Hauts plateaux du Vercors

vercor1.jpg

8 Tage durch die französischen Alpen

1. Tag:

Ich starte am Monat, 15. Juni 1998 in Grenoble, bei zunächst bedecktem Wetter. Mein erstes Lob gilt dem Nahverkehrssystem in Grenoble. Mit Straßenbahn und Bus gelangte ich zum Ausgangspunkt der Wanderung in Seyssinet-Village. Ein freundlicher Busfahrer zeigte mir ungefragt den Ausgangspunkt der Tour und bald ging’s den Berg hinauf nach St. Nizier, immer der rot-weißen Markierung des GR 9 folgend, mit zwischendurch schönen Ausblicken auf Grenoble. Ich konnte es gar nicht glauben, dass ich schon 850 Höhenmeter aufgestiegen bin. Hier oben war es noch relativ frisch und der Ort wie ausgestorben. Danach kam ein schweißtreibender Abstieg in meine erste „Gorge“ mit fast 400 Höhenmetern, bei Nässe sicherlich eine unangenehme Tour. Hier unten im Tal bei Engins stieß ich auf eine urige Bar, um mich für den nächsten Aufstieg zu stärken. Der Weg steigt langsam an zum Plateau de Sornin und zum Felstrümmerfeld von Plénouze, erneut ca. 750 Höhenmeter. Die Vielfalt der Markierungen ist etwas irritierend; einmal rot-weiß, dann rot-rot, dann roter Balken auf weißem Grund usw. Teilweise handelt es sich wohl um Forstmarkierungen. Dann weist die Karte einen Weg – bezeichnet mit G.T.A. - hinunter zum Refuge de la Sure aus. Dieser Weg existiert so nicht. Ich bin hier über die Skipiste abgestiegen (ebenfalls sehr schweißtreibend!). Nach dem Führer zweigt der Weg erst nach dem Aussichtspunkt „la Sure“ ab. Nach Auskunft von anderen Wanderern ist jedoch auch hier kein Weg zu finden; sie sind ebenfalls über eine Skipiste abgestiegen. Hier endet der 1. Tag bei strahlendem Sonnenschein, der mir nun die ganze Tour über erhalten bleiben sollte.

2. Tag:

Der heutige Tag beginnt erneut mit einem Aufstieg, dieses Mal über eine andere Skipiste, die mir angenehmer erschien. Es sollte der Tag mit den schönsten landschaftlichen Highlights werden. Beim Aussichtspunkt „la Sure“ (1650m) hat man zum ersten Mal einen Blick fast 1400 m senkrecht hinunter ins Tal der Isere und nach Grenoble. Der Weg folgt nun den Felsklippen, immer wieder für 50 oder 100 Meter auf- und absteigend über den „Pas de la Clé“ bis zum „Bec del’Orient“. Der 2. Tag endet für mich im Ferienzentrum und Wintersportort Autrans in einem netten Hotel. Im Ort gibt es u.a. auch ein Informationszentrum der Nationalparkverwaltung.

3. Tag:

Den heutigen Tag habe ich mehr fürs Relaxen vorgesehen. Zunächst steigt der Weg an zum Pas de Pertuson, danach kurzer steiler Abstieg (im Winter und Frühling bei noch reichlich Schnee durch Seile gesichert), der langsam in einen schönen Wiesenweg übergeht, zu meinem heutigen Endpunkt Rencurel. Außer dem derzeit offenen Hotel (sogar mit Pool!!) gibt es hier eigentlich nur ein paar verstreute Bauernhöfe.

4. Tag:

Der Weg führt zur Freude des heuschnupfengeschädigten Wanderers wieder in den Wald zur „Ref. du Serre du Satre“ und „Ref. de la Goulandiere“ zum Pas de Ranc. Diese Schutzhütten darf man nicht mit normalen Refuges vergleichen; es sind nur Blockhütten mit einem Ofen und Holz drin, ohne Matratzen, ohne Kocher und ohne Wasser. Am „Pas de Ranc“ erfolgt ein gewaltiger Abstieg über 800 Höhenmeter hinunter in die „Gorges de la Bourne“ nach Chorange, wo ich nach 8,5 Std. Marschzeit mit zitternden Knien ankam. Hier traf ich auf die Gite d`etape de luxe, „Vol de nuit“ mit 4-Bettzimmern, Bettwäsche, perfekt ausgestatteter Küche, Frühstück im Angebot, einem Müllsortierungssystem, das ich den Franzosen nicht zugetraut hätte.

5. Tag:

Langsam gerate ich in finanzielle Schwierigkeiten. Nirgendwo findet man einen Geldkartenautomaten. Der Führer weist in Pont-en-Royans den nichtssagenden Begriff „commerces“ aus. Eine Geldumtauschmöglichkeit besteht aber am Samstag nicht. Die Postämter tauschen nur noch in den großen Ortschaften Geld. Den Weg ins Zentrum von St. Laurent-en-Royans hätte ich mir deshalb sparen können. Dann geht’s wieder kräftig bergauf bei brütender Mittagshitze zum Pas du Pas (800 Höhenmeter über Pont), dem anstrengendsten Aufstieg auf der gesamten Tour. Oben an der Passstrasse treffe ich ein holländisches Ehepaar beim Picknick, die natürlich auch kühle Getränke für einen durstigen Wanderer mit sich führen. Danach geht es auf oder entlang der wenig befahrenen Straße zum erstklassigen Hotel „Faravelon“ am „col de la Machine“. Das Thermometer zeigt am Spätnachmittag in 1030 m Höhe noch 30 Grad im Schatten.

6. Tag:

Ruhetag, Zeit zum Relaxen, Karten schreiben, fotografieren und die hervorragende Küche des Hotels genießen, und sich darüber ärgern, dass man keine Badehose dabei hat, um sich in die kühlen Fluten des Swimmingpools zu stürzen.

7. Tag:

Es geht weiter, zunächst noch ein kurzes Stück über den GR 9, dann über den GR 95 über Lente, einer Forstsiedlung, wo ich zum ersten Mal den Weg über Wiesen verloren habe. Der Weg führt weiter zum Col de la Chau mit schönem Ausblick. Dort steht die Gedenkstätte „Monument de la Résistance“. Wer sich gegen die Ausstellung „Verbrechen der deutschen Wehrmacht“ als einseitige Darstellung gewandt hatte, dem empfehle ich hier eine Besichtigung vor Ort, um sich ein besseres Bild über die damaligen Geschehen zu machen. Anlässlich einer Strafaktion wurde das Dorf Vassieux am 21.7.1944 ausgelöscht. Kein Bewohner hat überlebt. Auch für jemand, der von den historischen Ereignissen vorher wusste, hat mich der Rundgang durch diese Ausstellung zutiefst berührt. Beim Ausgang der Gedenkstätte steigt der Weg hinunter nach Vassieux-en-Vercors.

8. Tag:

Von Vassieux folgt eine Markierung rot-weiß (GR) und eine Markierung gelb-grün (Markierung des Nationalparks) nach Süden. Die Markierung auf dem GR 95 ist deutlich schlechter als auf dem GR 9. Ich verliere die Markierung des GR ungefähr bei der Höhenangabe 1109. Die gelb-grüne Markierung führt mich den gestrichelten Weg auf der Karte hinauf zum Col de Font Payanne. Dort trifft man auf den GR 93, dem ich bis zur Kreuzung mit dem GR 95 folge. Dann Abstieg und erneuter Aufstieg zum Col de Vassieux mit einem letzten Blick zurück auf die geschichtsträchtige Hochebene. Die Refuge stellt wieder nur eine Blockhütte ohne Wasser, ohne Matratzen, ohne Kochgelegenheit dar. Beim Abstieg vom Col kommt man in eine mediterrane Landschaft mit Kiefernwäldern, Ginster, Steineichen, Wachholder. Der Abstieg will kein Ende nehmen. Lavendelfelder säumen den Weg. Es erfolgt ein erneuter kleiner Aufstieg, Weidezäune, Schafherden begleiten den Weg. Endlich ist Die nach 6,5 Std. erreicht. Im ersten Cafe bestelle ich einen Kaffee und viel Wasser. Mein Geldbeutel weist noch einen Bestand von 12 FFR aus. Der Kreditkarte sei Dank!!

Benützter Führer: Topo-guide „Hauts plateaux du Vercors“

Karte: Nr. 12 „massif du Vercors“, (1:50.000), éditions didier richard (nicht mehr erhältlich), IGN Nr. 3615 Parc naturel régional du Vercors (1:60.000)

hauts-plateaux-du-vercors
254
Berichte

Wege und Ziele

nr62april22Ausgabe 62, April 2022
nr61nov21Ausgabe 61, November 2021
nr60apr21Ausgabe 60, April 2021
nr59dez20Ausgabe 59, Dezember 2020
nr58dez19sonderSonderbeilage, Dezember 2019
nr58dez19Ausgabe 58, Dezember 2019
nr57mai19Ausgabe 57, Mai 2019
nr56nov18Ausgabe 56, November 2018
nr55mai18Ausgabe 55, Mai 2018
nr54dez17Ausgabe 54, Dezember 2017
nr53aug17Ausgabe 53, August 2017
nr52apr17Ausgabe 52, April 2017
nr51dez16Ausgabe 51, Dezember 2016
nr50aug16Ausgabe 50, August 2016
nr49apr16Ausgabe 49, April 2016
nr48dez15Ausgabe 48, Dezember 2015
nr47aug15Ausgabe 47, August 2015
nr46apr15Ausgabe 46, April 2015
nr45dez14Ausgabe 45, Dezember 2014
nr44aug14Ausgabe 44, August 2014
nr43apr14Ausgabe 43, April 2014
nr42dez13Ausgabe 42, Dezember 2013
nr41aug13Ausgabe 41, August 2013
nr40apr13Ausgabe 40, April 2013
nr39dez12Ausgabe 39, Dezember 2012
nr38aug12Ausgabe 38, August 2012
nr37apr12Ausgabe 37, April 2012
nr36dez11Ausgabe 36, Dezember 2011
nr35aug11Ausgabe 35, August 2011
nr34apr11Ausgabe 34, April 2011
nr33dez10Ausgabe 33, Dezember 2010
nr32aug10Ausgabe 32, August 2010
nr31apr10Ausgabe 31, April 2010
nr30dez09Ausgabe 30, Dezember 2009
nr29aug09Ausgabe 29, August 2009
nr28apr09Ausgabe 28, April 2009
nr27dez08Ausgabe 27, Dezember 2008
nr26aug08Ausgabe 26, August 2008
nr25apr08Ausgabe 25, April 2008
nr24dez07Ausgabe 24, Dezember 2007
nr23aug07Ausgabe 23, August 2007
nr22apr07Ausgabe 22, April 2007
nr21dez06Ausgabe 21, Dezember 2006
nr20aug06Ausgabe 20, August 2006
nr19apr06Ausgabe 19, April 2006
nr18dez05Ausgabe 18, Dezember 2005
nr17aug05Ausgabe 17, August 2005
nr16apr05Ausgabe 16, April 2005
nr15dez04Ausgabe 15, Dezember 2004
nr14aug04Ausgabe 14, August 2004
nr13apr04Ausgabe 13, April 2004
nr12dez03Ausgabe 12, Dezember 2003
nr11aug03Ausgabe 11, August 2003
nr10apr03Ausgabe 10, April 2003
nr09dez02Ausgabe 09, Dezember 2002
nr08okt02Ausgabe 08, Oktober 2002
Zur Bereitsstellung unserer Dienste verwenden wir Cookies. Wenn Sie nicht damit einverstanden sind, dass Cookies auf Ihrem Rechner gespeichert werden, können Sie dies ablehnen. Möglicherweise werden dann unsere Dienste nicht im vollem Umfang funktionstüchtig sein.