingen dem Weg entlang der Blechwand, denn eine Wanderung über den Müllberg kam uns nicht verlockend vor.

Der Asphalt hatte uns wieder. Die nächsten 30 Minuten mussten wir auf einer nicht gerade wenig befahrenen Landstraße entlang bis Cemjata wandern. Der Ort war ein Rehabilitations-Zentrum mit nur wenigen Privathäusern.

Jetzt hieß es Abschied nehmen von dem europäischen Fernwanderweg E8. Der E8 beginnt an der polnisch-ukrainischen Grenze, verläuft westlich vorbei an Košice (Kaschau), über Bratislava, Wien, Linz, Regensburg, durch unsere Heimat nördlich von Heidelberg, bis in die Niederlande. Wir waren 5 Tage auf diesem E8 ab der slowakischen Grenze zu Polen, am Dukla-Pass, gewandert.

Wir bleiben nun auf dem europäischen Fernwanderweg E3, der uns zunächst wieder zurück nach Prešov (Preschau) und anschließend zur ungarischen Grenze auf den europäischen Fernwanderweg E4 führen wird.

Wir erreichten nach einer Wanderung durch den Stadtwald von Prešov eine Quelle mit dem Namen "Kvašná voda". Zunächst konnten wir mit dem Namen Kvašná nichts anfangen, aber nachdem uns Dirk mit dem Quellwasser versorgt hatte, wussten wir Bescheid: Es handelt sich um eine Mineralquelle mit sehr saurem Wasser. Um die Mittagszeit war es an diesem Tag sehr heiß und wir rasteten einige Zeit an der Quelle. Oft sahen wir Kinder, die mit großen Plastikbehältern Quellwasser holten.

Am Nachmittag erreichten wir unser Ziel, die Kostol na Kalváríí (Wallfahrtskirche des Heiligen Kreuzes am Kalvarienberg) südwestlich von Prešov. Nach der Zurückdrängung des Protestantismus wurde in den Jahren 1721 bis 1769 der Gebäudekomplex errichtet. Von einer Plattform aus hatten wir einen schönen Blick auf die unter uns liegende Stadt Prešov. Danach ging es abwärts an den 14 Stationen des Leidensweges Christi vorbei und in wenigen Minuten erreichten wir wieder unser Hotel in Prešov.

Die Stadt Prešov liegt an dem alten Handelsweg zwischen Ungarn und Polen. Sie erzielte ihren Reichtum durch die Produktion und den Handel mit Leinenprodukten und Salz aus der nahen Salzmine von Solivar (Salzburg). Durch die Teilnahme an mehreren Aufständen gegen die Habsburger wurde ihr der Salzhandel verboten. Die Bevölkerung verarmte und viele Bürger verließen ihre Heimat. Dadurch verlor die Stadt an wirtschaftlicher Bedeutung.

Es gibt in Prešov nur wenige Sehenswürdigkeiten, die sich alle am linsenförmigen Marktplatz befinden. Hervorzuheben ist das älteste Gebäude der Stadt, die St. Nikolaus-Kirche aus dem 14. Jahrhundert mit ihrem 66 m hohen Turm.

Hinweis

Die genaue Wanderstrecke mit Kilometerangaben, Anschriften der Unterkünfte, finden Sie unter http://www.weitwanderungen.de/EB

Fotos: Wolfgang Meluhn

SwidnikGrenzübergang am Dukla-PassHeldendenkmal am „Wanderweg der Helden“Eine russisches Jagdfllugzeug erinnert an die Kämpfe am Dukla-Pass während des 2. Weltkrieges...... und auch ein russischer Panzer T34Spielende Kinder am sowjetischen EhrenmalLeider nicht betretbar: Aussichtsturm am Ĉierna hora (Schwarzer Berg)Regen machte den Weg fast unpassierbarBurg ZborovJunge Pilzsammler bei ZborovSisi - Denkmal im Kurpark an AlţbetyDer Rathausplatz von Bardejov (Bartfeld)Das Rathaus ivon BardejovSeitenaltar in der Basilika des Hl. Ägidius in BardejovHolzkirche in Hervartov (Herbertsdorf)Wandmalerei „Törichte Jungfrauen“ in der Holzkirche in Hervartov (Herbertsdorf)Fernsicht vom Aussichtsturm am Sedlo ŢobrákIn der Ostslowakei kann man noch durch intakte Graslandschaft mit Wildblumen wandernMarktplatz in PrešovEine neue Autobahn bei Malý Šariš zerschneidet den E3 und E8Dirk an der Mineralquelle "Kvašná voda" nahe PrešovKostol na Kalváríí (Wallfahrtskirche des Heiligen Kreuzes am Kalvarienberg)
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