Saar-Hunsrück-Steig von Reinsfeld nach Herrstein

Am Grimburger Hof wieder einzusetzen, gestaltet sich schwierig. Dieser, mitten im Wald gelegen, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Bremen aus kaum commode in einem Tag zu erreichen. Also schenke ich mir eine halbe Etappe – unter diesen Umständen hoffentlich eine lässliche Weitwandersünde – und starte in Reinsfeld. Auch hierher ist die Anfahrt langwierig, muss ich doch mehr als drei Stunden mit dem „Eifelexpress“ auf eingleisigem Schienenstrang durch die gesamte Eifel juckeln. Aber was für ein Genuss fürs Auge ist diese sehr reizvolle und entspannte Bahnfahrt, die an nie zuvor gehörten Orten wie Auw an der Kyll vorbeiführt, lebhafte Flüsschen begleitet und weite Talgründe durchquert. Ein Auftakt nach Maß, der die Vorfreude auf die kommenden Wandertage noch mal so richtig anheizt.

Die erste Etappe führt mich nach Nonnweiler. Als ich loslaufe, benetzt noch der Tau Gräser und Büsche, aber bald hat die intensive Sonneneinstrahlung auch die letzten Tropfen verdunsten lassen und ich bin froh, in die Kühle des Waldes eintauchen und dort auch erst mal eine ganze Weile bleiben zu können. Die Wege sind meist schmal und stark verwurzelt, d.h., sehr aufmerksam und genau hinzuschauen, wo man den Fuß aufsetzt. Sie folgen meist munter plätschernden Wasserläufen durch verwunschene Bachtäler und man würde sich nicht wundern, hier auch das eine oder andere Hochwälder Fabelwesen anzutreffen. Durch den Schwarzwälder Hochwald führt mich der Steig nämlich und ungefährlich scheint’s hier auch nicht zu sein, steht doch am Weg ein über hundert Jahre alter Bildstock mit dem Gekreuzigten, der den Wanderer bittet, innezuhalten und eines gewissen Thomas Becker zu gedenken, der dort am 19. September 1883 während der Waldarbeit vom Blitz erschlagen wurde.

Um mehr über den Hochwald und das Leben und Arbeiten der Menschen dort zu erfahren, lohnt ein Abstecher nach Hermeskeil, wo man das Hochwaldmuseum besuchen kann. Obwohl es nur ein kleine Gemeinde ist, beherbergt es daneben noch das Informationszentrum Saar-Hunsrück, das Erlebnismuseum „Mensch und Landschaft“, das Rheinland-Pfälzische Feuerwehrmuseum und das Dampflokmuseum Hermeskeil. Letzteres ist wohl eine Reminiszenz an die Hochwaldbahn, die 1889 den Hunsrück an den Rest der Welt anzuschließen begann. Der Verkehr ist aber seit gut 30 Jahren weitgehend eingestellt, nur die traurigen Überreste eines Viaduktes bei Hermeskeil erinnern noch daran.

Kurz hinter Hermeskeil ragen zwei Riesenmammutbäume in den Himmel, die es nach dem Französischen Krieg 1871 in den Hunsrück verschlagen hat. Sie sind annähernd 40 m hoch und haben einen Durchmesser von 1,50 m. Sie können aber noch höher – der höchste Mammutbaum der Welt ist 84 m hoch.

Danach wird’s einsam. Die nächsten sieben Kilometer umfängt mich alter Wald, z.T. urwaldähnlich. Etliche Teiche blinken aus sumpfigem Talgrund empor, den es noch auf einem Holzbohlensteg zu queren gilt, bevor mich dann beim Hubertusbrunnen und den Ausläufern des Nonnweiler Kurgebietes die Zivilisation wieder hat. Von hier, unterhalb der mächtigen Dammkrone der Nonnweiler Talsperre, ist es nicht mehr weit bis in die Ortsmitte. An einer Weggabelung erklärt mir ein netter Schnorrer ungefragt den kürzesten Schleichweg zu meinem Hotel, natürlich nicht ohne dafür um ein wenig Kaffeegeld zu bitten, das er natürlich auch bekommt und sich zufrieden wieder auf seine „Hausbank“ zurückzieht.

Scheint Hermeskeil eher das weltliche Zentrum des Hochwaldes zu sein, dann ist Nonnweiler wohl das geistliche. Hier erhebt sich der Hochwalddom, dem Hl. Hubertus geweiht. In seinem Inneren ein Schrein, in dem das Hubertushorn aufbewahrt wird, der Ursprung aller Jagdhörner, auf denen bis zum heutigen Tage das Halali geblasen wird. Ebenso findet sich dort der Hubertusschlüssel, ein eisernes Gerät zum Ausbrennen von Bisswunden.

An der Nonnweiler Talsperre, deren gewaltige 70 m hohe Dammkrone auf steilem Pfad über Treppen und Serpentinen erreicht wird, geht’s mit den Superlativen los. Der Nonnweiler Stausee ist mit eine Fläche von 41 km² und einem Volumen von 20 Millionen m³ der größte See des Saarlandes und von Rheinland-Pfalz. Da er auch der Trinkwasserversorgung dient, darf man nicht mal die Füße reinhängen, obwohl mir das bei dieser Hitze sicher sehr gut getan hätte.

Auf dem Weg zum zweiten Superlativ komme ich an einem Wildniscamp vorbei. Dahinter verbirgt sich ein Inklusionsprojekt des NABU und des Nationalparks Hunsrück-Hochwald, bei dem Kinder und Jugendliche – behindert und nicht behindert, ausländisch und einheimisch – gemeinsam einen erlebnisreichen Tag in der Wildnis verbringen können. Ich denke, ein nachahmenswertes Vorhaben.

Und dann steige ich zum „Hunnenring“ auf, in Gänsefüßchen, weil er mit den Hunnen nichts zu tun hat, aber der Name hat sich nun mal eingebürgert. Dies ist vermutlich die größte keltische Befestigungsanlage überhaupt. Ein Mauerring von 2 ½ km umschließt eine Fläche von 19 ha. Für das 2. und 1. Jhdt. v.Chr. ist die Besiedlung gesichert. Wozu die Anlage diente ist allerdings bislang unklar: Fliehburg, stadtähnliche Siedlung, Adelssitz, Herrschaftszentrum – man weiß es nicht. Im 1. Jhdt. v.Chr. wurde sie dann aus ebenfalls ungeklärten Gründen wieder aufgegeben. Obwohl die Ringmauer eingestürzt und nur noch halb so hoch ist wie ursprünglich, bildet sie mit ihren 240 000 cbm Versturzmaterial noch immer einen gewaltigen Anblick – der Wanderweg führt auf beidseitigen Stufen über sie hinweg. Warum liegt die Anlage gerade hier? Nun, am Hang eines Berges war die Lage strategisch günstig, es gab eine starke Wasserquelle innerhalb des Rings und, vor allem, das Baumaterial – da ist er wieder der Quarzit – lag in Form großer Blockmeere gleich nebenan.

Das ist auch auf den nächsten Kilometern des Weges noch deutlich zu spüren. Uneben, felsig, scharfkantig und schmal fordert er ungeteilte Aufmerksamkeit, will man nicht stolpern oder gar umknicken. Dafür führt er aber auch zum dritten Superlativ dieser Etappe, dem Gipfel des Dollberges. Dieser ist mit 695,8 m die höchste Erhebung des Saarlandes. Nach dem Abstieg kommt man am Tiroler Stein vorbei, errichtet zum Gedenken an den fahrenden Tiroler Händler Thomas, der hier am 19.Jenner a.D. 1741 von einem unbekannten Mörder hinterrücks erschlagen wurde. Als ich so davor auf der Bank sitze und auf das Kreuz blicke, kommt meine Phantasie so richtig auf Touren: Schneegestöber, Halbdunkel, der ermattete Thomas streift seine Kiepe ab, eine vermummte Gestalt……. Im Gasthof zur Alten Mühle in Börfink finde ich hingegen eine gemütliche Unterkunft, die noch heimeliger wird, als sich draußen ein heftiges Gewitter entlädt und die Hitze des Tages erst mal verscheucht. Eine Speisekarte gibt es nicht; hier wird gegessen, was gerade gekocht wird, aber das ist in diesem Fall – Forelle Müllerin Art – sehr gut. Dazu mundet ein kräftiges Landbier. Morgen warten dann noch drei weitere Superlative auf mich: Die längste Etappe und der höchste Punkt des Saar-Hunsrück-Steiges sowie der höchste Berg von Rheinland-Pfalz.

Da mit den netten Wirtsleuten der „Alten Mühle“ gut plaudern ist, zieht sich das Frühstück noch ein wenig aber dann muss aufgebrochen werden. Bei strömendem Regen und kühlen Temperaturen – ein ganz ungewohntes Gefühl für diesen Sommer – geht’s auf die Königsetappe. 27 km, ca. 8 Std. Gehzeit und 1100 Höhenmeter wollen bewältigt werden. Dafür ist das unfreundliche Wetter aber erst mal gar nicht so schlecht. Ich marschiere die ersten drei Stunden gut eingenässt (von Außen!) durch bis zur Siegfriedsquelle, eine der zahlreichen Brunnen und Quellen in Deutschland, die mit der Nibelungensage in Verbindung gebracht werden.

Zwei Kilomester weiter auf dem Springenkopf wird’s dann kompliziert. Weiß rote Flatterbänder versperren den Wanderweg – umgestürzte Bäume machen ihn unpassierbar – und erzwingen eine weiträumige Umleitung. Also erst mal nix mit dem höchsten Berg von Rheinland-Pfalz, dem Erbeskopf, stattdessen in der Direttissima alles wieder runter, was ich bisher rauf geschafft habe. Wenigstens hat‘s aufgehört zu regnen. Den eigentlichen Wanderweg erreiche ich natürlich erst wieder unterhalb des Erbeskopfes beim Hunsrückhaus. Der Oberranger dort erklärt mir, dass die Wege seit zwei Wochen gesperrt sind, weil sie dabei sind, obwohl es sich um einen Nationalpark handelt, einen Teil des Holzes herauszuholen, damit der Borkenkäfer nicht auf angrenzende Reviere übergriffig wird.

Ich muss jetzt entscheiden, ob ich doch noch den Erbeskopf besteigen und ca. eine Stunde zusätzlichen Weges in Kauf nehmen will. Das Wetter ist mittlerweile gut und diesen Superlativ will ich mir nicht entgehen lassen – also los. Ich muss sagen, es hat sich gelohnt. Der Erbeskopf, 816 m hoch und lange Zeit militärisches Sperrgebiet, konnte 2004 wieder für die Öffentlichkeit freigegeben werden. Es wurde ein landschaftsarchitektonischer Wettbewerb zur Gestaltung des Gipfelplateaus ausgeschrieben. Heraus gekommen ist dabei die begehbare Skulptur „Windklang“ mit einer plastischen Holzarchitektur aus heimischem Lärchen- und Douglasienholz, die bewusst dem Verwitterungsprozess ausgesetzt wird. Durch sie hindurch kann man einen begrenzten aber zugleich weitern Blick über das Moseltal bis in die Eifel genießen.

Fast einen Superlativ stellt das Hunsrückbahnviadukt bei Riedenburg dar. Mit einer Höhe von 42 m ist es eine der höchsten eingeschossigen Bahnbrücken aus Stein – natürlich Quarzit – in ganz Deutschland. Zweimal führ der Weg drunter durch.

Kurz vor dem Zielort Morbach geht es ein Stück auf dem „Weg durchs Bruch“ auf einem Holzbohlensteg durch ein renaturiertes Moorgebiet, das aber bis zur ersten nennenswerten Torfschicht noch viele viele Jahre brauchen wird.

Morbach, so habe ich mir sagen lassen, ist bekannt für eine spezielle, sehr schmackhafte Bratwurst, und eine solche, angerichtet mit einem Carpaccio vom Bio-Kohlrabi, Lauch-Sahne-Gemüse sowie Walnuss-Kartoffelstampf und verfeinert mit einer Honig-Senf-Sauce, mundet mir nach dieser ausgedehnten Tagesetappe im Restaurant „Am Kirschbaum“ vorzüglich.

Die Etappe nach Kempfeld startet noch einmal mit dem „Weg durchs Bruch“, diesmal allerdings über einen mehr als 1 km langen Steg. Das gibt Gelegenheit, genauer hinzuschauen und einen Eindruck davon zu bekommen, wie sich die Flora mit der zunehmenden Versauerung des Bodens verändert.

Vor Langweiler gibt’s mal wieder eine Umleitung, die mich nun direkt durch den Ort führt - Gelegenheit zu einer Pause in einem Gasthof. Danach begleitet mich das Mittagsläuten der kleinen Dorfkirche an blühenden Kleefeldern vorbei und mit schönem Blick auf die Steinbachtalsperre aus dem Ort heraus. Auf dem „Weg zwischen den Wäldern“ passiere ich eine vergitterte Erdhöhle, bei der offen bleibt, ob niemand herein oder niemand heraus soll. Etwas weiter stoße ich auf einen ebenfalls vergitterten Stollen, in dem einstmals Dachschiefer abgebaut wurde, bis die Importe aus dem Ausland günstiger waren. Immerhin dient der Stollen heute als Fledermaushöhle, in die man auch einen Blick hätte hineinwerfen können, wenn denn die eigens dafür installierte Beleuchtung funktioniert hätte.

Am Krahlochweiher vorbei, an dem einige Petrijünger ihr Wochenenddomizil aufgeschlagen haben, geht’s zum ersten Steilanstieg des Tages über ein Blockmeer hinauf auf den Silberich. Am Gipfel thront die „Kirschweiler Festung“, eine Felsformation, die in der Tat so aussieht, als hätten hier in grauer Vorzeit Riesen ein gewaltiges Felsmauerwerk aufgetürmt. Auch wenn’s keine echte Festung ist, ein metallenes Banner hat man trotzdem oben drauf gepflanzt.

Steil führt ein schmaler Pfad wieder hinunter zur Deutschen Edelsteinstraße und dem Idar-Bach. Dann folgt der nächste happige Aufstieg über 4 km durch ein Felsenmeer von Quarzitbrocken hinauf zur Wildenburg. Auf einem 700 m hohen Quarzitfelsen ließ Wildgraf Friedrich von Kyrburg 1330 diese Burganlage errichten. 1859 brachte der Preußische Staat hier eine hochherrschaftliche Revierförsterei unter. Heute gehört die Wildenburg dem Hunsrückverein und ist ein beliebtes Ausflugsziel mit Tierpark, Walderlebnispfad und Burgschänke. Auch Freilichtspiele finden in der Burg statt. Nach einem Kaffeepäuschen in besagter Burgschänke muss ich noch 3 km eine Asphaltstraße hinunter bis Kempfeld, wo meine Unterkunft auf mich wartet.

Ein strahlender, sonniger Sonntagmorgen auf dem Mörschieder Burr. Weit schweift der Blick von dem 615 m hohen Aussichtspunkt in Gottes schöne Schöpfung – da kommt ein Dankgebet leicht über die Lippen.

Nachdem der Weg gestern schon mehrfach die Deutsche Edelsteinstraße gequert hat, bin ich nun vollends im Edelsteinland unterwegs. Hier gibt es u.a. so etwas Kurioses wie das „Steinerne Gästebuch der Deutschen Edelsteinstraße“. Auf zahlreichen Felssteinstelen sind Promis und solche, die es gerne wären, aus Politik, Wirtschaft und Kultur verewigt, weil sie irgendwann einmal die Region und die Edelsteinstraße besucht haben. Dem Stein, auf dem ihr Name prangt, mussten sie auch einen Namen geben und dabei ist es doch bemerkenswert, wie wenig einfallsreich sich dabei Politiker etwa im Vergleich zu Menschen aus dem Show-Business angestellt haben – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Am Veitsrodter Weiher ist mit Blick auf das malerische Dörfchen am gegenüberliegenden Ufer gut Mittagsrast machen. In Vollmersbach hat noch ein Gasthof im Dorfgemeinschaftshaus geöffnet, so dass ich Wasser nachtanken kann. Das erweist sich auch als dringend erforderlich, denn nun beginnt auf den letzten 8 km der Etappe eine „rasante“ Berg- und Talfahrt. Die Aufstiege sind teilweise so steil, dass sich sie mit meinen immerhin etwa 13 Kilo auf dem Rücken nur im Zeitlupentempo bewältigen kann und auch bei den Absteigen muss ich immer wieder mit aller Kraft abbremsen, um nicht ins Trudeln zu geraten. Hinzu kommt, dass die Pfade den Eindruck machen, als seien sie von unzähligen Mountainbikes planiert worden. Das geht ganz schön auf Füße und Gelenke, aber ich erreiche wohlbehalten die Edelstein-Metropole Idar-Oberstein. Sehr steil ist es auch hier, die Häuser und Gebäude sind beidseitig eines schmalen Tales, das dem Durchgangsverkehr vorbehalten ist, vertikal an den Hängen übereinander getürmt.

Hier mache ich einen Tag Pause, um mich in die Welt der Edelsteine zu vertiefen. Ich besuche die historische Weiherschleife, die Edelsteinmine im Steinkaulenberg und die Edelsteinerlebniswelt – das gibt schon wunderschöne und staunenswerte Einblicke in diese funkelnde Welt.

Zu Idar-Oberstein nur so viel: Eine zerrissene Stadt, Idar- und Oberstein und Oberstein noch zusätzlich durch eine vierspurige Durchgangsstraße sowie eine Eisenbahntrasse getrennt. Nur auf einer Fußgängerbrücke gelangt man von einer Seite zur anderen. Städtebaulich und architektonisch ist der Ort nach meinem Dafürhalten eher eine Katastrophe. Es gibt einiges an Leerstand und viel Sanierungsbedarf – der Handel mit Edelsteinen und ihre Verarbeitung, die allgegenwärtig sind, scheint das Stadtsäckl nicht sonderlich zu füllen. Die Menschen dort, sind, soweit ich mit ihnen in Kontakt gekommen bin, offen, freundlich und hilfsbereit und die Umgebung der Stadt ist natürlich wunderschön.

Auf meiner letzten Etappe für diesen Abschnitt lässt der Saar-Hunsrück-Steig noch mal richtig „die Sau raus“. Der Weg von Idar-Oberstein nach Herrstein kennt im Prinzip nur zwei Richtungen: Steil bergauf oder steil bergab – über Treppen, in Serpentinen oder auch in der Direttissima, einmal sogar seilgesichert. Kaum einmal können Muskeln und Gelenke entspannen, und die meist schmalen Pfade fordern ständige Konzentration. Gut, dass es immer wieder angenehme Rastplätze am Weg gibt. Gleichwohl, nach 20 km am Ziel weiß ich, was ich getan habe.

Landschaftlich ist auch diese Etappe großartig. Zunächst hat man immer wieder noch schöne Ausblicke auf Idar-Oberstein mit Schloss und Burgruine. Dann wandert man ein Stück im Nahe-Gebiet; am Aussichtspunkt „Naheblick“ habe ich zwar Einkaufszentren und Autostraßen im Tal erblickt aber nichts von der Nahe. Das ist überhaupt ein Problem der ersten fünf, sechs Kilometer: Ständiger Lärm von einer viel befahrenen Bundesstraße und der Eisenbahn dröhnt herauf und oben düst alle paar Minuten ein Jet drübeweg. Nachdem ich das alles hinter mir gelassen habe, gibt’s noch ein Motorsägenkonzert, aber dann überwiegen Gott sei Dank wieder die Geräusche der Natur. Dabei ist mir allerdings schon die ganze Zeit aufgefallen, dass ich kaum Vogelstimmen höre. Immer mal wieder das Gekrächze eines Eichelhähers und hin und wieder ein zaghaftes Tschilpen, das ich nicht zuordnen kann, aber ansonsten herrscht weitgehend Stille in der Vogelwelt. Das bestätigt mir auch der Bürgermeister von Hintertiefenbach, mit dem ich, nachdem er so freundlich war, meine Wasserflasche aufzufüllen, darüber ins Gespräch gekommen bin.

Im Weiteren verläuft der Weg durch ein Gebiet, in dem schon im 16. Jhdt. Kupfer abgebaut wurde. Oberhalb einer Schlucht informiert eine Tafel über eine bergmännische Katastrophe. Hier ist in der Silvesternacht 1592 ein unterirdischer Abbauhohlraum eingestürzt. Glücklicherweise ist niemand zu Schaden gekommen, aber die Mine musste zunächst mal zumachen, was die Konkurrenz durchaus erfreute. 200 Jahre später allerdings hatte sich dieser sogen. Tagesbruch soweit beruhigt, dass man jetzt hier das Kupfer weitaus günstiger im Tagebau gewinnen konnte, was die Konkurrenz diesmal durchaus vergräzte.

Die landläufige Meinung, dass man kein Heu mähen kann, ist nach diesem Sommer auch nicht mehr haltbar. Zwei große Wiesen, auf denen das Heu noch stand und auf die Mähmaschine wartete, habe ich mit eigenen Augen gesehen.

Mein Endpunkt Herrstein ist ein Bilderbuchdörfchen, das sich im Kern seit dem Mittelalter nicht wesentlich verändert haben dürfte. Hier lebte im 14. Jhdt. auf Burg Herrstein auch Loretta von Sponheim, eine der mutigsten Frauen des Mittelalters, die sich erkühnt hatte, den Bruder des Kaisers entführen zu lassen um ihre Rechte als Witwe durchzusetzen. Die Zehentscheune mitten im Ort, in der ich untergekommen bin, ist ein Bilderbuchanwesen, das auch noch den Geist dieser Zeit spüren lässt.

Sechs wunderschöne und lohnende Etappen auf dem Saar-Hunsrück-Steig sind damit zu Ende und ich hoffe, dass ich auch die noch fehlenden Etappen bis Boppard am Rhein in absehbarer Zeit erwandern kann.

Heißer Wintersportort HermeskeilRiesenmammutbäume von 1871Stausee NonnweilerÜber die Hunnenring-Mauer gehts weiterDer "Windklang" am ErbeskopfHunsrückbahnviadukt bei RiedensburgAm KrählochweiherAm Vollmersbach bei VeitsrodtBlick auf Idar-ObersteinIn der EdelsteinerlebnisweltHeu kann gemäht werdenHier gehts nach Herrstein rein
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