Betrachtungen eines Goldsteigwanderers

Eine Wanderwoche auf dem ehemaligen Burgenweg im Oberpfälzer Wald

Ist ein Bekannter von Urlaub und Erholung zurückgekehrt, überschlägt er sich in seinen Erzählungen darüber gerne vor Begeisterung. Oft gehört: Da musst Du unbedingt hin. Oder: Das ist eine Waaaahnsinnsgegend. Man hört aufmerksam zu, rollt innerlich ein wenig mit den Augen und beschließt für sich, bestimmt ein ganz anderes Urlaubs- oder Wanderziel zu wählen. Wie aber soll man Begeisterung teilen, ohne die zahlreichen Flyer und Internet-Auftritte der Marketing–Abteilungen einer Region zu wiederholen? Wohl am besten mit sachlicher Berichterstattung. Aber es war schon waaaaaahnsinnig schön, da müsst Ihr unbedingt mal hin. Auf den Burgenweg des Oberpfälzer Waldvereins.

Nicht ohne Skepsis legte ich zu Beginn der Karwoche die ersten Schritte auf dem Burgenweg zurück, der von Marktredwitz bis Waldmünchen den vorderen Oberpfälzer Wald auf rund 180 km Länge durchzieht. Einmal, weil ich vor vielen Jahren beim Versuch, den E6 von hier aus nach Süden fortzusetzen, im Schnee versackte. Zum zweiten, weil ich gespannt war, wie sich denn das Klassifizierungs–Bohei ums Wegenetz der deutschen Wandervereine unter den Wandersohlen konkret anfühlt. Wieviel ist von Marketing – Begriffen wie „Ge(h)nuss–Wandern“ abzuziehen, wenn man unterwegs ist? Wie alt ist das „Neue Wandern“, das man selbst ja schon einige Jahre ausübt. Gelingt es, „couch potatoes“ erstmalig für Schusters Rappen zu begeistern? Und warum heißt der Burgenweg jetzt Goldsteig?

„Ja, ja, wenn´s Wetter schön ist, ist´s überall schön“, meint Frau Träxler vom gleichnamigen Gasthof in Thanstein scherzhaft. Stimmt natürlich, aber es ist tatsächlich viel geschehen beim Trassieren, beim Markieren, beim Miteinbeziehen der Gastronomen. Dass ein Fernwanderweg – als Projekt verstanden – Geld braucht, zeigt ggf. wie hier eine neue Namensgebung. Letztlich ein Werbeauftritt der Goldsteig–Käserei in Cham, die viele Euro gesponsort hat, um für den Burgenweg/Goldsteig den Qualitätskriterien des Deutschen Wanderverbands entsprechen zu können, damit er sich unter die deutschen „Top Ten Trails“ einreihen kann. Dass das Ergebnis auf jeden Fall die Mittel heiligt, merkt der Wanderer recht schnell: Mindestens 35 % naturbelassene Wege sind gefordert und von Hauptwegemeister Kurt Heinold und seinen Abschnittswegewarten auf wunderbare Art und Weise umgesetzt.

Erinnert Euch: Kam man bisher aus dem Wald in den nächsten Ort, war folgende Reihenfolge stets gleich: Waldweg, Wasserhäuschen, Forststraße, wahlweise Schützenhaus oder Fußballplatz, geteerter Planweg. Und nach weiteren 1,5 km Straße stand man schließlich vor der Eisdiele am Marktplatz. Am Burgenweg dagegen wird der wandernde Zeitgenosse, wo es nur geht, überrascht von plötzlichen Abzweigen vor und im Ort. Alles wird gegeben, um quasi per Hintertürchen ins Zentrum zu gelangen. Geführt wird man über kleinste Treppen; durch alles, was an nennenswerten Grünanlagen vorhanden ist; stellenweise über Trampelpfade, deren Art jeder kennt, der mal einen Schulweg hatte. Das alles, ohne Ziel und Himmelsrichtung aus den Augen zu verlieren. Die Wegführung des neuen „Fränkischen Gebirgsweges“ dagegen, dessen Initiatoren die 120 km lange Luftlinie vom Ausgangs- zum Zielort auf 440 Wanderkilometer strecken, bleibt fragwürdig. Natürlich sind mir Abstecher jederzeit willkommen, auch eine größere Schleife hat ihren Sinn, wenn es etwas Besonders zu erwandern oder zu sehen gibt. Der Gebirgsweg ist indes eindeutig ein Produkt zu vieler Regionen, die logischerweise alle ihr Bestes zeigen wollen. Und dann mäandriert man so herum.

Noch einmal Kurt Heinold: „Die Planung der neuen Wegführung des Goldsteigs war die Hauptarbeit. Mit vielen Grundbesitzern war zu reden, ob diese Wiese überquert werden darf oder jener Graben mit einem Steg überbrückt werden kann. Die meisten haben rasch zugestimmt, bei anderen war es nicht so einfach.

Das Ergebnis lässt sich jedenfalls sehen. Was für die Wegführung im oder auf Orte zu gilt, ist auch außerhalb in Wald und Flur so abwechslungsreich umgesetzt, dass man sich fragt, welcher Wanderer noch die herkömmlich geführten Wege geht. Weil Erfolg aber sexy macht, ist laut Heinold, der zweite wichtige Hauptwanderweg des Oberpfälzer Waldvereins „in der Mache“: der Nurtschweg, welcher den E6 Huckepack trägt.

Man muss an dieser Stelle der Gerechtigkeit genüge tun. Viele Wegewarte deutscher Wandervereine waren in ihrer Ehre gekränkt, als der Herr Professor aus Marburg mit einer Studie an die Öffentlichkeit trat, die belegte, dass die bisherige (immerhin bis zu 100 Jahren währende) ehrenamtliche Wege- und Markierungsarbeit der Vereine nicht mehr zeitgemäß sei. Der nach neuen Richtlinien und mit zusätzlichen Initiatoren daraufhin ins Leben gerufene Rothaarsteig sollte zeigen, wo die Zukunft der deutschen Wanderei liegt. Die weit über dem normalen Geldtopf des Sauerländischen Gebirgsverein dafür eingeworbenen Mittel in Euro und Cent machten den Rothaarsteig aber erst möglich. Und da liegt m. E. der Hase im Pfeffer. Wurde früher die reine Wegearbeit der Vereine seitens des Bundeslandes oder der politischen Regionsebene jährlich mit 5.000 bis 15.000 € bezuschusst, stellte das Land Rheinland-Pfalz 2008 allein für den Westerwaldsteig 800.000 € zur Verfügung. Ein Quantensprung. So wartet z.B. der Fränkische Gebirgsweg an wichtigen Wegepunkten bzw. Etappenenden mit überdimensional großen Orientierungstafeln auf: gefördert mit Mitteln der EU. Und der Tourismusverband Ostbayern konnte zusammen mit dem Oberpfälzer Waldverein einen privaten Geldgeber ins Boot holen und für die Idee des Goldsteigs erwärmen. Die Wegewarte der Vereine zeigen sich also offen und bereit, Kooperationen einzugehen, die letztlich allen nützen.

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