Auf dem Schluchtensteig im südlichen Schwarzwald

„Zehn kleine Negerlein“-Wanderung

Mitgliederwanderung des Netzwerks aus der Sicht eines Gast-Mitwanderers

Der Verein Netzwerk Weitwandern e.V. hatte zur Jahreswanderung 2012 nach Blumberg in den südlichen Schwarzwald eingeladen. Der Name “Weitwandern” klang verlockend, wir – Ilka und Klaus Stanek aus Freiberg/Sachs. - kannten den Schwarzwald noch nicht, und so folgten wir der Einladung von Katharina, der Vereinsvorsitzenden.

Ausgangspunkt der Wanderung durch die Wutachschlucht war Blumberg. Entgegen der allgemein üblichen Route wanderten die 14 Teilnehmer dieser Mitgliederwanderung – von der nur drei wirklich bis ins Ziel kamen – nach Stühlingen. Mit der Sonne im Rücken stiegen wir über die Kalkhänge des Buchberges auf. Die Luft war wassergesättigt nach dem Regen der letzten Tage. Der Wald dampfte im Morgenlicht.

Entsprechend dampfte auch die gesamte Wandergruppe am ersten Halt auf dem Buchberg. Der blühende kalkliebende Bärlauch bildete einen Teppich unter den Buchen des Gipfelplateaus. Nach dem Einstieg in die Wutachschlucht war von der Wutach anfangs nur ab und zu ein Rauschen zu hören. Der Wanderweg verlief weit oberhalb an den Muschelkalkwänden. Am Eisenbahntunnel der Blumberger Traditionsbahn teilte sich die Gruppe. Mit einigen Lampen und Handys ausgestattet, marschierten die Wagemutigsten durch den 1,2 km langen Tunnel. Der erste Tag fand seinen Abschluss in Stühlingen im Café “Einstein”.

Am nächsten Morgen wurden die Autos von Bonndorf zur Schattenmühle umgesetzt. Die Wanderung startete um 09:00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein in Blumberg. Zu Beginn der Abstieg in das Bachtal. Der Nebenlauf zur Wutach hatte sich mit einem Wasserfall in die kalkigen und tonigen Sedimente eingeschnitten. Der Abstieg über eine steile Leiter verursachte auch eine erste Dezimierung der Wandergruppe, man konnte die Leiter auch umgehen.

Auf dem Marsch durch das blühende Tal zerstreute sich die Gruppe in einzelne Diskussionsrunden. Nach kurzer Rast an einer Sägemühle ging es auf dem landschaftlich sehr schönen, teilweise etwas anspruchsvollen Pfad am Steilhang der Wutach bis zur Schattenmühle. Hier erwartete uns eine hübsche Bedienung in Schwarzwälder Tracht mit großen roten Bommeln am Hut. Die auf der Wanderung verbrauchten Kalorien wurden umgehend bei Kaiserschmarren und anderen Leckereien wieder aufgefüllt. Übernachtet wurde in Bonndorf im Hotel Kranz. Die Wirtin zauberte trotz Ruhetag ein gutes Abendessen. In der Nacht gab es einen Wetterumschwung.

Die Wanderung am dritten Tag begann mit dem Umsetzen der Autos von Bonndorf nach Oberfischbach in strömendem Regen. Mit dem Abstieg in die Lottebachklamm ließ auch der Regen nach. Der Abstieg in leichtem Nieselregen ging vorbei an Granitklippen, über die der Lottebach kleine Wasserfälle bildet. Der Wald triefte immer noch vor Nässe. An der Schattenmühle querten wir die Wutach und wanderten auf der Nordseite Richtung Räuberschlößl. Der Aufstieg im Buntsandstein brachte den Hosen einige rötliche Schlammspritzer. Der Wald besteht hier aus mächtigen Weißtannen und Buchen, der ursprünglichen Vegetation der Wutachschlucht. Das Räuberschlößl ist eine Felsklippe aus rötlichen Porphyr inmitten eines porphyrischen Granits. Die Erläuterungstafel weist auf eine alte Burganlage hin, die hier mal gestanden haben soll.

Vom Räuberschlößl führte der Weg in Richtung der Stalleg-Brücke entlang der Hangkante. Nach einem kurzen Abstieg sah man eine hölzerne Hausbrücke, die die Wutach an einer engen Klamm überspannt. Laut Erläuterungstafel hatte die Brücke in der Vergangenheit strategische Bedeutung. Hier wurde unter schützendem Dach der Brücke Rast gemacht. Nach der Mündung des Röthenbaches lief die Wandergruppe auf einem schmalen Steig in Richtung Haslachklamm. Der Bach windet sich durch eine Serie von Glimmerschiefern und Gneisen, die schmale Felsriegel bilden, die dann in Serpentinen umstiegen werden mussten. Der Schachtelhalm begann zu sprießen, zunehmend wurden die Tannen durch Fichten ersetzt. Nach kurzem Anstieg erreichten wir einen früheren Bahndamm, auf dem es dann in Richtung Lenzkirch ging. Schon mit Blick auf Lenzkirch begann es zu gießen, so dass für die letzten Kilometer der komplette Regenschutz angesagt war. Der Treffpunkt für die zersplitternde Wandergruppe war das Café Central am Markt in Lenzkirch.

Hier verabschiedeten sich aus beruflichen Gründen Katharina und Carsten, Ursula war schon zuvor verschollen. Von Lenzkirch gab es nur noch ein Ziel: nach oben. Vorbei am Geopark von Lenzkirch mit einigen schwach erläuterten Gesteinen aus dem südlichen Schwarzwald, vorbei an einer einsamen Kapelle und benachbarten Schwarzwaldwirtschaften. Am Ende des steilen Aufstieges wurden wir durch einen kräftigen Regenguss erfrischt. In der Grillhütte am Sportplatz Oberfischen hatten vor uns schon andere Wanderer Schutz gesucht. Mit dem Aufklaren erreichten wir die Autos, um in das Hotel “Hochschwarzwaldhof” zu fahren.

Am vierten Tag setzten wir den Marsch von Oberfischbach in Richtung Bildstein fort. Bei strahlendem Sonnenschein hatte man eine sehr gute Aussicht über den noch teilweise schneebedeckten Feldberg. Die Wanderroute verlief um den südwestlichen Schluchsee herum.

Nach kurzer Mittagsrast marschierten wir auf breiten mit Granitgrus belegten Waldwegen auf die Höhe in Richtung Krummenkreuz-Hütte und -Brunnen. Das Wasser aus dem Brunnen schmeckte gut.

Im Wald öffnete sich ab und zu ein Tal mit typischen Schwarzwaldhäusern. Auf der mit Heidekraut bewachsen Erosionsfläche eines Granites sammelte sich die Gruppe zu einer ausgedehnten Rast in der Mittagssonne. Die Wiesenflächen öffneten den Blick auf die schneebedeckten Kämme der Schweizer Alpen. Mit einer gewissen Schadenfreude schickten wir per Handy ein Gruppenfoto an die bereits wieder berufstätige Katharina.

Von der Hochfläche stiegen wir über die Windbergschlucht ab. Die Windbergschlucht ist eine kleine Klamm, die sich im rötlichen Porphyr bis zum Ortseingang von St. Blasien erstreckt. Auf der Suche nach einem Café liefen wir bis zum Ortszentrum und zum Dom. Der Dom ist Teil einer Benediktiner-Klosteranlage.

Hier machte Lutz eine kurze Führung zum frühklassizistischen Baustil der runden Kirche. Heute beherbergt das ehemalige Kloster ein von Jesuiten geführtes Internat und Gymnasium. Nach einer Stärkung mit Eiskaffee und Schwarzwälder-Kirsch-Eisbecher im Café Domspatz fuhren wir in unser Hotel.

Das Hotel “Zum Hirschen” in Mutterslehen (westlich St. Blasien) ist eine großzügige Pension/Hotel im Jagdhausstil. Laut Gästetafel waren wir auf den Spuren von Bundespräsidenten und Ministern, die alle hierher vor allem zum Jagen kamen.

Am nächsten Morgen verließ uns Lutz. Der Rest der Gruppe stieg bei strahlend schönem Wetter und schon warmen Temperaturen auf. Zum Glück warf der Buchen-Mischwald etwas Schatten. Vorbei am Jesuitenblick, einem Überblick über den Internatskomplex, ging es zum Aussichtsturm am Lehenkopf. Von hier aus hatte man einen schönen Blick nach Norden zum Feldberg und nach Süden auf die schneebedeckten Schweizer Alpen. Danach ging es in lockerem Auf und Ab über den Weidberg zu einer Aussicht über den südlichen Schwarzwald, den Schweizer Faltenjura und die südlich anschließenden Alpenketten.

Der Abstieg in der prallen Sonne führte zu einem Weiher, dessen Wirtschaft aber erst zwei Tage später am 12. Mai neu eröffnet wurde. Wir verließen das Tal über einen steilen Anstieg, vorbei an einigen Schautafeln zum historischen Bergbau auf liquidmagmatische Sulfidvererzungen im Gebiet Ibach-Todtmoos. Auf dem Granitplateau sammelte sich die Gruppe im Schatten einer Fichtengruppe zu einer längeren Rast. Zum Nachmittag mussten wir in Richtung Todtmoos zweimal die Straße queren, zuletzt am Ibacher Kreuz. Der Weg führte abwechslungsreich über Weiden, durch kleine schattenspendende Waldstücke und mündete schließlich ins Wehra-Tal. Der Wehra folgend stiegen wir relativ steil einem schmalen Pfad hinterher und erreichten gegen 16:00 Uhr Todtmoos. Der erste Gang der durstigen Truppe führte in ein Café gegenüber der Apotheke. Hier zeigte das digitale Thermometer immer noch 27 Grad Celsius. Begierig wurden Apfelschorle, Eiskaffee und Schwarzwälder Kirschtorte bestellt, jedoch lag das Angebot weit unter dem Durchschnitt der bisherigen Wanderung. Dafür entschädigte das Schwimmbad im Hotel.

Nach Mitternacht setzte der schon am Tag zuvor angekündigte Regen ein. Christine hat sogar Gewitterdonner gehört, alle anderen hatten tief und fest geschlafen. Am Morgen des letzten Tages spürte man schon die Aufbruchstimmung. Während des Frühstücks wurde schon der Heimweg geplant, Mitfahrer wurden eingeteilt und die Autos entlang der Strecke postiert.

Beim Abmarsch in Todtmoos zeigte das Thermometer an der Apotheke nur noch 9 Grad Celsius. Über Nacht gab es einen Temperatursturz von 18 Grad. In strömendem Regen verließen wir den letzten Etappenort. Anfangs folgten wir auf der Westseite des Tales nach Wehr breiten, befestigten Wanderwegen. Nach dem Wechsel auf die östliche Talseite verengten sich die Wege zu einem Steig, der sich am oberen Talhang entlang schlängelte. Wir liefen so jedes Nebental aus.

Gegen 13:00 Uhr erreichten wir nach wechselnden Regengüssen den Parkplatz an einer Steinbrücke auf halber Strecke. Hier verabschiedeten sich Regine, Christine und Helmi. Andere machten ausgiebig Pause, so marschierten wir nur noch zu dritt Richtung Wehr. Der Pfad führte wieder auf die westliche Talhöhe. Stellenweise war der Weg durch Windbruch versperrt, der zum Teil mühsam auf glitschigem Geläuf umgangen werden musste. An der oberen Hangkante angekommen, stiegen wir auf einem breiten Waldweg ab. Die Stadt Wehr lag nebelumrahmt im Kerbtal vor uns. Gegen 16:00 Uhr waren wir am Auslauf des Stauwerkes angelangt. Nach einem kurzen Marsch erreichten wir unseren Autostandort am Hotel.

Wir haben eine sehr interessante Wanderung erlebt. Dank der exzellenten Vorbereitung durch Walter, seinen Erläuterungen zur Historie und Landschaftsgeschichte werden uns die fünf Tage Südschwarzwald in guter Erinnerung bleiben.

Fotos: Katharina Wegelt und Hans Losse 

 

Blumberg: Wer genau hinsieht, findet in dem Straßenort reizvolle Ecken.Leider sehr neblig: der Blick von der Buchberghütte auf AchdorfNur ein Grüppchen wagte sich durch den stockfinsteren Tunnel, der Rest der Truppe schwörte auf gute Sicht.Der Abstieg ins Wutachtal über eine angekündigte „steile Leiter“, die sich als Treppe mit Geländer erwies.Abstieg nach Aselfingen, von wo aus bald das Sägewerk Wutachmühle erreicht wird.Wasserfälle - immer wieder eine willkommene Erfrischung„... immer an der Wand lang“, heißt es oft in der romantischen Wutachschlucht.Der Schluchsee: Dass dieser ein künstlicher Stausee ist, vermutet kaum jemand.Erfrischung am Wegesrand: Wanderführer Walter hat sie sich verdient - hier am Krumrnenkreuzbrunnen, der mit 1148 Metern höchste Punkt der TourIn der Nähe von Muchenland - ein schöner Platz für eine kurze RastDas ehemalige Benediktiner-Kloster St. Blasien im SüdschwarzwaldIm Park der ehemalige Benediktiner-Klosteranlage St. BlasienAuf dem Horbacher Felsen zwischen St. Blasien und Todtmoos, in der Ferne grüßen die Schweizer AlpenDer Autor bei seinen Notizen: Dr. Klaus StanekWanderführer Walter bei einer Pause vorm Ziel
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