Schwarzatal Panoramaweg

Eigentlich war alles anders geplant. Auf dem Liessteig, im vorigen Jahr zum schönsten Wanderweg Deutschlands gekürt, wollte ich im Südwesten der Republik in der vorösterlichen Zeit dem Frühling entgegenlaufen. Aber der Plan scheiterte mal wieder, wie so oft in letzter Zeit, daran, dass für diese Wanderung in dem von mir angepeilten Zeitraum nicht die erforderlichen Übernachtungsmöglichkeiten gegeben waren. Nun gut, hab ich mir gedacht, wenn ich nicht dem Frühling entgegengehen kann muss der Frühling halt zu mir in den Osten kommen. Das erwies sich letztendlich als der richtige Planungsansatz.

In einer Wochenendausgabe der Mitteldeutschen Zeitung stieß ich auf einen Artikel, der einen Ausflug in das wunderschöne Schwarzatal in der Nähe des Rennsteigs im Thüringer Wald empfahl. Also „Schwarzatal“ in die Suchmaschine eingegeben und siehe da, ich landete sofort bei einer Beschreibung des Panoramaweges Schwarzatal, ein Rundwanderweg von 8 Etappen rund um und durch das romantische Schwarzatal. Die detailliertere Darstellung hat mich dann sofort angeturnt. Der Panoramaweg schien ziemlich genau meinem Ideal eines zünftigen Weitwanderweges zu entsprechen, der diese Bezeichnung auch noch zu recht tragen darf; eine genauere Planung würde sich also lohnen.

Eine erste Überraschung war dann, dass es einen spezifischen Wanderführer für diesen im Internet so hochgelobten Weg nicht gibt. Immerhin sind direkt beim Verlag Grünes Herz  zwei Wanderkarten erhältlich „Oberes Schwarzatal“ und „Mittleres und Unteres Schwarzatal“, die ich mir erst mal bestellt habe und die auch zügig bei mir eingetroffen sind und gute Dienste geleistet haben. Aber dann tauchte auch hier das übliche Problem auf: Es gibt in etlichen Etappenorten gar keine Übernachtungsmöglichkeiten mehr oder nur noch ein oder zwei, die dann entweder ausgebucht sind oder nur als Ferienwohnung für mehrere Tage vermietet werden. Doch ich wollte den Panoramaweg unbedingt machen und nicht wieder am gleichen Problem scheitern wie beim Liessteig. Nach vielem Hin und Her habe ich dann eine für „echte“ Weitwanderer zugegebenermaßen nicht ganz koschere Lösung gefunden:  Ich habe ein festes Quartier in Neuhaus am Rennweg gebucht, weil es von dort, zumindest an Werktagen, eine recht akzeptable Anbindung der einzelnen Etappenorte mit Öffis gibt, u.a. mit einem regelmäßig verkehrenden Wanderbus, so dass ich den gesamten Panoramaweg, so wie er beschrieben ist, mit ganz wenigen Abweichungen wegen der Pfingstfeiertage erwandern konnte. Wieder mal ist mir der Gedanke gekommen, ob unsere Definition von Weitwandern im Netzwerk noch zeitgemäß ist. Mit dem eigenen Gepäck mehrere Tage immer  von einer Unterkunft zur nächsten zu wandern, wird zunehmend schwieriger zu organisieren.

 

Wie dem auch sei, ich habe jedenfalls neun Übernachtungen im „Hirschen“ in Neuhaus am Rennweg gebucht. Die Chefin des Hauses war sehr nett und hat sich als recht flexibel erwiesen, wenn es darum ging, meine Frühstückszeiten an die Busfahrpläne anzupassen. Dass in Neuhaus der Rennsteig „Rennweg“ heißt, verdankt sich übrigens einem plietschen Postbeamten, der auf die ständig fehlgeleiteten Briefen nach Neustadt am Rennsteig die Adresse mit „Neuhaus am Rennweg“ korrigierte bis sich das so eingeschliffen hatte, dass mit der Errichtung einer Poststation im Jahre 1860/61 Neuhaus den Zusatz „am Rennweg“ erhielt, um solche Verwechslungen zu vermeiden.

Nachdem nun die organisatorischen Probleme weitgehend geklärt sind und auch das Wetter für die nächsten 8 Tage großartig zu werden verspricht, wage ich mich wohlgemut an die erste Etappe von Bad Blankenburg nach Schwarzburg, direktemang hinein ins Schwarze. Die Schwarza mündet bei Bad Blankenburg in die Saale und die ersten Etappen wandere ich ab dem Chrysopras-Wehr  flussaufwärts bis zu ihrem Quellgebiet. Zunächst führt der Weg unmittelbar am Fluss entlang und es wird sofort klar, warum die Schwarza so heißt wie sie heißt. Ihr Bett ist tief eingegraben in schwarzes Schiefergestein mit bis zu 45° geneigten bewaldeten Hängen. Kaum Licht dringt hier bis zum Wasser, das natürlich auch über schwarzen Kiesgrund fließt. Geheimnisvolle Strudeltöpfe, die die Schwarza aus dem weichen Schiefergestein heraus gefräst hat, verstärken noch die mystische Aura dieses Flussabschnittes, der man sich kaum entziehen kann und die den Wanderer zu allerlei Fantasien verführt, zumal wenn man auch noch weiß, dass am anderen Ufer seit keltischen Zeiten Gold gewaschen wurde, sogenanntes Seifengold.

Auf halber Strecke verlässt der Panoramaweg dann das Flusstal und steigt kurz aber heftig aufwärts in Richtung Dittersdorfer Höhe bis zum Potsdamer Platz, der nun rein gar nichts mit der gleichnamigen Lokalität in Berlin zu tun hat, ist das einzige Bauwerk hier doch die Burgruine Eberstein, ein Kleinod hoch über dem Schwarzatal, das seit langem von einem Freundeskreis gepflegt wird. Dabei handelt es sich um das ehemalige Jagddomizil des Fürsten zu Schwarzburg-Rudolstadt und wurde 1844 im maurischen Ruinenstil erbaut. Es liegt im ehemaligen Schwarzwildgatter ("Saugarten"). Hier wurden bis 1918 durch das Fürstenhaus Wildschweine intensiv gehegt und bejagt. Die Kellerräume dienten zur Einlagerung des Wildfutters. Neben den Kellerräumen sind noch Reste eines Pferdestalls vorhanden.

Vom ehemaligen Jagdschlösschen geht es nun auf teilweise alpinem Steig durch das Areal des forstbotanischen Gartens direkt hinunter nach Schwarzburg, dem ersten Etappenziel. Der interessante Garten verdankt sich dem Umstand, dass in Schwarzburg eine Fachhochschule für Forstwirtschaft beheimatet ist. Die Hauptsehenswürdigkeit ist natürlich das Schloss, das Stammhaus der Fürsten zu Schwarzburg-Rudolstadt. Die Schwarzburg wurde ursprünglich als mittelalterliche Burg errichtet und über Jahrhunderte hinweg erweitert. Im 17. und 18. Jahrhundert war sie repräsentativer Sommersitz der Schwarzburger Fürsten. Aus dieser Zeit stammt auch das prunkvolle Kaisersaalgebäude. Während des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile der Anlage zerstört. Dank umfassender Restaurierungsarbeiten, die nach wie vor andauern, ist es gelungen, einige Teile der Schlossanlage wieder zugänglich zu machen wie den Kaisersaal und die fürstliche Waffensammlung. Im Kaisersaal kann die Ausmalung mit 48 lebensgroßen Kaiserbildern bewundern, die, beginnend mit Karl dem Großen und endend mit Karl VI, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation regiert haben. Diese Ausmalung ist natürlich nicht ohne Hintergedanken geschehen: Mitten in diesem erlauchten Kreis sieht man in voller Rüstung auch Günther XXI aus dem Geschlecht derer von Schwarzburg, der 1349 wenige Monate das Reich regierte. Kurz nach seiner Inthronisierung erkrankte er schwer, verzichtete auf die Krone und starb im Juli 1349. Der Kaisersaal wurde also zu dem einzigen Zweck geschaffen, die Bedeutsamkeit der Schwarzburger und ihre Zugehörigkeit zum Hochadel herauszustreichen. Schwarzburg ist aber auch in der neueren Geschichte noch einmal bedeutsam geworden. Der Ort hatte sich Anfang des vorigen Jahrhunderts zu einer beliebten Sommerfrische für die Prominenz entwickelt. So weilte der bekannte Architekt Henry van der Velde des Öfteren dort und war mit dem letzten Fürsten von Schwarzburg befreundet und auch Reichskanzler Friedrich Ebert wusste den Aufenthalt im Schwarzatal so sehr zu schätzen, dass er sich die ausgearbeitete Weimarer Verfassung nach Schwarzburg bringen ließ, damit er sie dort unterzeichnen konnte, ohne seinen Urlaub unterbrechen zu müssen.

So geht in gesättigtem historischem Ambiente ein toller erster Wandertag zu Ende, der mich auf guten Wanderwegen durch einen der schönsten Abschnitte des Schwarzatals geführt hat. Und dank Wanderbus ist auch die Rückfahrt nach Neuhaus völlig unproblematisch.

 

Nun steht allerdings das Pfingstwochende bevor und der öffentliche Nahverkehrsfahrplan ist deutlich ausgedünnt, d.h. der erste Bus morgens fährt später und der letzte Bus fährt schon am Nachmittag. Also muss, um genügend Zeit für die Wanderung zu haben, die Anreise zum Etappenstart in Schwarzburg mit dem eigenen PKW erfolgen und die Etappe ein wenig gekürzt werden. Eigentlich würde sie in Cursdorf enden aber von dort gibt’s samstags keine Chance mehr, zum Auto zurückzukommen. Also beschließe ich, die heutige Tour in Oberweißbach zu beenden. Sie ist mit dann 19 km und 1100 m im Aufstieg bei 30° immer noch herausfordernd genug, um ob dieser kleinen Schummelei kein schlechtes Gewissen zu bekommen.

Ich stiefele also im festen Glauben, ausreichend Zeit zu haben, im wunderschönen barocken Schlosspark in Schwarzburg los. Nach einem steilen Abstieg laufe ich durch hohen Tannenwald zunächst gemächlich an der Schwarza entlang, die hier einen großen Bogen um den Ort macht. Doch dann steigt der Weg ordentlich an bis auf eine kleine Hochebene, von der aus man immer wieder tolle Ausblicke auf das Flusstal genießen kann. Vom Fürstin-Anna-Blick geht es wieder über ein Felsengeotop steil hinunter ins Tal der Sorbitz, das mich bei deren Mündung in die Schwarza an den Ortsrand von Sitzendorf führt. Dort geht’s dann wieder rauf zum Annafels über eine Passage, die den bezeichnenden Namen „Kniebrech“ trägt, und auf die Passeider Ebene. Dort treffe ich mitten im Wald auf eine merkwürdige Behausung. Ein Hinweisschild belehrt mich, dass sich dabei um eine sogenannte Mooshütte handelt. Solche Hütten wurden zur Zeit der Romantik von wanderfreudigen Studierenden zum geselligen Beisammensein, und um für die Nacht ein Dach über dem Kopf zu haben, errichtet. Damit es durch die Ritzen nicht so durchzog, wurden sie mit weißem Moos ausgestopft, was wohl besonders stabil und langlebig war. Von der Passeider Ebene führt der Panoramaweg dann an einem Schieferbruch vorbei wieder hinunter nach Unterweißbach. Dort komme ich direkt bei einem Restaurant mit einladender Gartenterrasse heraus und mein Durstgefühl signalisiert mir nachdrücklich, dass ich bei dieser Hitze jetzt auf jeden Fall erst mal eine Pause verdient habe. Gemütlich unterm Sonnenschirm sitzend sorgen dann eine große Johannesbeerschorle und ein üppiges Eis – natürlich mit Sahne – für die notwendige Abkühlung und Stärkung für den Weiterweg.

Nachdem das alles geruhsam, wohl zu geruhsam, verputzt ist, wird bei einem Blick auf die Karte allerdings schnell klar, dass ich auf dem Panoramaweg mein Ziel Oberweißbach wohl nicht mehr rechtzeitig erreichen werde, um den letzten Bus noch zu erwischen. Laut Karte gibt es aber durchs Weißbachtal einen direkteren Weg, der ein wenig kürzer ist und in einem Bachtal verläuft, das sollte zu schaffen sein. Also mache ich mich flugs auf diesen Weg und am Anfang läuft es auch prima. Aber dann wird’s immer unwegsamer und bald stehe ich mitten auf einer Kuhwiese, kein Weg, kein Steg und nur eine ungefähre Ahnung, in welche Richtung ich muss. Umkehren ist auch keine Option, denn allzu weit kann ich von meinem Ziel ja nicht mehr weg sein. Glücklicherweise stecke ich nicht in einem Funkloch und Komoot zeigt mir an, wohin ich mich bewegen muss. Das heißt aber, sich bei sengender Hitze möglichst flott und eine willkommene Abwechslung für blutsaugendes Ungeziefer eine steile mit zahlreichen Stolperfallen durchsetzte Wiese hinauf zu kämpfen, bis ich endlich oben wieder, nur noch durch einen Stacheldraht davon getrennt, einen Weg erreiche. Auch dieses Hindernis wird noch mit Bravour genommen und so stehe ich dann um 16:23 Uhr fix und foxi in Oberweißbach am Markt an der Bushaltestelle. Um 16:28 Uhr kommt dann pünktlich der Bus, der mich zurück zu meinem Auto nach Schwarzburg bringt. Puh, alles noch mal gut gegangen und schön war’s sowieso.

 

Für die beiden Pfingstfeiertage, die nun anstehen, gelten für Bus und Bahn natürlich die Sonntagsfahrpläne und deshalb muss ich die nächsten beiden Etappen etwas radikaler umplanen. Die 3. Etappe kann ich noch in traditioneller Weitwandermanier in Oberweißbach starten, da, wo ich gestern aufgehört habe. Der Ort Oberweißbach ist eng mit der Person Friedrich Fröbel verbunden dem „Erfinder“ des Kindergartens. Er wurde 1782 dort geboren und entwickelte in Anlehnung an Pestalozzi ein Konzept für frühkindliche Pädagogik, das sich von den damals bereits existierenden Kinderbewahranstalten und Kleinkinderschulen deutlich unterschied. Im Zentrum dieses Konzeptes stand die Idee, dass Bildung im frühen Kindesalter vorrangig im Spiel und nicht durch Wortbelehrung erfolgt. Den ersten praktisch arbeitenden Kindergarten eröffnete Fröbel 1840 in Blankenburg.  2023 wurde die Kindergartenidee nach Friedrich Fröbel in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Von Oberweißbach führt mich der Panoramaweg in den Nachbarort Cursdorf. Von hier aus entwickelte sich Anfang des 16, Jhdts. das Laboranten- und Olitätenhändlergeschäft. Laboranten stellten in dieser Region, auch Thüringer Kräutergarten genannt, diverse Arzneimittel, Olitäten, her, die dann von wandernden Balsamträgern in ganz Europa verkauft wurden. Auf diese Weise gelangte einiger Wohlstand in die abgelegenen Dörfer des Schwarzburger Waldlandes. Ein kleines Museum in Cursdorf informiert über diese interessante Historie.

Nun aber genug der Geschichte. Bei molligen 30° steht jetzt der Aufstieg zur mit knapp 800 m höchsten Erhebung auf dem Panoramaweg an, der Meuselbacher Kuppe. Schattenlos schlängelt sich der Weg hinauf, noch eine Biegung und noch eine Biegung, bis endlich das Ziel in Sicht kommt, ein bewirtschafteter Aussichtsturm, der, Pfingsten sei Dank, tatsächlich bewirtschaftet und schon sehr gut besucht ist, man kann von der anderen Seite nämlich auch mit dem Auto rauffahren. Hier lässt es sich bei Speis und kühlem Trunk erst mal gut aushalten, was ich nach diesem schweißtreibenden Aufstieg keineswegs für unverdient halte.

Nach einer ausgiebigen Pause geht es dann kurz und sehr steil hinunter zu einer Contradictio in adiecto, ins Tal der weißen Schwarza – ja, auch für Lateiner wird hier was geboten. Das Flüsschen verdankt seinen Namen dem Umstand, dass es über einen ganz hellen, weißen Kieselgrund fließt. Der Wanderweg verläuft ohne nennenswerte Steigungen durch ein breites Wiesental, das je nach Jahreszeit zahlreiche botanische Besonderheiten beherbergt. Diese Goldhaferwiese gilt als bunteste und blütenreichste Bergwiese des Thüringer Waldes. Ich laufe weiter bis zu einem Forellenhof mit angeschlossenem Gasthaus, wo ich noch mal eine kurze Rast einlege – bei der Hitze ist jede Pause willkommen -, um dann mein heutiges Tagesziel Katzhütte zu erreichen, ein langgestrecktes Straßendorf, wo die weiße Schwarza in die schwarze Schwarza mündet, in früheren Zeiten ein Zentrum der Goldwäscherei, Touristen können es unter fachkundige Anleitung auch heute noch probieren. Von hier gibt es einen Bus nach Neuhaus. Bis zur Abfahrt habe ich  genügend Zeit, um noch im einzigen Café des Ortes einzukehren. Die Bedienung ist allerdings derartig langsam, dass es dann doch pressiert, den Bus zu erwischen. Ein interessanter, heißer Wandertag, der aber durch einige, auch tatsächlich geöffnete Lokalitäten doch recht erträglich gestaltet werden konnte.

Wieder herrscht schon morgens beim Aufbruch zur 4. Etappe eine Affenhitze. Von daher kann ich auch gut damit leben, dass diese Etappe von Katzhütte nach Goldisthal aufgrund der öffentlichen Verkehrsverhältnisse an einem Pfingstmontag deutlich abgespeckt werden muss. Die Schleife über Scheibe-Alsbach an der Goldisthal-Talsperre vorbei lasse ich aus. Erst mal bleibe ich aber auf dem Panoramaweg, der hier identisch ist mit der Via Porta, auf der auch einer der unzähligen Jakobswege verläuft. Die Via Porta ist ein ökumenischer Pilgerweg, der  in Volkenroda (unweit Mühlhausen/Thüringen) beginnt, direkt am Kloster der dortigen evangelischen Jesusbruderschaft. Auf einer Gesamtlänge von gut 300 Kilometern führt er in 18 Etappen zur bayerischen Zisterzienserinnenabtei nach Waldsassen. Der Weg bringt mich zunächst mehr oder weniger eben ins Tal des Reichenbaches, eines der zahleichen schönen Wiesentäler im Einzugsbereich der Schwarza. Am Reichenbacher Teich ist dann aber Schluss mit Lustig. Jetzt geht’s steil rauf auf

830 m bis auf den Gipfel des Wurzelbergberges, bei der Hitze ein schweißtreibendes Stück Arbeit. Gut das der Weg überwiegend im Schatten des Waldes verläuft. Oben gibt es eine Hütte, die aber trotz der Pfingstfeiertage geschlossen ist, dennoch lässt sich hier eine ausgiebige und erholsame Trinkpause einlegen.

Vom Gipfel des Wurzelberges – hier war einst ein großes Jagdrevier der Schwarzburger Fürsten – geht es dann wieder hinunter ins Schwarzatal, das ich bei Blechhammer erreiche. Früher gab es an diesem Abschnitt der Schwarza zahlreiche Hammerwerke, an die noch Bezeichnungen wie Blechhammer, Massserhammer, Oberhammer oder Schwägerhammer erinnern. Kurz darauf erreiche ich den Ortseingang von Goldisthal, meinem heutigen Etappenziel, wie der Name schon sagt,  ein Zentrum des Goldabbaus und der Goldwäscherei im Schwarzatal. Heute ist Goldisthal insbesondere bekannt dafür, dass sich hier eines der größten und modernsten Pumpspeicherwerke Europas befindet. Der Ort ist ein elend langes Straßendorf. Bei sengender Hitze muss ich ca. 3 km auf der Hauptstraße bis ins Zentrum hatschen. Zum Glück ist unterwegs die Dorfkirche geöffnet, ein kühler erquickender Ort, um ein wenig zu verweilen und sich mit den letzten Getränkevorräten zu erfrischen. So schaffe ich es noch gut bis zum Haus der Natur, einem interessanten kleinen Museum, das der Umgebung und vor allem der Geschichte des Goldbergbaus gewidmet ist. So gibt es im Inneren eine Wirtsstube, wie sie im 18.Jhdt. ausgesehen haben mag, in dem man dank KI mit einem Köhler ins Gespräch kommen kann, der davon erzählt, wie er sich mit dem Goldwaschen abgeplagt hat, um den Brautpreis zusammen zu bekommen, damit er die landesherrliche Erlaubnis erlangt, sein Mädchen vor den Traualtar zu führen. Im Außenbereich kann man einen kompletten Goldwaschplatz besichtigen, aber nicht nur das, man kann sich auch unter einem Sonnenschirm niederlassen und noch ein schönes kühles Hefeweizen zischen. Nach dieser Wohltat fährt dann bald auch direkt vor der Tür mein Bus los, der mich wieder nach Neuhaus bringt.

 

Die Pfingstfeiertage sind vorbei und so lässt sich die heutige 5. Etappe wieder komplett mit Öffis organisieren. Zunächst fahre ich mit einmal Umsteigen in Katzhütte wieder nach Goldisthal, wo’s losgeht. Eine Hitze wie gestern wird gleich auf den ersten drei Kilometern zur Herausforderung. Am Anfang geht’s unter einem Technikmonument hindurch, die ICE-Schnelltrasse über das Dunkeltal. Die Deutsche Bahn scheint so stolz darüber zu sein, dass sie da mal was fertig bekommen hat, dass sie auch gleich ein Museum errichtet hat, um die Baugeschichte zu dokumentieren. Unmittelbar nach dem Viadukt führt der Weg dann 3 km steil hinauf bis nach Masserberg. Der Ort liegt auf über 800 m Höhe und hat eine lange Tradition als Kur- und Erholungsort. Schon 1896 kamen die ersten Gäste. Seit 1999 darf er sich auch „Heilklimatischer Kurort“ nennen. Masserberg ist sowohl im Sommer attraktiv, insbesondere wegen zahlreicher Wandermöglichkeiten – so führt der Rennsteig mitten durch den Ort – als auch im Winter, denn aufgrund der Höhen- und geografischen Lage ist er auch noch verhältnismäßig schneesicher. Es ist sehr hübsch dort. Etliche Grünflächen und Parks prägen das Ortsbild und die meisten Häuser sind komplett in Schiefer eingekleidet. Entsprechend vielfältig ist auch die touristische Infrastruktur aber Masserberg ist kein offizieller Etappenort auf dem Panoramaweg.

Dieser verläuft jetzt immer so auf einer Höhe von etwa 800 m auf dem Rennsteig bzw. einem Zubringerweg zum Rennsteig bis nach Altenfeld, dem offiziellen Etappenziel dieser 5. Etappe. Anders als auf allen Etappen bisher ist die Wegequalität auf diesem Abschnitt miserabel. Breite, z.T. sehr grob geschotterte Forstwege führen schattenlos über die Hochebene – vermutlich hat die EU hier wieder mit Fördermitteln zugeschlagen. Dazu passen, ebenfalls anders als bisher, die kahlen abgestorbenen Flächen mit den kläglichen Überresten von Fichtenmonokulturen. Das hat immerhin den „Vorteil“, dass der Wind über diese Flächen ungehindert hinweg streichen und so für ein wenig Abkühlung sorgen kann.

In Altenfeld hängt dann die tote Hose überm Zaun, lediglich zwei spielende Kinder hellen die Tristesse ein wenig auf. Es gibt keinen Laden; es gab mal zwei Gasthöfe, auf- und dem langsamen Verfall preisgegeben; es gibt ein Bürgerzentrum, geschlossen; es gibt ein Glasmuseum, ebenfalls auf unabsehbare Zeit geschlossen. Das war’s dann auch – ein Traum von einem offiziellen Etappenziel auf einem schönen Weitwanderweg. Mein Bus, den es laut Fahrplan immerhin gibt, fährt erst in 2 ½ Stunden. Doch was mache ich hier solange in der brütenden Hitze ohne Aussicht auf irgendeine Form von Erfrischung? Der Bus in die Gegenrichtung kommt in 10 Minuten. Also erst mal auf nach Ilmenau. Dort gibt’s ein schattiges Plätzchen mit Kaffee, Kuchen und Eis und von dort komme ich, wenn auch mit einem ziemlichen Umweg, bestens per Bus nach Neuhaus zurück.

 

Für die 6. Etappe nehme ich erst mal wieder den Bus von Neuhaus nach Altenfeld. Hier ist noch genauso tote Hose wie gestern, nur das auch keine spielenden Kinder mehr unterwegs sind. Passenderweise verläuft der erste Abschnitt des Panoramaweges bis Großbreitenbach auf dem Totenweg. Der ist weniger gruselig als anstrengend, weil er zunächst ein gutes Stück durch ein altes Bergbaugebiet steil bergauf führt, natürlich wieder in der prallen Sonne. Großbreitenbach ist staatlich anerkannter Erholungsort im Thüringer Kräutergarten und daher auch ein weiteres Zentrum des Olitätenhandels und der Buckelapotheken. In den Sommermonaten ist das größte Freibad der Region mit 4000 qm Wasserfläche ein Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen, und im Winter ist das Biathlonzentrum „Andrea Henkel“[1] Ausgangspunkt für zahlreiche Loipen und Winterwanderwege. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass 1996 hier das erste Kloßpressmuseum in Deutschland seine Pforten geöffnet hat, um die staunenden Besucher auf eine kulturhistorische Reise mitzunehmen von der Kartoffel zum thüringischen Nationalgericht.

Am Biathlonzentrum vorbei geht es dann hinunter ins Böhlener Tal und hier beginnt einer der schönsten Abschnitte des Panoramaweges, zumindest für meinen Geschmack. Entlang des Waldrandes laufe ich auf einem mit Tannennadeln übersäten teppichweichen Weg durch ein wunderschönes, einsames Wiesental mit blühenden Bäumen, durch das der Breitenbach frei mäandrierend und vernehmlich plätschernd sein Wasser wie in einer Sänfte, so kommt es mir vor, zur Schwarza trägt. Auf einer Bank direkt am Bach und, obwohl die Sonne hoch am Himmel steht, von zahlreichen Vogelstimmen umgeben mache ich eine ausgiebige Rast. So stelle ich mir Waldbaden vor.

Kaum kann ich mich von diesem herrlichen Fleckchen Erde losreißen, aber es muss ja noch weitegehen. Kurz darauf wird der Breitenbach überquert und nach einem knackigen Anstieg führt der Weg dann hoch über dem Tal weiter nach Schwarzmühle, meinem heutigen Etappenziel. Aber bevor ich dort ankomme, muss ich nochmal wieder runter in den Hirschgrund, wo mich ein kurioses Bauwerk erwartet. Die Wurzelhütte ist eine auf der Giebelseite offene Hütte, komplett eingerichtet mit Tischen, Sitz- und Liegegelegenheiten, Geschirr und allem, was man zum Aufenthalt so braucht. Selbst ein Bollerofen zum Heizen darf nicht fehlen. Hier ist wahrscheinlich schon so manche Fete gefeiert worden. Den letzten Kilometer geht’s dann über die Straße nach Schwarzmühle, vorbei an „Hugoland“, einem ebenfalls kuriosen Sammelsurium von Modellhäuschen an einem kleinen Wasserfall. Schwarzmühle ist in früheren Zeiten insbesondere durch Holzbearbeitung zu einem gewissen Wohlstand gelangt. Seit 1960 gibt’s hier auch einen Bahnanschluss, was mir bei der nächsten Etappe zugutekommen wird.

 

Die 7. Etappe von Schwarzmühle nach Sitzendorf erfordert zunächst eine kurze Anfahrt mit dem Auto, das ich auf einem kleinen Parkplatz direkt am Bahnhof vor dem traditionellen Hotel Waldfrieden abstellen kann. Auf dessen Außenterrasse haben bereits etliche ältere Damen zum Kaffeesieren Platz genommen, obwohl es noch morgens kurz vor halb Zehn ist. Ich tauche nach wenigen Schritten wieder ein ins Schwarzatal, das hier  seinem Namen allerdings keine Ehre macht. Es ist auf den ersten 6 km ein breites, ruhiges und sonnenbeschienenes Wiesental, durch das der Panoramaweg führt, auf schmalem Pfad immer entlang der Bahntrasse der Thüringer Bergbahn. Einmal kommt mir auch ein Triebwagen entgegen, der mich, so bilde ich mir wenigstens ein, mit einem kräftigen Pfiff begrüßt, einen anderen Grund zum Pfeifen gibt’s an dieser Stelle eigentlich nicht.

Dann wird das Tal dunkler und enger und der Weg verläuft wieder direkt an der Schwarza. Plötzlich dringt Maschinenlärm durch den Forst. Kurz darauf erreiche ich eine große Baustelle, wo mit schwerem Gerät offenbar der Weg neu angelegt werden muss. Ein Arbeiter erklärt mir, dass er vor einiger Zeit abgerutscht ist und ich jetzt hier nicht mehr weiterkomme. Ich müsse wieder zurück bis zur nächsten Brücke (gut zwei Kilometer) und dann auf der anderen Flussseite weiterlaufen. Das bedeutet im Klartext, per Pedes 6 Kilometer schattenlos auf heißem Asphalt einer vielbefahrenen Landstraße zurückzulegen und, weil’s keinen Fußweg gibt, auch noch andauernd angehupt zu werden. Da bin ich doch heilfroh, als ich in Glasbach wieder wohlbehalten meinen Panoramaweg erreiche. Aber erst mal ist jetzt Mittagpause angesagt. Eine Einkehrmöglichkeit gibt es natürlich nicht aber nach einigem Umherschauen finde ich ein wunderschönes Plätzchen mit Tisch und Stuhl unter einem schattigen Baum direkt an der vor sich hin plätschernden Schwarza. Hier lässt es sich prima aushalten und die mitgebrachte Wegzehrung ihrem bestimmungsgemäßen Zweck zuführen.

Ich bleibe allerdings nicht lange allein. Nach einiger Zeit nähert sich ein älterer Herr mit Strohhütchen, der offenbar in der Nähe seine Gartenabfälle entsorgt hat und mich ein wenig misstrauisch beäugt. Wie sich herausstellt, bin ich wohl in sein Revier eingedrungen. Tisch und Stuhl hat er nämlich hier aufgestellt. Auf meine Frage, ob ich den Platz räumen soll, druckst er erst ein wenig herum, erklärt dann aber großzügig, dass ich gerne sitzenbleiben könne, er müsse ohnehin gleich nach Hause. So kommen wir ins Gespräch und er erzählt mir, dass man hier in Glasbach Fremde nicht so gerne sieht, egal wo sie herkommen. Diese gab es ja in der DDR hier auch nicht und „man weiß ja nie…..“ Ich erfahre noch, dass er in seinem Leben Glasbach ganz selten und den Thüringer Wald noch nie verlassen hat und ich denke, wie unvorstellbar unterschiedlich doch  Lebensgeschichten in ein und demselben Land verlaufen können. Dann verabschiedet er sich freundlich und wünscht mir noch einen guten Weiterweg.

Dieser gestaltet sich erst mal wieder anstrengend. 1 ½ Stunden geht es jetzt stetig bergauf, zunächst durchs Reinhardtstal und dann durchs Barigauer Tal hinauf bis auf 700 m zur Barigauer Höhe. Auch wenn es nicht ganz so heiß ist wie in den vergangenen Tagen, komme ich ganz schön ins Schwitzen. So bin ich dankbar, dass die Gaststätte im Barigauer Turm mit weitem Rundumblick zumindest für mich geöffnet hat, weil der Chef gerade da ist und Bierfässer in den Keller rollt. Auch wenn offiziell geschlossen ist, kredenzt er mir eine große kühle Johannisbeerschorle und so kann ich erfrischt den letzten Abschnitt dieser Etappe unter die Füße nehmen. Nach ein wenig Wegsuche über eine mit hohem Gras zugewachsene Kuhweide geht’s dann hinunter ins Hadderbachtal – wieder eines dieser wunderschönen abgeschiedenen Bachtäler in der Schwarzatalregion – welches mich direkt nach Sitzendorf führt, das ich bei einer großen Porzellanmanufaktur erreiche. Sitzendorf hat für das Thüringer Porzellan eine spezielle Bedeutung erlangt. Georg Heinrich Macheleid erfand in diesem Ort, selbständig und unabhängig von anderen, das Porzellan. Er richtete 1760 an Johann-Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt, ein Gesuch mit der Bitte, hier in Sitzendorf eine Porzellanmanufaktur eröffnen zu dürfen. Er erhielt die fürstliche Konzession und begann in diesem Ort mit der Porzellanherstellung. Daher ist Sitzendorf die Wiege des Thüringer Porzellans. 
Bis zum Bahnhof ist es jetzt nur noch ein Katzensprung und der Zug, der mich zurück nach Schwarzmühle zum Auto bringt, lässt auch nicht mehr lange auf sich warten.  Während der Fahrt kann ich noch einmal in umgekehrter Richtung am Zugfenster einen großen Teil meiner heutigen wieder sehr schönen Wanderung Revue passieren lassen, einschließlich des Teils, der mir zu Fuß verwehrt geblieben ist.

 

Für die 8. und letzte Etappe mit Startpunkt Sitzendorf muss ich wieder mit dem Auto anfahren. Mit dem Bus wäre ich erst relativ spät losgekommen und da diese Etappe die längste und diejenige ist, bei der die meisten Höhenmeter überwunden werden müssen, empfiehlt sich ein früher Start, zumal wieder Temperaturen so um die 30° zu erwarten sind. Ich parke am Bahnhof Sitzendorf muss dann gleich erst mal so ca. 3 km über den Sommerberg mit Bismarckturm, dem Dissauer Tor und dem Roderberg bis zum Bechstedter Tor ständig aufwärts steigen. Die nahe gelegene Ortschaft Bechstedt liegt inmitten von Streuobstwiesen. Im Zentrum des Dorfes liegt der KulturNaturHof, eine Hofanlage aus dem 18. Jhdt. die eine Hofmosterei, eine Kulturscheune, in der regelmäßig  Lesungen, Kino, Konzerte und Vorträge stattfinden, und zwei große Ferienwohnungen beherbergt. Ein kurzes Stück geht es dann noch weiter hinauf zum Tripstein, gekrönt von einer Hütte mit „Panoramafenster“, das einen tollen Ausblick hinunter auf Schwarzburg bietet. Die Hütte wurde von Georg Heinrich Macheleid errichtet, dem Erfinder des Thüringer Porzellans (s.o.), an der Hüttenwand das Schwarzatal-Lied:

Mein Lied pfeif ich im Schwarzatal
Auf Schiefer tanzend Fluss
Mein Weib fand ich in Thüringen
So zart ward nie ein Kuss

Du stiller Wald machst mich so sanft
So frei von jedem Störgefühl
Deine Schönheit lässt mich staunen
In dir Wind, nicht Herzen kühl

Schwarzburg, Bechstedt, Königsee
Schlossberg, Pfeifers Bauernstube
Pilgerweg bejahrter Tage
nach des Glückes Suche

Brauch die weite Welt nicht mehr
Möchte an altem Glanz mich laben
Lass die Ferne Ferne sein
Ich darf Heimat zu dir sagen


Nach ausgiebigem Verweilen verlasse ich diesen wunderschönen Ort und wandere durch den Wald entspannt auf dem Cotta-Weg immer leicht bergab Richtung Schwarza. Mit der Entspannung ist es aber bald wieder vorbei. Der Weg knickt scharf nach Norden ab, steigt ordentlich an und der schattenspendende Wald hört auch auf. So erreiche ich ziemlich aufgeheizt, hungrig und durstig Cordobang. Die Ortsmitte besteht aus einer Rasenfläche, in die ein Kneipp-Tretbecken eingelassen ist - also erst mal Schuhe und Strümpfe aus und einige Runden durchs kühle Nass gedreht. Ein schattiges Plätzchen für die ja fast in Südspanien, auch die Temperaturen sprechen durchaus für diese Region, zu haltende Mittagrast zu finden ist gar nicht so einfach, aber auf der Rückseite einer kleinen Holzhütte klappt’s dann doch irgendwie.  Übrigens Cordobang hat nun eigentlich doch nichts mit Cordoba zu tun. Der Name bedeutet „Bergwiese“ und leitete sich aus dem Althochdeutschen (Wang) ab. Hier komme ich noch mit einigen Studierende von der Bauhaushochschule in Weimar ins Gespräch, die als Semesterarbeit Filme über abgelegene Regionen in Thüringen drehen. Ein kurzes Interview mit mir wird auch aufgezeichnet, einen Wanderer hatten sie nämlich bisher noch nicht vor der Kamera.

Von Cordobang muss ich noch ein Stück durch die Bergwiesen bergauf – sie könnten dringend mal eine Mahd gebrauchen – bis ich dann bei Böhlscheiben wieder in den schattigen Wald eintauchen kann. Ein landschaftliches Highlight steht mir noch bevor, eher es hinunter zum Ausgangspunkt meiner gesamten Wanderung geht, der Griesbachfelsen. Der Felsen wurde nach dem Jenaer Theologen Johann Jakob Griesbach benannt. Er bricht senkrecht ab hinunter ins Tal und gestattet einen großartigen Blick auf die tief unten dahinfließende Schwarza. Es ist unmittelbar evident, warum der Griesbachfelsen auch die Thüringische Loreley genannt wird und natürlich gibt’s auch ein passendes Lied dazu:


De Schwarze, die bläddscherd so friedlich.
E Floss kemmd von Schwarzborch ran.
Droffen sedzd ne Familche
Un hält nunne an Schweizerhaus an.

Se wolln erschd mal was asse,
meende da de Mama.
Dr Kächel dud dadrzu nicke
un dann awwer o, dr Baba.

Nu missmer awwer fort von hier.
Gesdärgt sin Machen un Glieder.
Blankenborch arward uns um Vier.
Irchndwann kommer mal wieder.

„Nu guckd nur, wie hoch sin de Berche
un schene sin se ah.
Bass off, da sin Sdeene“
schreid Amalche, hin zun Baba.

Da ohm off’n Griesbachfelsen,
sdricheld e Meechen es Haar.
Dr. Vader, da ong aufn Floss
Glotzd nauf bei de Scheene, gans sdarr.

Dr Baba, der jubeld un jubeld,
zabbeld remm auf dan Floss wie verziggd
dut sech vor Freide bekugeln “Die machd jo dan Aldn verrigd.“

Un nu fängt das Luder da omne
oh noch ze sing an sogar.
E wunderscheenes Gobble,
Un streicheld darbei noch ihr Haar.

Dr Baba ong in dr Schwarze
Hopft he nun her off dan Floss
De Mama schreid: „Hälsde stille,
Baba was machsde en bloss!“

Was nu bassierd, kammer erahne.
An Chriseprasswehr kam es dann an.
Das Floss, es is leer, wo is de Familche?
Meechen, was hasde gedan?

Nachdem ich noch mal das Loreleydrama in thüringischer Fassung nachempfunden habe, geht’s jetzt 3 ½ km steil hinunter ins Schwarzatal und ich komme, wie geplant am Chrysopras-Wehr  wieder auf die Straße, exakt am Ausgangspunkt meiner Wanderung vor acht Tagen. Die Panoramarunde um das Schwarzatal ist vollbracht. Ich brauch jetzt aber erst nochmal ein großes Eis, bevor mich dann der Bus  wieder zurück zum Bahnhof von Sitzendorf bringt, wo mein Auto für das letzte Stück zurück nach Neuhaus wartet.

Mein Fazit: Wunderschöne Gegend, tolle Wanderung, unbedingt empfehlenswert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] Andrea Henkel ist in Großbreitenbach aufgewachsen. Mit acht Weltmeisterschaftstiteln und zwei Olympiasiegen zählt sie zu den erfolgreichsten Vertreterinnen ihrer Sportart.

 

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