Sardiniendurchquerung von Nord nach Süd I

Einleitung 

Nach der erfolgreichen Durchwanderung der ersten Mittelmeerinsel Korsika in 3 Etappen von April 2015 bis April 2016 war nun Sardinien als Zweites an der Reihe. Im Juni 2016 machte sich ein 5-köpfiges Wanderteam unter meiner Führung auf den Weg und erforschte neue Wege in den Landschaften der sardischen Gallura, um das Monte Limbara-Massiv und in den wilden und einsamen Landstrichen nördlich des Monte Albo. 

Markierte Wegenetze für Wanderer gibt es bis heute in Sardinien nur sehr selten und ausschließlich in geografisch eng begrenzten und häufiger besuchten Parkgebieten, wie z.B. um den Monte Limbara. 

Der schon fast legendäre Sentiero Sardegna, als Teil des noch größeren Projektes namens Sentiero Italia, wurde seit seiner Geburt im Jahre 1995 nicht mehr gepflegt und hat heute keine Bedeutung mehr. Leider verlief auch der lobenswerte Reanimierungsversuch durch den deutschen Fernwanderer Benjamin Flad [1] bald im Sande und scheint vom Initiator nicht mehr weiterverfolgt zu werden. Für die Nord-Süd-Durchquerung Sardiniens mussten also neue Wege gefunden werden. 

Diese Wanderung fand ebenfalls im Rahmen einer DAV-Führungstour der Sektion Grafing-Ebersberg statt. 

Anreise und Vorwanderung (Santa Teresa – Capo Testa, 9 km) 

Wir wählten für die Anreise auf die Insel der Nuraghen die Variante mit dem Flugzeug und trafen uns alle am 10. Juni frühmorgens am Airport Stuttgart. Zu unserem schwäbisch-bayrischen Wanderteam gehörten Nanita, Elfriede und Wolfgang sowie Bärbel und ich. Schon um die Mittagszeit landeten wir auf dem Flughafen in Olbia und wurden sogleich von der glühenden, sardischen Sonne empfangen. Kurz darauf stiegen wir in den Turmotravel-Bus nach Santa Teresa di Gallura, dessen Fahrer es sichtlich gut mit uns meinte und die Klimaanlage bis zum Anschlag aufdrehte, sodass wir nach knapp zwei Stunden gut gekühlt an der Nordspitze der Insel ankamen. Gleich auf dem Weg von der Bushaltestelle zum Hotel in der Stadt beschlossen wir, schon heute ein Teilstück bis zur Halbinsel Capo Testa zu wandern, um die morgige, längere Strecke etwas zu verkürzen. 

Nach einem kleinen Snack in einer Bar in Santa Teresa packten wir einen Vorrat an Wasserflaschen ein und begaben uns zum naheliegenden Startpunkt der Insel-Durchwanderung, dem alten Turm „Torre Spagnola“. Von hier konnten wir die Südküste Korsikas und die Lavezzi-Inseln gut erkennen. 

Gleich zu Beginn gab es in der Natur einiges zu entdecken und zu bestaunen, z.B. blühende Myrthen, Erdbeerbäume und bizarre Felsformationen. 

Nach der Meeresenge zum Capo Testa wurde es aber erst richtig spannend. Wir fanden einen unerwartet anspruchsvollen, aber sehr schönen Weg entlang der Südküste der Halbinsel, der uns durch eine märchenhafte Landschaft mit riesigen Felstürmen und Steinbrocken führte. Ab und zu mussten wir beim Kraxeln über die Steine auch Handarbeit leisten. 

Als Rückweg wählten wir eine Wegvariante durch das Valle della Luna und erreichten am frühen Abend eine nette Bar, von wo aus wir uns nach einer Erfrischung zurück nach Santa Teresa fahren ließen. Abends probierten wir die ersten sardischen Spezialitäten und gönnten uns dazu ein Glas sardischen Weins! 

1. Tag (Santa Reparata – La Tegghja, 21 km) 

Nach einem für italienische Verhältnisse recht üppigen Frühstück in Santa Teresa ließen wir uns mit einem Taxi zur selben Stelle auf der Landzunge am Capo Testa zurückfahren, die wir gestern Nachmittag erreicht hatten. 

Wir wanderten nun den Küstenstreifen bei Santa Reparata entlang, der sich schon auf den bevorstehenden Sommertourismus freute. Nach einer Zone mit Ferienwohnungen und aufgespannten Sonnenschirmen folgten wir einem unscheinbaren Fußpfad parallel zum Ufer. Er führte uns durch immer wildere Gegenden mit herrlichen Blicken auf das Meer und hinüber zur Halbinsel Capo Testa, wo wir gestern bereits gewandert waren. 

Besonders schön waren die bunten Blumenteppiche zwischen den gigantischen Felsformationen. Wir verließen die Küste und gingen ein Stück landeinwärts auf dem alten Sentiero Sardegna. Mittags stärkten wir uns mit ein paar vorzüglichen Antipasti im Agriturismo Sardo. 

Den Versuch, auf einem direkten Weg nach La Tegghja zu gelangen, mussten wir wieder aufgeben, da die in einem Wanderführer [1] beschriebene Variante inzwischen völlig zugewuchert war. An der Küste bei Rena Majore hatten wir viel Spaß, durch die sandigen Dünen auf und ab zu spazieren. Dann legten wir die lange ersehnte Badepause an einem kleinen Strand ein: wie erfrischend war das kristallklare Wasser! 

Abends gelangten wir auf kleineren Pfaden und die Asphaltstraßen vermeidend durch verdorrte Wiesen und einige hohe Zäune und Mauern direkt zu unserem Nachtquartier, dem Agriturismo La Tegghja, das sich auf einer Anhöhe befand. Ein kulinarischer Höhepunkt war das sardische Spanferkel als Hauptgang! Der dicke, süße Landwein, welchen es dazu gab, war allerdings ziemlich gewöhnungsbedürftig! 

2. Tag (La Tegghja – Luogosanto, 17 km) 

Ach, wie schön frisch und kühl war die Luft morgens, da macht das Wandern richtig Spaß! Das Problem war nur, zu so früher Morgenstunde aus dem Bett zu kommen … 

Als die Sonne aufging, waren wir schon ein Stück auf einer kleinen Asphaltstraße nach Süden unterwegs und erreichten nach etwa drei Kilometern den Flecken Aglientu. 

Nach einer weiteren halben Stunde einfachen Weges durch eine langgezogene Ebene kamen wir endlich an einen Zaun! Wir hatten diese kleinen Hindernisse schon richtig vermisst! Nun wurde der Weg immer abenteuerlicher. Wir waren noch nicht weit in einem Korkeichen-Wäldchen unterwegs, da endete der Weg unvermutet an einem Grundstück mit einem Openair-Schweinestall. Das GPS und die Satellitenbilder signalisierten uns, dass es genau hier nach Südosten 

weitergehen müsste. Aber da war nichts als eine Steinmauer, ein paar stachlige Brombeerranken und die Macchia. 

Schließlich fanden wir nach intensiver Suche den Ausweg, kletterten über die Mauer und setzten unsere Wanderung auf einem kaum mehr sichtbaren, mit verblühten Zistrosen-Sträuchern überwachsenen Pfad fort. Offensichtlich existierte hier früher ein breiter Weg, wie man am Verlauf der Bäume und 

Büsche erkennen konnte. Dann passierten wir ein wildes Stück Land mit hohem Gras, violetten Disteln und unzähligen schwarzweißen Trauerfaltern. Wir stiegen die gegenüberliegende Anhöhe hinauf und fanden einen hervorragenden, schattigen Picknickplatz bei einigen größeren Felsblöcken. Endlich konnten wir die Reste des gestrigen Menüs verzehren. In dieser schönen Umgebung mundete uns sogar der restliche Wein von gestern, den wir uns im Agriturismo abgefüllt hatten. 

Dann erreichten wir – nach einigen weiteren Abenteuern – Luogosanto. Was für eine Augenweide ist dieses Städtchen! In den Gassen leuchten die Hauswände in orangen, beigen und rosaroten Farbtönen. Dazu die blühenden Oleanderbüsche – einfach pittoresk! Wir schlürften einen Aperol in einer freundlichen Bar im Dorfzentrum und begaben uns dann zu unserem Nachtquartier, einer Ferienwohnung etwas außerhalb der Stadt und in der Nähe der bekannten Eremitage des Einsiedlers San Trano. Hier bekamen wir gleich nach der Ankunft ausreichend Trinkwasservorräte für die morgige (heiße und trockene) Etappe und viele gute Informationen vom Besitzer Stefano, der sich mit den örtlichen Wanderwegen fabelhaft auszukennen schien. 

3. Tag (Luogosanto – Calangianus, 23 km) 

Wir verließen unsere Azienda Agricola und suchten uns einen Weg über die Felder, um nicht den Umweg zurück ins Dorf Luogosanto nehmen zu müssen. Zurück auf einem befestigten Asphaltsträßchen umrundeten wir den Monte Padru (587m) auf der Westseite und tauchten bald wieder in dichte Korkeichenwälder ein. Die frisch geschnittenen Korkeichen leuchten herrlich in einem Orange, das von weitem sichtbar ist. Heute war das Wetter zwar tadellos, aber es war so kalt, dass wir öfter eine Jacke anziehen mussten, um nicht zu frieren. Dabei waren wir nicht höher als etwa 600 Meter. Wir entschieden uns, nicht zum Stausee Lago di Liscia zu wandern. Hier hätten wir nämlich nur die Wahl gehabt zwischen einer schattenlosen Strecke auf einer größeren Asphaltstraße auf der Westseite des Sees und einem längeren Umweg nach Sant’Antonio di Gallura auf der Ostseite. Der direkte Weg nach Süden unter Durchquerung des Tals des Riu Vitedda erschien uns günstiger. 

Tatsächlich fanden wir einen passablen Weg durch die Macchia. Die Mittagspause hatten wir redlich verdient und ließen uns erschöpft in einem rauschenden Kiefernwald nieder. Nach dem Abstieg in die Ebene des Flusses Riu Carana passierten wir ein fast ausgetrocknetes Flussbett und stiegen langsam wieder bergan. Es war brütend heiß und uns lief der Schweiß über die Haut. Überall lagen große Stücke geschnittener Korkrinde am Wegrand und wartete darauf, abgeholt zu werden. 

Als wir in Luras ankamen war es bereits spät am Nachmittag. Das Tagesziel Calangianus war schon zum Greifen nahe auf einer benachbarten Anhöhe. Doch leider mussten wir noch kurz vor dem Ende ein letztes etwa 150 Meter tiefes Bachbett durchschreiten. Endlich erreichten wir ausgemergelt die Piazza von Calangianus und hatten nur noch den Wunsch nach einem erfrischenden Bier! Mit dem Bus fuhren wir nach der ersehnten Pause in die ca. 10 Kilometer entfernte, quirlige Provinzstadt Tempio Pausania, wo wir für die kommenden zwei Nächte Zimmer reserviert hatten. 

4. Tag (Calangianus – Valliciola, 22 km) 

Es war zu Beginn völlig unklar, ob die heutige Tagesetappe auf den zweithöchsten Berg Sardiniens, den Monte Limbara (1362m), überhaupt von Calangianus (518 m) aus durchführbar ist. Schon früher einmal musste ich und meine Frau Gulaim auf unserem Weg durch Sardinien (www.via-kirgisia.de) in genau dieser wilden Ebene zähneknirschend aufgeben und uns einen anderen Weg suchen. Doch dieses Mal war uns Erfolg beschert: wir fanden südlich der Chiesa delle Grazie einen verwilderten Pfad, welcher offensichtlich ab und zu von Jägern begangen wird und der uns geradewegs durch die übermannshohe Macchia an den Rand des Massivs brachte. 

Den Versuch einer zweiten “Abkürzung” über einen Sattel auf die Südseite der Bergkette mussten wir wieder abbrechen. Auf dem weiteren Aufstieg begegneten uns immer wieder putzige Landschildkröten. Phantastisch ragten die bizarren Felstürme in die Luft, die wir zu Fuß umrundeten. Bei dem Ort “Le Grotte” legten wir eine Mittagspause ein. Der Wind war an dieser Stelle zeitweise so stark, dass wir sogar unser Vesper mit den Händen festhalten mussten. Am Nachmittag setzten wir unseren Aufstieg fort und erreichten schließlich den höchsten Gipfel der Limbara-Gruppe namens Punta Balistrieri (1362 m), die aber eher einem Antennenwald glich. Der Blick von hier oben in die Ebene von Berchidda war trotzdem herrlich. Über einem kleinen, alpinen Steig kamen wir schließlich in Valliciola an, wo wir abgeholt und wieder nach Tempio Pausania zurückgefahren wurden. 

5. Tag (Valliciola – Berchidda, 15 km) 

Am Vormittag war endlich Ausruhen angesagt – ein halber Ruhetag wurde uns sozusagen gegönnt. Bärbel kam endlich zum Postkarten-Schreiben, Wolfgang machte einen Abstecher zum Bahnhof hinunter, um die rostigen Loks zu fotografieren, die hier schon seit Ewigkeiten in der Sonne schmoren, und alle anderen genossen einen zweiten Kaffee oder einen Eisbecher. Allein das Frühstücken zu so später Stunde war schon etwas ganz Besonderes auf dieser Abenteuerwanderung! 

Um die Mittagszeit sind wir mit einem kleinen Bus auf den Monte Limbara zurückgefahren worden, wo am Albergo Valliciola der zweite Abschnitt unserer Wandertour begann. 

Zunächst begaben wir uns auf festen Forstwegen in südlicher Richtung zu einem Bergsee, wo wir im Schatten einiger Kiefern ein Picknick einlegten und den verpassten Mittagschlaf nachholen konnten. An einem kleinen Weiher kühlten wir uns bei einem Bad etwas ab. Auffallend waren die neuen Wegmarkierungen – hier scheinen für Wanderer gerade Passagen im Naturpark Monte Limbara angelegt zu werden. 

Schwieriger wurde es für uns dann, als wir versuchten einen zoologischen Garten mit Schmetterlingen (Giardino delle farfalle) zu umgehen, der mitten in unseren Weg gebaut und mit hohen Zäunen versehen wurde. Aber auch dieses Hindernis überwandten wir ohne einen Kratzer. Beim Versuch, nun direkt durch einen Korkeichenwald weglos an unser Tagesziel nach Berchidda hinunter abzukürzen, scheiterten wir allerdings und mussten ein Stück zurückgehen. Es bleibt ein Rätsel, was auch immer ich auf der Satellitenkarte gesehen hatte, denn in Wirklichkeit gab es nur einen Dschungel aus Bäumen und Felsen. 

Schließlich erreichten wir Berchidda, belohnten uns mit einem Bierchen in der ersten Bar und machten uns schnurstracks auf den Weg zu unserem B&B, das leider ca. zwei Kilometer weiter außerhalb des Ortes in einer Ebene lag. Wir wurden aber mehr als entschädigt mit einer traumhaft mitten in einem Rebhang gelegenes Landgut, dessen Besitzer uns abends ganz zuvorkommend auf der Terrasse bewirteten. Lange noch saßen wir bei einem Glas Wein, hörten den Grillen zu und beobachteten die Lichter um den nahegelegenen Monte Acuto, der dieser Region seinen Namen gegeben hat. 

6. Tag (Berchidda – Foresta Monte Olia, 28 km) 

Da wir heute einen besonders langen Tag vor uns hatten, waren wir schon kurz nach Sonnenaufgang wieder auf den Beinen. Es war angenehm kühl, als wir unser Nachtquartier in den Weinbergen verließen und nach Berchidda zurückgingen. Von dort durchquerten wir die Ebene in südöstlicher Richtung bis wir nach etwa 4 Stunden an den Ausläufern der Monti dei Alà ankamen. 

Sardische Wildkatzen haben wir nicht getroffen, dafür aber Wildschweine und einige Zecken, als wir querfeldein durch das versengte Gras wanderten. Die Monti dei Alà sind eine einzigartige und fast unbewohnte Berglandschaft, die sich zu beiden Seiten des Riu sa Chessa von Monti bis Alà dei Sardi erstreckt. Es schien uns ein ziemlich wildes Unterfangen, auf das wir uns hier eingelassen hatten … 

Auf den nächsten 15 Kilometern trafen wir keine Menschenseele mehr. Nur Schluchten, Schafweiden, Kiefernwälder und natürlich die allgegenwärtige Macchia! Zu Beginn waren die Wege unheimlich reizvoll, sind dann aber gegen Ende für uns Abenteuer-Wanderer doch etwas eintönig geworden, denn wir stießen am Nachmittag auf einen breiten Forstweg, der uns die letzten Kilometer sicher bis hin zur Straße SS389 begleitete. Vielleicht hätten wir doch noch zum parallel verlaufenden Flussbett hinabsteigen und dort ein Stück weglos fortsetzen sollen. 

An einer Waldarbeiter-Station „Foresta di Monte Olia“ wurden wir abgeholt und in den etwa 12 Kilometer entfernten Ort Monti gefahren, der Heimat des Weißweins Vermentino di Gallura, und der ältesten Weinkellerei Sardiniens. Von unserem Gastgeber aus Monti bekamen wir sogar spontan ein Auto geliehen, um zwischen unserem B&B und dem Ort zu pendeln, wo wir uns abends mit einem Teller Pasta und anderen Spezialitäten stärken konnten. 

7. Tag (Foresta Monte Olia – Agriturismo Corda Tonino,24 km) 

Die ungewohnte Mobilität eines Autos ausnutzend, sind wir morgens fröhlich durch die schlafenden Gassen von Monti getuckert, um einen Dorfbrunnen zu finden, wo wir unsere Wasserflaschen auffüllen wollten. Danach sind wir mit dem Wagen weiter genau an die Stelle der Forststation gefahren, wo wir gestern zu Fuß ankamen. Wie vereinbart, hatten wir das Auto am Waldrand abgestellt und den Schlüssel versteckt. Kurz danach haben wir unsere Rucksäcke aufgenommen und sind wieder im Kiefernwald verschwunden. In den kommenden Waldlichtungen stießen wir auf wunderschöne, zitronengelb blühende Zistrosen, die sich flächenartig wie ganze Meere ausgebreitet haben. Wieder war weit und breit kein Mensch zu sehen. 

Wir überquerten eine Straße mit dem wohlklingenden Namen Via Sa Pinneta Noa und begannen mit einer anspruchsvollen Passage fast ohne Wege durch Macchia und hohe Büsche. In der Nähe der Punta Sa Turritta folgten wir einem kaum mehr sichtbaren Pfad in der Macchia. Zweifel verfolgten uns, ob wir hier an ein Ziel kommen – aber zu unserer Verwunderung kamen wir genau dort an, wo wir geplant hatten. Nach einem letzten Aufstieg machten wir eine längere Pause inmitten einer schroffen Felslandschaft. Nun stand uns ein schöner Abstieg in das Padru-Tal bevor. Bei Su Tirialzu erreichten wir die Ebene und folgten ihr bis Sa Serra. Hier mussten wir fast eine Stunde warten, bis die Bar für uns aufmachte und uns mit einem kühlen Bierchen für unsere Geduld belohnte. Bis zu unserem Tagesziel, dem Agriturismo Corda Tonino begleitete uns sardische Landschaft pur. Die Sonne war am späten Nachmittag mild geworden und wir genossen den Weg und die schönen Ausblicke zum Monte Albo. In unserem Nachtquartier angekommen, erwarteten uns bereits eine Dusche und ein herrliches sardisches Menü mit vielen lokalen Spezialitäten. Wer kann da widerstehen? 

8. Tag (Agriturismo Corda Tonino - Lodè, 22 km) 

Bis Pedra Bianca sind wir am nächsten Morgen die kleine Straße entlanggegangen. Langsam füllten sich die noch schattigen und kühlen Täler mit ersten Sonnenstrahlen. Als wir unsere Flaschen mit Wasser gefüllt hatten, gesellte sich ein kleiner Hund zu uns, der sich offensichtlich entschlossen hatte, uns durch Sardinien zu begleiten. Ein Stück weiter in der Macchia, konnten wir ihn erfolgreich abschütteln, da wir die Sorge hatten, dass er den Rückweg nicht mehr finden würde. Nun folgte ein Abstieg über 550 hm ins Posada-Tal. Zum ersten Mal begegneten wir einer Schlange auf unserem Weg, offensichtlich eine ungefährliche Vipernatter, wie Wolfgang später herausgefunden hatte. Der Waldweg verwandelte sich in eine alte Straße mit dicken Pflastersteinen – vielleicht ein Relikt aus dem Mittelalter. Unten in der Nähe des Bachbettes angekommen, ließen wir uns auf ein wegloses Abenteuer ein, denn wir wollten den Asphalt vermeiden und direkt zum Wasser hinuntergehen. Wir hatten Glück, denn als wir schon weit fortgeschritten waren und fast in der undurchdringlichen Macchia feststeckten, stießen wir auf ein Steinmäuerchen. Oben auf der Mauer ließ es sich bequem gehen, wenn man von den wackeligen Steinen absieht. Aber Vorsicht - rechts und links neben uns lauerte die dornige Macchia! Freudig fanden wir einen Ausgang aus dem Dickicht. 

Im Posada-Fluss reichte das spärliche Wasser gerade aus, um unsere erhitzten Gemüter etwas abzukühlen. Hier legten wir auch eine Mittagspause am Ufer zwischen den Oleanderbüschen ein. Nachmittags erwartete uns eine sehr reizvolle Landschaft mit sanften Hügeln, besprenkelt mit einzelnen Bäumen, blühenden Myrten und Büschen. Nun mussten wir von 50 m ü.M. wieder auf über 600 m aufsteigen. Es begleiteten uns grandiose Ausblicke auf den drachenförmigen Stausee Lago di Torpè. Oben angelangt, legten wir uns sogleich in den Schatten der Büsche für ein kleines Nickerchen Zum Abschluss unserer Wanderung mussten wir noch eine begehbare Passage nach Lodè finden. 

Der erste Versuch endete in den Dornen und als wir uns schon abgefunden hatten, zur Asphaltstraße hinunterzusteigen, kam uns noch ein Gedanke. 

Die heute verwilderten Rebhänge, an denen wir gerade vorbeigingen, mussten doch auch Zugänge vom Dorf aus haben, damit die Besitzer sie erreichen konnten … Tatsächlich entdeckten wir kurz darauf einen lange nicht mehr benutzten, kleinen Pfad, der sich an Feigenkakteen und Schilfrohrhecken vorbeischlängelte und uns bis nach Lodè führte! 

Nur nicht zu schnell aufgeben! In der ersten Bar am Ortseingang in Lodé ließen wir uns müde nieder und feierten die erfolgreiche Ankunft mit einem Mirto, einem aromatischen Myrthenlikör. 

Es war eine Genugtuung, unsere Wanderschuhe und –stöcke endlich tief im Rucksack verstauen zu können! 

Im Ort Lodè selber fanden wir keine Zimmer mehr und mussten mit dem Bus in den Nachbarort weiterfahren. In Sant’ Anna bekamen wir schließlich ein Bett und ein Abendessen.

Badetag und Rückreise 

Von Sant‘ Anna nahmen wir am nächsten Morgen einen Bus nach Siniscola und sind dann weiter zum Flughafen Olbia. Da wir noch mehr als einen halben Tag Zeit vor unseren Abflügen hatten, entschieden wir uns für einen Badeausflug und mieteten uns dafür am Flughafen einen Mietwagen. Leider war es uns nicht vergönnt, die Füße lange ins Wasser zu strecken, denn der für den Abend angekündigte Regen kam doch früher als erwartet 

Wir sind nacheinander zu verschiedenen Zielen zurückgeflogen – Bärbel nach Stuttgart – und der Rest der Gruppe nach Nürnberg, von wo wir irgendwann in der Nacht in den verspäteten Flixbus einstiegen und nach München heimfuhren. Die folgende Etappe im Mittelteil Sardiniens (Gennargentu) von Lodè nach Lanusei ist zunächst als „Scout“-Tour über den DAV Grafing-Ebersberg für Anfang September 2017 vorgesehen. 

[1] Flad, Benjamin: Italien: Sentiero Italia - Trans Sardinien, Von Santa Teresa nach Monti, OUTDOOR - Der Weg ist das Ziel, Band 195, Conrad Stein Verlag, 2007, ISBN 978-3-86686-195-4, 1. Auflage 

Fotos: Jochen Ebenhoch 

Am Torre Spagnolo in Santa TeresaIn Santa Teresa di GalluraSüße Sebadas in Santa TeresaWeg hinunter zum MeerWeg am Capo TestaFelslandschaft bei Santa ReparataAn der Küste bei Rena MajoreBärbel mit SchildkröteIm ZistrosengebüschStraße im Dorf LuogosantoKork-TransportSchöne Karde in der MacchiaAuf dem Weg nach LurasAussicht am Monte LimbaraWunderschön am Wegesrand: blauer MauerpfefferAn einem Bergsee am Monte LimbaraGelbe ZistroseDisteln in der Ebene von BerchiddaSardische SüssigkeitenAuf dem Weg zum Agriturismo Corda ToninoEine schroffe Felslandschft bei Pedra BiancaBalanceakt auf dem alten SteinmäuerchenIm Posada-TalEine reizvolle sardische Landschaft nach dem Posada-TalAufstieg vor dem Ziel: LodèDas Wanderteam bei der Ankunft in Lodè
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